02.04.2019

Gefahrgutverpackungen: Anforderungen und Codierung

Verpackungen erfüllen zwei wesentliche Funktionen: Sie schützen den Inhalt und erleichtern den Umschlag. Sie müssen die allgemeinen und stoffspezifischen Anforderungen, die Transport, Umschlag und Lagerung an das Versandstück stellen, erfüllen. An Verpackungen für den Transport von gefährlichen Gütern in flüssiger oder fester Form werden besondere Anforderungen gestellt, um den Austritt des Gefahrguts zu verhindern sowie Mensch, Tier und Umwelt zu schützen.

Gastransporter

Die Gefahrgutverpackung ist eine aus unterschiedlichen Materialien bestehende, starre oder flexible, mit unterschiedlichen Volumina und Verschlussvorrichtungen versehene Umhüllung, die für die Aufnahme von Stoffen und Gegenständen hergestellt wird.

Für den Geltungsbereich des ADR umfasst der Begriff „Verpackung” Gefäße sowie Bestandteile und Werkstoffe, die zur Erfüllung der den Gefäßen zugedachten Funktionen notwendig sind. In Kapitel 1.2 werden für unterschiedliche Verwendungsbedingungen einzusetzende Verpackungen näher erläutert, wie z.B.:

  • Außenverpackung
  • Bergungsverpackung
  • Feinstblechverpackung
  • Großpackmittel (IBC)
  • Großverpackung
  • Innenverpackung
  • Kombinationsverpackung
  • rekonditionierte Verpackung
  • staubdichte Verpackung
  • Zwischenverpackung
  • wiederaufgearbeitete Verpackung
  • wiederverwendete Verpackung
  • zusammengesetzte Verpackung

Einteilung der Gefahrgutverpackungen

  • Verpackungen nach ADR Kapitel 6.1 und 6.3: Fassungsraum < 450 Liter bzw. Nettomasse < 400 kg
  • Großpackmittel (IBC) nach ADR Kapitel 6.5: Fassungsraum maximal 3,0 m³
  • Großverpackungen (LP) nach ADR Kapitel 6.6: Außenverpackung, die Gegenstände oder Innenverpackungen enthält; Nettomasse > 400 kg oder Fassungsraum > 450 Liter, aber Höchstvolumen 3,0 m³

Baumusterprüfung

Nur eine geprüfte und amtlich zugelassene Verpackung darf als Gefahrgutverpackung verwendet werden. Baumusterprüfungen sollen gewährleisten, dass Verpackungen die an sie im ADR gestellten Anforderungen erfüllen und nach dadurch vorgegebenen einheitlichen Kriterien produziert werden. Für die Zulassung als Gefahrgutverpackung ist bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ein Antrag zu stellen. Seit 1991 werden Neuzulassungen ausschließlich von der BAM vorgenommen. Die Bauart der Verpackung wird verschiedenen Belastungstests unterzogen. Wurden die Tests bestanden, erhält der Hersteller der Verpackung eine Musterzulassung. Die Verpackung wird mit einem speziellen Code, der UN-Markierung, versehen. Die BAM teilt in ihren amtlichen Bekanntmachungen mit, welche Bauarten von Verpackungen und IBC für die Beförderung gefährlicher Güter, nach Verpackungsbauart differenziert, zugelassen sind. Der Nachweis der chemischen Verträglichkeit der Verpackungswerkstoffe gegenüber dem gefährlichen Gut kann auch Gegenstand der Gefahrgutregeln der BAM – BAM-GGR – sein.

Tipp: Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat die Liste der von ihr anerkannten Prüfstellen
für die Prüfung von Verpackungen, Großverpackungen und IBC für gefährliche Güter aktualisiert. Sie enthält die  Kontaktdaten von 35 Prüfstellen. Zudem ist aufgeführt, welche Arten von Verpackungen geprüft werden können.

Prüfungsarten

Die innerhalb der verschiedenen, teilweise auf ISO-Normen bezogenen Prüfungen geforderte Belastbarkeit der Muster ist nach Verpackungsgruppen differenziert:

  • Verpackungen unterliegen einer Fall-, Dichtheits-, hydraulischen Innendruck- und Stapeldruckprüfung.
  • Bestimmte Fässer und Kanister aus Kunststoff und Kombinationsverpackungen aus Kunststoff unterliegen zusätzlich einer Prüfung auf Permeation.
  • Verpackungen für ansteckungsgefährliche Stoffe der Klasse 6.2 sind einer Fall- und einer Durchstoßprüfung zu unterziehen.
  • IBC unterliegen in Abhängigkeit von ihrer Bauart und dem Einsatzbereich (für feste, flüssige Stoffe) einer Hebeprüfung von unten und oben, einer Stapeldruck-, Dichtheits-, hydraulischen Innendruck-, Fall-, Weiterreiß-, Kippfall-, Aufricht- oder Vibrationsprüfung.
  • Für LP werden eine Hebeprüfung von unten und von oben, eine Stapeldruck- und eine Fallprüfung verlangt.
    Für Versandstücke mit in freigestellten Mengen verpackten gefährlichen Gütern des Kapitels 3.5 werden in Abschnitt 3.5.3 Freifall- und Stapeldruckprüfungen vorgeschrieben.
  • Wie die chemische Verträglichkeit von Verpackungen aus Polyethylen, IBC eingeschlossen, mit den Füllgütern durch eine Assimilierung der vorgesehenen Füllgüter zu sogenannten Standardflüssigkeiten nachgewiesen werden kann, ist in Unterabschnitt 4.1.1.21 i.V.m. den Abschnitten 6.1.5, 6.1.6 und 6.5.6 geregelt. Das Assimilierungsverfahren beruht auf einem vorgegebenen Ablaufschema und einer Liste, in der den mit UN-Nummer, Benennung, Klasse, Klassifizierungscode und Verpackungsgruppe aufgeführten Stoffen eine oder mehrere Standardflüssigkeiten zugeordnet sind.

Verpackungscodierung

Das ADR fordert für jede Verpackung eine dauerhafte und lesbare Kennzeichnung, aus der auch das Ergebnis der Bauartprüfung ableitbar ist:

  • die Bezugnahme auf die UN-Modellvorschriften
  • der Verpackungstyp nach Abschnitt 6.1.2
  • die Verpackungsgruppe
  • die relative Dichte, für die das Baumuster geprüft wurde, oder für Feststoffe so viel, wie das Packstück wiegen darf (zulässige Bruttohöchstmasse)
  • der Prüfdruck der hydraulischen Innendruckprüfung in kPa (Kilopascal) oder für Feststoffe (oder zur Aufnahme von Innenverpackungen) der Buchstabe „S”
  • das Jahr der Herstellung (ggf. mit Monat)
  • das Symbol des Staats, in dem die Erteilung der Kennzeichen zugelassen wurde
  • zulassende Behörde, Zulassungsscheinnummer und Angabe des Herstellers oder einer behördlich geforderten Identifizierung

Tipp: Infos zu den verschiedenen Verpackungsgruppen finden Sie hier.

Verwendungsfristen

Verpackungen, ausgenommen solche aus Kunststoffen, unterliegen bei Erfüllung aller Vorschriften des ADR für eine sichere Beförderung keiner Verwendungsfrist. Verpackungen aus Kunststoff dürfen ab dem Datum ihrer Herstellung, unabhängig von der Häufigkeit ihrer Verwendung, höchstens fünf Jahre eingesetzt werden (Unterabschnitt 4.1.1.15). Die zuständige Behörde kann andere Fristen festlegen. Auch in einer Verpackungsanweisung kann eine abweichende Frist festgelegt sein.

Obwohl die Verpackungen im Rahmen der Prüfungen für ihre Zulassung den Belastungen standgehalten haben, sind sie vor ihrer Befüllung und Zusammenfassung zu einem Versandstück hinsichtlich Korrosion, Verunreinigung und anderer Schäden zu prüfen. Bei negativem Prüfergebnis sind die Verpackungen von der Beförderung auszuschließen.

Verpackungsauswahl

Gefährliche Güter müssen in Umschließungen von guter Qualität verpackt sein. Die Umschließungen müssen ausreichend stark sein, sodass sie den unter normalen Beförderungsbedingungen auftretenden Belastungen standhalten, um Gefahrgutaustritt zu verhindern. Nach § 18 GGVSEB hat der Absender dafür zu sorgen, dass nur zugelassene und geeignete Verpackungen für das betreffende Gut verwendet werden. Der Verpacker hat gemäß § 22 GGVSEB die Vorschriften für das Verpacken nach den Kapiteln 3.4 und 3.5 zu beachten. Aus der in Abschnitt 6.1.3 geforderten Kennzeichnung baumustergeprüfter Verpackungen mit einem Code ist der Verpackungstyp zu erkennen. Der in Abschnitt 6.1.2 näher erläuterte Code informiert über Verpackungsart, Werkstoff und Kategorie. Die Kategorie enthält Angaben über die Art des Deckels, die Innenauskleidung oder -beschichtung und die Materialqualität (z.B. mehrlagig, wasserbeständig). Die UN-Kennzeichnung reicht jedoch als alleiniges Kriterium für die Auswahl einer Verpackung nicht aus.

Maßgeblich für die Auswahl der Verpackung ist u.a. die Prüfung

  • der Übereinstimmung zwischen der in Kapitel 3.2 Tabelle A stoffbezogen angegebenen Verpackungsgruppe (VG) mit dem in der Kennzeichnung auf der Verpackung angegebenen Code X (für VG I, II oder III), Y (für VG II oder III) oder Z (für VG III),
  • der Zulässigkeit der Verwendung von Innenverpackungen, Innenbe- oder Innenauskleidungen, Zwischenverpackungen und Umverpackungen,
  • des Einhaltens der vorgegebenen höchstzulässigen Brutto- und Nettomasse,
  • der Verträglichkeit von Gut und Verpackungswerkstoff,
  • der Möglichkeit des Einsatzes von Polster- und Füllmaterial,
  • des Zustands der Verpackungen, Verpackungswerkstoffe und Verschlüsse vor dem Verpacken oder Befüllen,
    inwieweit beidseitige Permeationen durch den Verpackungswerkstoff unter den zu erwartenden Beförderungsbedingungen ausgeschlossen und dadurch ggf. ausgelöste gefährliche Reaktionen vermieden werden können,
  • inwieweit die für in begrenzten Mengen verpackte gefährliche Güter des Kapitels 3.4 geltenden Vorschriften für das Verpacken einhaltbar sind,
  • inwieweit beim Befüllen mit flüssigen Stoffen füllungsfreie Räume in den Verpackungen gewährleistet werden können,
  • ob die übrigen für die Auswahl geltenden Kriterien in Abschnitt 4.1.1 und in den Verpackungsanweisungen des Kapitels 4.1 erfüllbar sind (u.a. darf die Funktionsfähigkeit der Verpackung während der Beförderung durch den Einsatz von Kühlmitteln [z.B. UN 1845 Kohlendioxid, fest] nicht beeinträchtigt werden – Unterabschnitt 4.1.1.16),
    der Einhaltung der Bedingungen für das Zusammenpacken.

 

Tipp: Laden Sie sich jetzt die Checkliste zur Verwendung von Gefahrgutverpackung herunter.

Autor: Beate Schleicher