Fachbeitrag | EnEV
24.06.2015

Bewertungspunkte zur Entscheidung: Heizung weiterbetreiben oder ersetzen?

Die Entscheidung, ob eine bestehende Heizungsanlage unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten weiterbetrieben werden kann, ist nicht pauschal zu beantworten.

Heizung_wechsel®AlexRaths /​ istock /​ thinkstock

Hier kommt es auf einige Randbedingungen an, die im Folgenden stichpunktartig behandelt werden sollen, um eine Beurteilung zu erleichtern. Unabhängig davon ist natürlich der Heizungstausch vorzunehmen, wenn aufgrund der Austauschverpflichtung nach EnEV oder BImSchV die Heizungsanlage nicht weiterbetrieben werden darf.

Wärmeerzeuger

Ein Heizungstausch betrifft primär den Wärmeerzeuger, meistens einen mit Öl oder Gas befeuerten Heizkessel. Die dazugehörige Peripherie (Verteilnetz, Übergabe) wird in den meisten Fällen weiterbetrieben, hier kann jedoch entsprechend optimiert werden.

Die optimale Beurteilung eines bestehenden Heizkessels kann mit einem Heizungscheck gemäß DIN EN 15378 durch einen erfahrenen Installateur oder Heizungsplaner erfolgen.
Allgemein ist der Kesseltausch sinnvoll bei

  • Alter des Kessels > 20 Jahre
  • bei Hochtemperaturkesseln (Standardkessel ohne Kesseltemperaturregelung)

Kesseltausch bei einem Alter von < 20 Jahren
Erreicht der Kessel in absehbarer Zeit seine erwartete Lebensdauer von 20 Jahren, ist ein Kesseltausch sinnvoll, wenn Modernisierungsmaßnahmen geplant sind, die sich auf die Heizung auswirken, z.B.:

  • Reduzierung der Heizlast durch Ertüchtigung der Gebäudehülle
  • gleichzeitiger Austausch der Wärmeübergabe (z.B. Fußbodenheizung statt Heizkörpern – hier kann der Brennwerteffekt genutzt werden)
  • günstige Gelegenheit, den Brennstoff zu wechseln (z.B. Umstellung von Heizöl auf Pellets oder Erdgas)
  • schlechte Abgaswerte des Kessels

Hinweise für die Praxis

Auch bei nicht optimalen Abgaswerten oder älteren Niedertemperaturkesseln kann ein Kesseltausch ungünstig sein, wenn in absehbarer Zeit Modernisierungsmaßnahmen anstehen, die die Gebäudeheizlast verringern. Dies muss besonders beachtet werden, wenn als neuer Wärmeerzeuger ein Pelletkessel oder eine Wärmepumpe vorgesehen ist, die bei Überdimensionierung deutlich schlechtere Nutzungsgrade aufweisen. Hier macht es ggf. Sinn, wenn der Kesseltausch erst im Zuge der übrigen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wird.
Ebenfalls ist ein Kesseltausch zu überdenken, wenn ein bisheriger Niedertemperaturkessel durch einen Brennwertkessel ersetzt werden soll, wenn das bestehende Heizungsnetz durch zu klein bemessene Heizflächen nicht für den Brennwertbetrieb geeignet ist.
Niedertemperaturkessel mit einem Alter von deutlich unter 20 Jahren
Hier ist ein Kesseltausch (trotz Nichtnutzung des Brennwerteffekts) oft nicht wirtschaftlich abzubilden. Hier sollte aber die Möglichkeit erwogen werden, den Kessel als Spitzenlast oder Redundanzkessel weiterzubetreiben und mit einem weiteren Wärmeerzeuger (Solaranlage, Scheitholzkessel, Pelletprimärofen, Wärmepumpe und dgl.) zu kombinieren.
Reduzierung der Heizlast durch energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle bei Kesselalter deutlich unter 20 Jahren
Bei Gaskesseln (vor allem modernen Brennwertgeräten) ist durch die Modulationsfähigkeit meist der Betrieb ohne wesentliche Nutzungsgradverschlechterung möglich. Vorsicht aber bei großer Reduktion der Heizlast.
Bei Niedertemperaturkesseln, Pellet- oder Scheitholzkesseln kann der Nutzungsgrad durch Nachrüstung/Anpassung eines Heizkreispufferspeichers optimiert werden.
Wärmeverteilung
Das Wärmeverteilungsnetz im Heizraum selbst wird i.d.R. bei einem Tausch des Wärmeerzeugers zum Teil mit erneuert und somit auf den aktuellen Stand gebracht. Hierbei werden auch – so nicht schon im Vorfeld geschehen – die Heizkreisumwälzpumpen bzw. Zirkulationspumpen durch Hocheffizenzpumpen gemäß europäischer Energieeffizienzrichtlinie ausgetauscht.
Das Wärmeverteilnetz muss immer über eine Isolierung gemäß EnEV verfügen. Diese ist ggf. nachzurüsten

.
Ein kompletter Austausch des Verteilnetzes ist nur bei umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen anzuraten. Gründe für den Austausch sind z.B.:

  • bestehendes Einrohrnetz
  • Korrosion
  • bereits vorhandene Leckagen
  • Zusetzung/Verkalkung der Rohre
  • häufige Störungen durch Schmutzpartikel
  • Umstellung von Heizkörpern auf Fußbodenheizung

Wärmeübergabe

Der Austausch von bestehenden Heizkörpern ist neben rein optischen Gründen nur erforderlich bei Undichtigkeiten (z.B. Durchrostung) und für einen optimalen Heizbetrieb zu klein dimensionierten Heizflächen. Je nach Korrosionszustand bzw. Ergebnis des hydraulischen Abgleichs ist aber oft der Austausch einzelner Heizkörper ausreichend.
Bei umfangreicheren Modernisierungsmaßnahmen sollte die Umstellung von Heizkörpern auf Fußboden- bzw. allgemein Flächenheizung erwogen werden.
Im Rahmen des hydraulischen Abgleichs ist – wenn irgendwie möglich – der Austausch der Heizkörperventile (bzw. Heizkreisventile bei Fußbodenheizung) durch voreinstellbare Ventile vorzusehen. Nur wenn dies nicht durchgehend möglich ist, z.B. bei sehr großen Wohngebäuden mit vielen Parteien, sind entsprechende Strangregulierventile bzw. Differenzdruckregler einzubauen.
Bei einem Heizkörpertausch sind immer voreinstellbare Ventile einzubauen, am besten kombiniert mit einer Rücklaufverschraubung.

Autor: WEKA-BAU Redaktion 

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