22.11.2017

So funktioniert eine Wertschöpfungspartnerschaft im Einkauf

Die Märkte verändern sich. Unternehmen müssen sich neu aufstellen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Sie richten sich nicht mehr nur am eigenen Unternehmen aus, sondern verbessern die Wertschöpfungskette auf der ganzen Linie. Um dieses Ziel zu erreichen, gehen Besteller mit ihren A-Zulieferern eine Wertschöpfungspartnerschaft ein.

Wertschöpfungspartnerschaft in der Beschaffung

Wertschöpfungspartnerschaft: Lineares Denken wird durch vernetztes Denken abgelöst

Früher teilte der Konstrukteur dem Einkäufer mit, was er brauchte. Der Einkäufer bestellte dann. Heute besucht so mancher Einkäufer seine A-Lieferanten vor Ort, um zu erfahren, welche neuen Entwicklungen sie gerade vorantreiben. Mit frischen Ideen kommt er dann zu den hauseigenen Konstrukteuren und Entwicklern. So kann er selbst Bestellvorschläge und konkrete Problemlösungen präsentieren. Das ist bereits der Beginn einer Wertschöpfungspartnerschaft.

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Der andere Weg sieht so aus: Einkäufer setzen sich mit Entwicklern, Vertrieblern und andern Mitarbeitern an den jeweiligen Schnittstellen zusammen. Gemeinsam sucht man bestimmte Lieferanten aus und prüft die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit. Alle zusammen erarbeiten dann gemeinsam mit den Lieferern je nach Waren- oder Produktgruppe Strategien. Sie gleichen die Roadmaps ihres Unternehmens mit denen der Lieferanten daraufhin ab, wann und wie lange neue Technologien zur Verfügung stehen.

Wertschöpfungspartnerschaft sichert Zukunft

Zwar mögen manche Einkäufer nicht, dass sich Entwickler direkt mit ihren Lieferanten zusammensetzen, um über Neuentwicklungen und Verfahren bei der Fertigung zu sprechen. Aber heute wird die enge Zusammenarbeit von Einkäufer, Entwickler und Lieferant immer wichtiger, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben.

Im Gegenzug arbeiten sich die Einkäufer mehr und mehr in technische Themen ein. So können sie den Entwicklungsprozess begleiten und parallel dazu passende Lieferanten sowie optimale Lösungen finden.

Vernetztes Denken ist angesagt. Das unternehmensinterne Gerangel um Zuständigkeiten gerät in den Hintergrund. Für die Unternehmensführung gilt es, Struktur in Prozesse zu bringen und Reibungspunkte zu vermeiden. Die klassischen Unternehmensgrenzen verschwimmen und weichen der Netzwerkbeziehung.

Zuerst das Ziel der Zusammenarbeit definieren

Möchten sich Wertschöpfungspartner zusammenschließen, definieren sie am besten zunächst das Ziel der Zusammenarbeit und entwerfen eine Gesamtstruktur. Dafür hilft diese Frage: Wer arbeitet mit welchem Ziel und Zweck wann, mit wem und mit welchen Verantwortungsbereichen zusammen?

Dann schließen sie über die Zusammenarbeit einen Vertrag, zum Beispiel einen Rahmenvertrag, der die Zusammenarbeit allgemein regelt und unverändert bleibt, und Leistungsvereinbarungen, die bei neuen Anforderungen der Partner geändert werden. Auf diesem soliden Fundament kann die Zusammenarbeit beginnen.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)