13.05.2020

Zeiterfassung für Handwerker: Pflichten – Nutzen – Chancen?

Zeiterfassung für Handwerker wird zukünftig gesetzlich vorgeschrieben. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Die Arbeitszeit muss komplett erfasst werden. Was muss ich bei einer gesetzlich konformen Zeiterfassung beachten? Und darüber hinaus: Wie schöpfe ich weitere Vorteile aus der Zeiterfassung gerade im Bereich Handwerk?

Arbeitszeiterfassung Handwerker Bauunternehmer

Gesetzliche Regelungen zur Zeiterfassung in Deutschland

Bereits jetzt ist eine Zeiterfassung für Handwerker nicht nur sinnvoll, sondern auch in einigen Fällen notwendig!

Im Moment besteht in Deutschland noch keine generelle Pflicht zu einer kompletten Arbeitszeiterfassung. Es gibt jedoch bereits jetzt Regelungen, die eingehalten werden müssen.

Es besteht eine Aufzeichnungspflicht von Arbeitszeiten:

  • von mehr als 48 Stunden pro Woche
  • an Sonn- und Feiertagen
  • von geringfügig beschäftigten Arbeitnehmern (Minijobber)
  • in einzelnen Branchen nach Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (u.a. LKW-Fahrer, Bauarbeiter, in Gaststätten und in der Fleischwirtschaft)

Darüber hinaus bestehen folgende Regelungen zur Einhaltung von Ruhezeiten:

  • nach 6 Stunden eine Pause von 30 Minuten
  • nach 9 Stunden eine Pause von 45 Minuten
  • zwischen zwei Arbeitstagen eine Pause von 11 zusammenhängenden Stunden
  • in einem 7-Tage-Zeitraum eine Pause von mindestens 24 zusammenhängenden Stunden

Diese komplexen, gesetzlich vorgegebenen Regelungen müssen bereits jetzt im Bereich Handwerk eingehalten werden. Einige digitale Zeiterfassungssysteme bieten Möglichkeiten der Zeiterfassung an, die auf diese Regelungen eingehen. Mit den bereits bestehenden gesetzlichen Bestimmungen ist es aber noch nicht getan, denn der EuGH hat am 14. Mai 2019 weiteres dazu entschieden.

Urteil des Europäischen Gerichtshofs  zur Arbeitszeiterfassung vom 14. Mai 2019

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am 14.05.2019 (Rs. C-55/18) geurteilt: Arbeitszeit muss erfasst werden!

Die EuGH-Entscheidung ist zwar zu einer Vorlage aus Spanien erfolgt – nichtsdestotrotz bedeutet dies einen klaren Handlungsauftrag an alle EU-Mitgliedsstaaten. Der EuGH hat entschieden, dass die EU-Mitgliedsstaaten das Arbeitszeitrecht anpassen müssen. Deutschland ist nun verpflichtet, gesetzgeberisch tätig zu werden und die Vorgaben des EuGH zu erfüllen.

Hintergrund: Momentan müssen in Deutschland beispielsweise nur die Überstunden erfasst werden. Der EuGH verlangt nun ein System zur Arbeitszeiterfassung, durch welches die tägliche Arbeitszeit jedes Arbeitnehmers aufgezeichnet werden kann. Nur auf diese Weise kann überprüft werden, ob Höchstarbeitszeit, Mindestruhezeit und Überstunden erfasst werden.

Ein System zur Zeiterfassung soll objektiv, verlässlich, zugänglich und vertraulich sein. Im Detail kann das wie folgt ausgelegt werden:

Anforderungen an Arbeitszeiterfassung

Auswirkungen des EuGH-Urteils auf das deutsche Arbeitsrecht

Wie müssen nun die Regelungen in Deutschland zur Zeiterfassung infolge des EuGH-Urteils angepasst werden? Das Arbeitsministerium hat hierzu ein Gutachten beauftragt. In dem Gutachten sollte die Frage beantwortet werden, ob und wie die Arbeitszeitregelung in Deutschland angepasst werden muss.

Das Fazit des Gutachtens: Das aktuelle Arbeitszeitrecht genügt den Anforderungen des EuGH-Urteils nicht und muss ergänzt werden!

Wie dies jedoch konkret erfolgen soll – das steht noch nicht fest. Im Laufe des Jahres soll Es wird mit einer gesetzlichen Regelung zur Zeiterfassung in Deutschland im Laufe des Jahres 2020 gerechnet. Die Vorarbeiten hierzu sind bereits im Gange.

Das Gutachten schlägt nun vor, dass die komplette Arbeitszeit erfasst werden soll: Der Beginn, das Ende und die Dauer der täglichen und wöchentlichen Arbeitsstunden müssen aufgezeichnet werden. Mit dieser Erfassung der kompletten Arbeitszeit kann dann eingesehen werden, ob die Regelungen eingehalten werden. Es reicht nicht, allein die Dauer zu erfassen. Nur über eine Zeiterfassung, die den Beginn und das Ende dokumentieren, ist die Verteilung der Arbeitszeit über den Tag hinweg einsehbar. Nur so kann man nämlich überprüfen, ob die täglichen und wöchentlichen Ruhepausen eingehalten werden.

Ob die Zeiterfassung in Papierform oder elektronisch aufgezeichnet wird, steht offen. Jedoch sprechen viele Gründe für eine digitale Zeiterfassung – insbesondere im Bereich Handwerk.

Digitale Arbeitszeiterfassung im Handwerk

Digitale Zeiterfassung für Handwerker – braucht man das? Bei vielen besteht die Angst, dass die verpflichtende Arbeitszeiterfassung mehr Bürokratie mit sich bringt. Eine digitale Zeiterfassung kann einem dabei in den meisten Fällen diese Bürokratie ersparen. Und gleichzeitig kann der Arbeitgeber gewinnbringende Chancen daraus erwirken.

Praxistipp für Arbeitgeber im Bereich Handwerker und Bauunternehmer:

Eine digitale Zeiterfassung für Handwerker bietet dem Arbeitgeber eine Vielzahl an gewinnbringenden Vorteilen.
Erleichterung der Arbeitsorganisation:

  • Durch digitale Arbeitszeiterfassung können die Daten für weitere Auswertungen, Übersichten und Wochenzettel weiterverwertet werden.
  • Der Arbeitgeber muss den Stundenzetteln und Wochenberichten nicht mehr hinterherlaufen. Tages-, Wochen- oder Monatsübersichten können automatisch erstellt und übermittelt werden.
  • Die Auslastung der Mitarbeiter kann angezeigt werden. Dadurch kann der Einsatz der Mitarbeiter optimiert werden.

Möglichkeiten zur Auswertung:

  • Mit manchen digitalen Zeiterfassungen speziell für Handwerker lassen sich die Arbeitsstunden direkt auf Aufträge buchen. So kann unmittelbar überprüft werden: Ist man im Zeitplan? Stimmt die Kalkulation für Aufträge mit der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit überein?
  • Die Auswertung der erfassten Arbeitsstunden nach Aufträgen kann für die nächste Planung und Kalkulation herangezogen werden. Der Arbeitgeber kann damit die folgenden Projekte effektiver und mit einer zuverlässigen Stunden-Kalkulation planen.

Gesetzlich konforme Aufzeichnung:

  • Der Arbeitgeber kann überprüfen, ob beispielsweise Überstundengrenzen und Ruhezeiten eingehalten werden.

Zusammenfassend: Die Zeiterfassung für Handwerker wird in naher Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Durch die zu erwartenden gesetzlichen Änderungen wird zukünftig eine Pflicht bestehen – doch kann gerade eine digitale Zeiterfassung auch viel Nutzen mit sich bringen. Eine digitale Zeiterfassung für Handwerker ist eine Chance, Arbeitszeiten gewinnbringend auszuwerten. Zudem kann die Arbeitszeitorganisation erleichtert werden (z.B. durch eine automatische Erstellung der Wochenzettel).

Tipp zur Wahl des Zeiterfassungssystems:

  • Insbesondere im Bereich Handwerk ist eine mobile Software für die Zeiterfassung empfehlenswert. Bei Kundenterminen oder auf Baustellen wird die Arbeitszeit unabhängig von einem PC einfach auf dem Smartphone bzw. Tablet aufgezeichnet.
  • Mit der digitalen Zeiterfassung ist man auf der sicheren Seite, um die gesetzlichen Vorgaben rechtskonform auszuführen. Bei der Wahl der Zeiterfassung ist auch darauf zu achten, dass u.a. Überstunden ausgegeben werden und fehlende Ruhezeiteneinhaltung angezeigt wird.

Nutzen Sie nun die Vorteile einer digitalen Zeiterfassung für Handwerker!

Autor: WEKA Redaktion