05.06.2020

GEG tritt in Kraft – aktueller Stand des Gebäudeenergiegesetztes

Das Gebäudeenergiegesetz, kurz GEG, schafft ein neues Gesetz für die energetischen Anforderungen an Neubauten und an Bestandsgebäude sowie an den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteversorgung. Was ist der aktuelle Stand beim GEG und was müssen Sie zukünftig beachten?

GEG Gebäudeenergiegesetz

GEG im Bundestag und Bundesrat verabschiedet: Wann wird es in Kraft treten?

Die Verabschiedung des GEG im Bundestag ist am 18. Juni erfolgt. Der Bundesrat hat dem Gesetz am 3. Juli zugestimmt. Jetzt muss es vom Bundespräsidenten gezeichnet werden. Anschließend wird es im Bundesgesetzblatt verkündet. Geht das alles zügig über die Bühne, wird das neue Gesetz am 1. Oktober 2020 in Kraft treten.

Zeitstrahl GEG
Zeitstrahl des GEG – vom ersten Entwurf bis zum Inkrafttreten

Das GEG (Gebäudeenergiegesetz) wurde am 23.10.2019 als Referentenentwurf vom Bundeskabinett beschlossen.
Die europäischen Anforderungen zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden werden mit dem Entwurf durchgesetzt.
Die Regelung des Niedrigstenergiegebäudes wird jetzt in das vereinheitlichte Energieeinsparrecht integriert.

Es schafft ein neues, einheitliches, aufeinander abgestimmtes Regelwerk für die energetischen Anforderungen an Neubauten, an Bestandsgebäude und an den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden.

GEG Gebäudeenergiegesetz nach Sachverständigenanhörung am 05.03.2020

Die Experten forderten bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestages Nachbesserungen am GEG-Entwurf. Diskutiert wurde u.a.:

  • Rechtliche Vorgaben seien zu schwammig
  • Mieter und Eigentümer werden belastet
  • Biogas wird zu wenig berücksichtigt

Bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs eines Gebäudes oder Wärmenetzes wird die Wärme aus Biogas gleichgesetzt mit der Wärme aus Erdgas und Steinkohle. Hier soll nach Meinung der Bioenergieverbände nachgebessert werden.

Corona wird voraussichtlich die Entscheidungsprozesse zusätzlich erschweren. Es bleibt spannend, ob der Terminplan eingehalten wird und das Gesetz zeitnah verabschiedet wird.

Stand des GEG nach 1. Lesung im Bundestag am 29.01.2020

Die erste Lesung zum neuen Gesetzentwurf des GEG am 29.01.2020 im Bundestag zeigte, dass die Fraktionen diverse Änderungswünsche haben. In den Ausschüssen wird nun die fachliche Arbeit fortgeführt. Es bleibt abzuwarten, ob zeitnah eine Einigung gefunden wird.

Stand des GEG nach 1. Lesung im Bundesrat am 20.12.2019

Folgende Punkte hat der Bundesrat nach seiner ersten Lesung an die Bundesregierung weitergeleitet:

  • Betriebsverbot für Ölheizungen soll ausweitet werden
  • Wärmesektor soll sich für synthetische Energieträger öffnen
  • Grubengas aus dem stillgelegten Steinkohlebergbau soll erneuerbaren Energien gleichgestellt werden
  • Stichprobenprüfungen von Klimaanlagen sollen verschärft werden
  • Keine Frist bei der Nachrüstungspflicht für Heizungsanlagen
  • Austauschprämie für alte Ölheizung
  • Einheitliche Regelungen für die energetischen Anforderungen an Neubauten, Bestandsgebäude und den Einsatz erneuerbarer Energien zu ihrer Wärme- und Kälteversorgung
  • Ziel: Energieeinsparungen durch eine effiziente Anlagetechnik und einen energetisch hochwertigen baulichen Wärmeschutz
  • Energiebedarf soll zunehmend durch erneuerbare Energien gedeckt werden

Wie geht es jetzt weiter mit dem neuen GEG (Gebäudeenergiegesetz)?

Laut eines möglichen Zeitplans wird der Bundestag das Gesetz dem Bundesrat Anfang April zuleiten. Das Gesetz ist nicht zustimmungsbedürftig. Es bleibt spannend.

Wir halten Sie auf dem Laufenden über den aktuellen Stand des GEG!

Was regelt das GEG?

Das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) setzt die europäischen Vorgaben zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden vollständig um und integriert die Regelung des Niedrigstenergiegebäudes in das vereinheitlichte Energieeinsparrecht.

Zudem wird auf neue DIN-Normen umgestellt, z.B. auf die neue DIN V 18599:2018-09 (Energetische Bewertung von Gebäuden – Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung – Teil 1: Allgemeine Bilanzierungsverfahren, Begriffe, Zonierung und Bewertung der Energieträger)

und die neue DIN 4108-4 (Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 4: Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte).

Das GEG wird mehrere andere Gesetze überflüssig machen: Tritt es in Kraft, treten das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und die Energieeinsparverordnung (EnEV) zeitgleich außer Kraft.

In folgender Tabelle sehen Sie, wie sich die alten Verordnungen bzw. Gesetze in das neue GEG wandeln:

Vergleich EEWärmeG/EnEV/EnEG und GEG
Vergleich EEWärmeG/EnEV/EnEG und GEG

Welche Änderungen müssen Sie beim energetischen Bauen und Sanieren in Zukunft beachten?

Zentrales Anliegen der Novelle ist die Entbürokratisierung und Vereinfachung. Die heute noch separaten Regelwerke zur Gebäudeenergieeffizienz und zur Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien werden zusammengeführt und vereinheitlicht.

Beim genauen Studieren des Entwurfs zeigen sich auch Unterschiede zu vorher. Sehen Sie hier, was Sie in naher Zukunft beachten müssen.

Was ändert sich am GEG im Vergleich zu EEWärmeG/EnEV/EnEG (auf Basis des Entwurfs)?

Schnellübersicht der Änderungen GEG vs. EEWärmeG/EnEV/EnEG

  • Keine Verschärfungen der energetischen Anforderungen
  • Konkrete energiepolitische Ziele gestrichen – Verweis auf Ziele der Bundesregierung
  • Überprüfung des energetischen Standards bereits im Jahr 2023 (neues GEG für 2024 angekündigt)
  • Referenzgebäudebeschreibung bleibt weitestgehend unverändert, aber:
    • statt Öl- jetzt Erdgas-Brennwertkessel
    • um Gebäudeautomation erweitert
  • Anforderungen an baulichen Wärmeschutz bleiben, aber für Hallen (h > 4m) gilt:
    • Ausnahme entfällt
    • Von der Pflicht zur anteiligen Nutzung erneuerbarer Energien befreit
  • Primärenergiefaktoren bleiben und stehen jetzt direkt im GEG (Verweis auf DIN V 18599-1 entfällt). Neu: Faktor 0,6 in der Bilanzierung angesetzt für:
    • Biomasse (Biomethan) und biogenes Flüssiggas, wenn:
      • aus Netz bezogen
      • in KWK-Anlage genutzt
      • Nachweis vom Einsatz des Lieferanten über ein Massebilanzsystem
    • Mit Erdgas geheizten Neubau, wenn:
      • Betrieb einer KWK-Anlage
      • Ersetzen von Altanlagen mit schlechter Energieeffizienz
  • Im Energieausweis muss ab sofort die Treibhausemission genannt werden

 

Modellgebäudeverfahren für neue Wohngebäude

Mit dem „Modellgebäudeverfahren“ können Sie laut neuem GEG in Zukunft Anforderungen nachweisen, ohne Berechnungen für den Nachweis durchzuführen. Die Einhaltung der Anforderungen wird vermutet, wenn die Anwendungsvoraussetzungen erfüllt sind. Dazu ist die Gebäudegröße zu bestimmen und die Auswahl der anlagentechnischen Ausstattung vorzunehmen.

EnEV-easy

 

Neue Regelungen für Heizungen

Wenn in einem bestehenden Gebäude eine Ölheizung ausgetauscht werden muss, darf ab 2026 nur dann wieder eine Ölheizung eingebaut werden, wenn in dem Gebäude der Wärme- und Kältebedarf anteilig durch die Nutzung erneuerbarer Energien gedeckt wird. Erlaubt sind also auch nach dem GEG weiterhin Hybridheizungen zum Beispiel aus Ölheizung und Solarthermie.

Das Verbot von Ölheizungen gilt nicht, wenn Erdgas oder Fernwärme nicht zur Verfügung stehen und die anteilige Nutzung von Erneuerbaren Energien technisch nicht möglich ist oder zu einer unbilligen Härte führt.

Die schon jetzt geltende Austauschpflicht für Ölheizungen und Gasheizungen, die älter als 30 Jahre sind, bleibt bestehen.

Für den Neubau ist die Nutzung erneuerbarer Energien zur anteiligen Deckung des Wärme- und Kältebedarfs bereits heute im EEWärmeG vorgeschrieben. Gebäudenah erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien wird durch das neue GEG besser angerechnet.

Förderung von energetisch besonders hochwertigen Neubau- und Sanierungsvorhaben

Die energetische Gebäudesanierung soll nach dem GEG künftig steuerlich gefördert werden. Zudem sollen die etablierten Investitions- und Tilgungszuschüsse für Einzelmaßnahmen und Komplettsanierungen auf Effizenzhausniveau um 10 Prozent steigen. Die Fördermaßnahmen unterstützen speziell auch beim Heizungstausch.

Neben den jetzigen Förderprogrammen wurde eine Austauschprämie beschlossen. Wer seine alte Ölheizung durch ein klimafreundlicheres Gerät ersetzen lässt, erhält hierfür eine Förderung von 40 Prozent. Unabhängig davon ist der Austausch einer Ölheizung künftig auch steuerlich absetzbar.

Befristete Regelungen für innovative Lösungen

Neu im GEG ist die Einführung einer Innovationsklausel, die als befristete Regelung in zweierlei Hinsicht innovative Lösungen ermöglichen soll:

  1. Es ist bis Ende 2023 möglich, entweder den Nachweis des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs zu verwenden oder auf ein System auszuweichen, das auf die Begrenzung der Treibhausgasemissionen ausgerichtet ist. Hierfür muss eine Befreiung der zuständigen Behörde beantragt werden.
  2. Es ist bis Ende 2025 möglich, bei Änderungen von bestehenden Gebäuden Gebäudemehrheiten zu betrachten. Es kann hier eine gemeinsame Wärmeversorgung im Quartier vereinbart werden. Dies dient der Stärkung von quartiersbezogenen Konzepten.

Verpflichtende Energieberatung bei Kauf und umfassender Sanierung

Künftig soll laut GEG der Verkäufer oder Makler beim Verkauf eines Ein- und Zweifamilienhauses ein Beratungsgespräch mit einem Energieberater der Verbraucherzentrale anbieten müssen. Diese Beratung soll auf Basis des Energieausweises stattfinden und der Aufklärung des Käufers dienen.

Auch bei der Sanierung eines Ein- oder Zweifamilienhauses, bei der eine Bewertung der Gesamtenergieeffizienz des sanierten Gebäudes durchgeführt wird, soll eine Energieberatung vor Beauftragung der Planungsleistungen Pflicht werden.

Energieausweis-Pflicht

Die Plichten zur Vorlage eines Energieausweises bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung sowie die Vorgaben zu Pflichtangaben in Immobilienanzeigen werden mit dem neuen GEG auch auf Immobilienmakler ausgeweitet.

Im Energieausweis sind künftig zusätzlich die Kohlendioxidemissionen eines Gebäudes anzugeben, die sich aus dem Primärenergiebedarf/-verbrauch ergeben. Zudem werden Angaben zu inspektionspflichtigen Klimaanlagen verlangt. Bei Neubauten muss zum Anteil der Erneuerbaren Energien am Wärme- und Kälteenergiebedarf auch der Anteil zur Pflichterfüllung genannt werden.

Um die Qualität der Energieausweise zu verbessern, legt der Entwurf strengere Sorgfaltspflichten für Aussteller von Energieausweisen fest. Sie müssen

  • Berechnungen anderer Aussteller einsehen, bevor sie auf dieser Basis einen Ausweis ausstellen,
  • von Eigentümern bereitgestellte Angaben sorgfältig prüfen und nicht verwenden, wenn Zweifel an deren Richtigkeit bestehen,
  • für bestehende Gebäude eine Vor-Ort-Begehung durchführen oder geeignete Fotos zur Verfügung stellen lassen.

Auch Handwerker und staatlich anerkannte Techniker mit entsprechender Fortbildung werden für Nichtwohngebäude (in Zukunft geplant auch für Neubauten) ausstellungsberechtigt.

Keine Verschärfung der energetischen Standards

Wer saniert oder neu baut, muss die gleichen Werte erfüllen, wie sie jetzt in der EnEV festgeschrieben sind. Erst 2023 sollen die geltenden Anforderungen des neuen GEG überprüft werden.

Der Endenergiebedarf eines Neubaus nach GEG liegt bei 45 bis 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche. Das sind 65 bis 73 Prozent weniger als der mittlere Endenergieverbrauch im Gebäudebestand, der bei 167 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche liegt.

Jetzt auf das neue GEG vorbereiten!

Tritt das GEG in Kraft, ist es ab sofort einzuhalten. Dies gilt selbst dann, wenn die Anforderungen vertraglich nicht vereinbart sind.

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GEG News

 

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Autor: WEKA Redaktion