07.04.2016

Störfall

Aufgrund des Katastrophenpotentials von bestimmten verfahrenstechnischen Anlagen müssen Störfälle von vorn herein vermieden werden. Diese Maßnahmen schließen die Störfall-Vorsorge mit ein:

6859 GrundlagenCenter

Störfall Definition

Ein Störfall ist ein Ereignis, wie z. B.

  • eine Emission
  • ein Brand oder
  • eine Explosion größeren Ausmaßes

mit der weiteren Eigenschaft, dass dieses Ereignis

  • sich aus einer Störung des bestimmungsgemäßen Betriebs in einem Betriebsbereich oder in einer Anlage ergibt
  • unmittelbar oder später innerhalb oder außerhalb des Betriebsbereichs oder der Anlage zu einer ernsten Gefahr oder zu Sachschäden führt und
  • bei dem ein oder mehrere gefährliche Stoffe beteiligt sind

Sicherheitskonzept für die Störfall-Vorsorge

Der Umgang mit hohen technischen Gefahrenpotentialen in Anlagen erfordert ein Vorsorgekonzept, welches darauf abzielt, Auswirkungen aus Gefahrenpotentialen in sozialverträglicher Weise zu vermeiden. Dieser Ansatz schließt alle möglichen Maßnahmen und Verfahrensweisen zur Verminderung von Gefahrenpotentialen, Gefahrenstreuung, der Vermeidung von Störfällen sowie der Begrenzung ihrer Folgen mit ein.

Davon sind eine Fülle gesellschaftlicher Bereiche betroffen, die unter dem Blickwinkel der integrierten Sicherheit neu betrachtet werden müssen. Bei der Durchsetzung der neuen Sichtweise muss auf die sich in den einzelnen Bereichen historisch herausgebildeten Prinzipien und Rechtsvorschriften Rücksicht genommen werden. Dies bedeutet, dass das Konzept der integrierten Sicherheit in einem Anpassungsprozess nur schrittweise durchgesetzt werden kann.

Grundsätze der Vorsorge und Gefahrenabwehr

In der Europäischen Gemeinschaft wird das grundlegende Sicherheitskonzept in der Seveso-Richtlinie (82/501/EWG) von 1982 und ihrer Nachfolger festgelegt. Darin ist ein mehrstufiges, hierarchisch aufgebautes Sicherheitskonzept entwickelt und für den Bereich der chemischen Verfahrenstechnik präzisiert. Folgende Grundsätze sind maßgebend:

  • Ersatz gefährlicher Stoffe bzw. Reduzierung auf das unbedingt erforderliche Ausmaß;
  • Reduzierung gefährlicher Betriebszustände durch alternative Prozessführung (z. B. fehlertolerante Systemauslegung);
  • Reduzierung der zusammenhängenden Stoffmengen durch Abgrenzung/Prozessführung;
  • Vermeidung von auslösenden Störfallursachen (z. B. durch Entmaschung, Einführung linearer Prozesssysteme);
  • Unterbindung der Störfallentwicklung (Störfallpropagation);
  • Begrenzung der Störfallauswirkungen durch organisatorische und technische Abwehrmaßnahmen;
  • Begrenzung der Störfalleinwirkungen auf die Schutzobjekte (z. B. durch Sicherheitsabstände).

 

Sicherheitsanforderungen

Aufgrund des Katastrophenpotentials von bestimmten verfahrenstechnischen Anlagen müssen Störfälle von vorn herein vermieden werden. Das Prinzip ”trial and error” ist für diese Gefahrenpotentiale nicht akzeptabel. Daraus ergeben sich folgende rechtskategorische Sicherheitsanforderungen:

  1. Die Anlage ist so zu bauen und zu betreiben, dass Störfälle vermieden werden (Realisierung der Sicherheitsstufe 1).
  2. Die Anlage ist so zu bauen und zu betreiben, dass Auswirkungen von Störfällen begrenzt werden (Realisierung der Sicherheitsstufe 2).
  3. Es hat eine Gefahrenabwehrplanung und eine gefahrenbezogene Raumplanung (Flächennutzung) zu erfolgen (Realisierung der Sicherheitsstufe 3).

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Autor: WEKA Fachredaktion