Fachbeitrag | Information
23.03.2015

Warum zum Hänschen gehen, wenn Hans die Tür auch auf hat?

Bürgermeister von heute sind keine staubigen Beamten mehr, die Bürger als Bittsteller empfangen und Untergebene anschreien. Auch als Führungskräfte zeigen wir uns modern und innovativ. Führen durch Angst ist ebenso wenig zeitgemäß wie fehlende Kommunikation und eine Führungskultur der verschlossenen Tür. Aber alles hat seine Grenzen …

Führungskultur© Hemera Technologies /​ AbleStock.com /​ Thinkstock

„Meine Tür steht immer für Sie offen!“

Wahrscheinlich hat jeder von Ihnen diese Floskel schon einmal verwendet, um seinen Mitarbeitern zum Ausdruck zu bringen, dass Sie eine ansprechbare, problemlösende und sympathische Führungskraft sind. Ähnlich wie die modernen Väter stecken auch wir modernen Führungskräfte in einem Dilemma: Wir wollen respektiert und geachtet werden, wir wollen, dass unsere Anordnungen umgesetzt werden, aber eben auch, dass unsere Mitarbeiter mitdenken und engagiert und kreativ arbeiten. Nicht zuletzt haben wir ein zutiefst menschliches Bedürfnis: Wir wollen auch gemocht werden. Um all das umzusetzen, ist es doch schon mal ein guter Anfang, den Mitarbeitern zu verkünden, dass die eigene Tür stets für deren Anliegen offen steht, oder!?

Hierarchien einhalten

Wenn Sie das Prinzip der „offenen Tür“ tatsächlich leben und sich stets Zeit für die Anliegen und Probleme Ihrer Mitarbeiter nehmen, dann kann dies zu einem negativen Effekt führen. Es kann passieren, dass Mitarbeiter die Hierarchie nicht mehr einhalten, da es doch viel besser ist, sich gleich die Rückendeckung vom Chef zu holen und nicht erst noch den lästigen Umweg über den eigenen Vorgesetzten zu gehen. Sie untergraben damit die Autorität ihrer eigenen Führungskräfte und nicht zuletzt verwenden Sie Ihre Zeit dafür, sich um Dinge zu kümmern, die eigentlich in den Ebenen unter Ihnen zu bearbeiten sind. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie mit der „offenen Tür“ wohldosiert umgehen.

Differenzieren Sie die Anliegen

Ich empfehle Ihnen daher dringend, die eintreffenden Anliegen klar nach der einfachen Frage zu differenzieren: Gehört das wirklich jetzt schon auf meinen Tisch oder hätte das auf den Tisch eines meiner Mitarbeiter gehört? Natürlich ist es oftmals bequemer, einfacher und schneller, die Anliegen kurz und schmerzlos zu bearbeiten bzw. zu entscheiden. Außerdem fühlen wir uns ohnehin für alles verantwortlich. Dafür werden wir bezahlt und das können wir in der Regel ganz gut. Damit gehen Sie den Weg des geringsten Widerstands und sorgen dafür, dass immer mehr Vorgänge direkt auf Ihrem Schreibtisch landen, die anderswo auch erledigt werden könnten. Wenn Sie solche Anliegen mit dem Hinweis auf die einzuhaltende Hierarchie zurückweisen, werden Sie sicherlich auf der Beliebtheitsskala nicht nach oben klettern. Aber Sie sorgen dafür, dass in Ihrer Verwaltung die sinnvollerweise vorhandenen Hierarchien eingehalten werden, und Sie schützen sich selbst davor, sich im Kleinklein zu verlieren.
Es gibt natürlich auch Anliegen von Mitarbeitern unterer Ebenen, die es durchaus wert sind, dass Sie sich Zeit dafür nehmen. Es erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl, die einen von den anderen Anliegen zu unterscheiden. Aber niemand hat gesagt, dass unser Job leicht ist …

Autor: Rouven Kötter (Rouven Kötter ist Autor des WEKA-Newsletters "Bürgermeister aktuell".)

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