28.11.2020

Die Normenfamilie der DIN EN ISO 50001

Die Entscheidung für ein Energiemanagementsystem (EnMS) bringt Unternehmen langfristig Einsparpotenziale und Kostensenkungen. Doch zunächst verlangt sie eine intensive Einarbeitung in die immer weiter wachsende Normenfamilie der ISO 50001. Die jüngeren Normen sind detaillierte Ergänzungen zur ISO 50001 und bieten praktische Tools zu ihrer Umsetzung an. Dieser Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die "Familienmitglieder" und zeigt, wie die einzelnen Normen der ISO 50001-Reihe im PDCA-Zyklus zusammenspielen zusammenspielen.

Bausteine der Normenfamilie ISO 50001

Die Normen der Normenfamilie DIN EN ISO 50001

Das „Familienoberhaupt“: Die DIN EN ISO 50001

Herzstück der Normenfamilie ISO 50001 ist – wie könnte es auch anders sein – die aktuelle DIN EN ISO 50001:2018 (im Folgenden der Einfachheit halber auch als ISO 50001 bezeichnet). Sie stellt hohe Anforderungen an die Dokumenten- und Ablauflenkung sowie die Verbreitung des Energiemanagementsystems im gesamten Unternehmen. Sie fordert außerdem einen regelmäßiger Überprüfungsmechanismus, der die kontinuierliche Verbesserung des Energiemanagementsystems sicherstellen soll. Dieser sogenannte PDCA-Zyklus besteht aus folgenden Punkten:

  • Planung (Plan)
  • Umsetzung (Do)
  • Überprüfung (Check)
  • Ableitung von Verbesserungsmaßnahme (Act)

Weitere Normen der ISO 50001-er Reihe

Die ISO 50001 ist jedoch in vielen Teilen allgemein formuliert und ermöglicht damit unterschiedliche Umsetzungsmöglichkeiten. Dies ist zunächst nicht kritisch zu bewerten, da das eine weite und möglichst pragmatische Anwendung fördert. Dennoch ist es gerade im Hinblick auf die Zertifizierung sinnvoll, dem zuständigen Zertifizierer eine detailliertere Basis zur Verfügung zu stellen, gegen die er prüfen und zertifizieren kann. Zudem helfen konkretere Anforderungen Unternehmen bei der Umsetzung eines Energiemanagementsystems.

In den Jahren nach der Veröffentlichung der ISO 50001:2018 wurden deshalb zusätzliche Standards entwickelt. Zu ihnen gehören

Wie wichtig sind ISO 50006, 50015, 50003 und Co. für das Energiemanagementsystem?

Anders als andere Normen enthält die ISO 50001 keine normativen Verweisungen auf ihre „Familienmitglieder“. Was bedeutet das?

Sogenannte „normative Verweisungen“ sind integraler Bestandteil einiger Normen. Es handelt sich bei ihnen um Hinweise auf zusätzliche Dokumente, deren Kenntnis für die Anwendung der jeweiligen Norm erforderlich ist. So wird z.B. in der ISO 9001 auf die ISO 9000:2015 hingewiesen, die man ebenfalls berücksichtigen muss.

Daraus darf man nicht den falschen Schluss ziehen, es reiche aus, nur die ISO 50001 zu kennen. Will man erfolgreich ein Enrgiemanagementsystem in seinem Unternehmen einführen, sollte man sich mit der gesamten Normenfolge beschäftigen. Die Anwendung aller Normen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Zertifizierung. Warum? Das zeigt sich, wenn wir das Zusammenspiel der einzelnen Normen im Energiemanagementsystem betrachten,

Zusammenspiel einzelner Normen der Normenfamilie ISO 50001

Die jüngeren Normen sind detaillierte Ergänzungen zur ISO 50001 und bieten praktische Tools zu ihrer Umsetzung an. Wie Zahnräder einer komplexen Mechanik greifen die einzelnen Normen ineinander und tragen erst in ihrer Gesamtheit zum reibungslosen Ablauf des PDCA-Zyklus (= Plan –> Do –> Check –> Act) bei.

Normenfamilie ISO 50001

Basierend auf der Infografik der TENAG GmbH

Beispiel

Die ISO 50003 fordert indirekt eine regelmäßige Leistungsverbesserung, denn sie schreibt dem Auditor vor, andernfalls eine „Hauptabweichung“ festzustellen. Diese Aufforderung an die Unternehmen zur erkennbaren Effizienzsteigerung verlangt auch nach verbesserten Messmethoden und moderner Messtechnik. Um dieser Forderung nachzukommen, muss man wiederum die ISO 50006 und die ISO 50015 kennen.

Autoren: Susanne Niemuth-Engelmann , FutureCamp Climate GmbH