Fachbeitrag | Information
17.04.2015

Freiwilligentage im Rathaus? Nutzen, Chancen und Öffentlichkeit

Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, gemeinsam mit ihrer Belegschaft sogenannte „Freiwilligentage“ zu organisieren: Die Mitarbeitenden werden in diesen Tagen von ihrem eigentlichen Dienst freigestellt und sind ehrenamtlich in verschiedenen sozialen Einrichtungen und Projekten engagiert: Die Personalstelle hilft bei der örtlichen Tafel aus, die Mitarbeiter des Bauhofs unterstützen Menschen mit Behinderung bei der Gartenarbeit und so weiter. Wie so etwas in Ihrem Rathaus aussehen könnte, erfahren Sie hier.

© mangostock /​ iStock /​ Thinkstock

Das ehrenamtliche Engagement in Deutschland ist nach wie vor ungebrochen hoch. Viele Menschen engagieren sich in Vereinen, in Parteien oder bei den Tafeln. Das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen, ist lobenswert. Diesen Trend haben auch zahlreiche große Unternehmen erkannt und halten jährlich immer wieder sogenannte Freiwilligentage ab, auch „Volunteer Days“ genannt. Ziel dabei ist es erstens, der eigenen Belegschaft die Möglichkeit zu eröffnen, sich ehrenamtlich zu engagieren, und zweitens, dafür zu sorgen, dass sie Erfahrungen außerhalb ihres eigentlichen Arbeitsbereichs sammeln kann.

Kontakte knüpfen

Haben Sie als Bürgermeister den Entschluss gefasst, einen oder gar mehrere Ehrenamtstage mit der Belegschaft Ihres Rathauses zu begehen, ist es wichtig, zu hinterfragen, welche Ideen denn die eigene Belegschaft hat. Starten Sie also eine Umfrage unter all Ihren Mitarbeitern und lassen Sie sich kreative und spannende soziale und ehrenamtliche Projekte angeben. Sortieren Sie die interessantesten aus und lassen Sie gegebenenfalls darüber abstimmen. Hat sich die Belegschaft für ein Projekt entschieden (am besten lassen Sie eine Rangfolge erstellen), nehmen Sie Kontakt zu der entsprechenden Einrichtungsleitung auf und vereinbaren Sie einen Gesprächstermin. Aus dieser vertrauensvollen Zusammenarbeit kann sich ein langfristiges Netzwerk entwickeln.

Die Einrichtungen

Soziale Einrichtungen haben in der Regel ein großes Interesse daran, dass ihre Anliegen und ihre Arbeit an die Öffentlichkeit gelangen. In Ihrem Erstgespräch sollten Sie darauf achten, dass die Einrichtungsleitung spürt, dass es Ihnen und Ihrer Rathausbelegschaft ernst mit dem Anliegen ist. Nichts scheuen soziale Einrichtungen mehr (zu Recht!), als vor einen PR-Karren gespannt zu werden. Erläutern Sie daher exakt, worum es Ihnen geht und welche Form der Zusammenarbeit Sie anstreben. Anerkennen Sie, dass soziale Einrichtungen wie die Bahnhofsmissionen, Diakonie- und Caritasstationen oder Wohnungslosenunterkünfte nach anderen Regeln und zu anderen Zeiten funktionieren als Ihr Rathaus. Sprechen Sie daher auch im Vorfeld gut ab, welche Arbeiten durch Ihre Mitarbeiter verrichtet werden können und welche Arbeiten sie überhaupt erledigen dürfen (Datenschutz, Persönlichkeitsschutz, Hygienevorschriften etc.)!

Der Nutzen

Öffentlichkeit herzustellen gehört zu einem der zentralen Anliegen sozialer Einrichtungen. Nur über die Öffentlichkeit lassen sich Anliegen platzieren und Forderungen begründen. Auch Sie haben mit Ihrer Verwaltung ein Anliegen deutlich zu machen: Sie nehmen die sozialen Probleme in Ihrer Kommune ernst und wenden sich den Betroffenen zu. Indem Sie zeigen, dass Ihre Verwaltung verstanden hat, wofür sie ihre Arbeit verrichtet, nämlich für die Menschen vor Ort, erreichen Sie einen wesentlich höheren Akzeptanzgrad, eine Sympathiesteigerung und damit verbunden einen höheren Wert sozialer Zustimmung. Den Einrichtungen ermöglichen Sie durch Ihre eigene Prominenz eine Prominenz in der Öffentlichkeit und damit verbunden mitunter sogar ein ansteigendes Spendenaufkommen. Es gilt: Die Menschen in unserem Land spenden gern, sie möchten aber (auch zu Recht!) exakt wissen, wofür. Freiwilligentage sind dafür die beste Gelegenheit.

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)

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