06.03.2018

Reformentwurf zur Revision der ISO 50001: Was wird sich verändern?

Eine neue Version der ISO 50001 wird voraussichtlich ab Sommer 2018 gelten, der Entwurf wurde im September 2017 veröffentlicht. Welche Veränderungen hält die Revision der ISO 50001 für ihre Anwender bereit? Wir fassen den Revisionsentwurf zusammen.

revision der iso 50001

Pünktlich zu ihrem fünften Geburtstag Ende letzten Jahres fiel der Startschuss für die Revision der ISO 50001. Seitdem arbeiten sich Experten von rund 30 Ländern unter dem Vorsitz der ISO durch den Text, auf der Suche nach Passagen und Inhalten, die einer Verbesserung bedürfen. Der Reformentwurf wurde im September 2017 veröffentlicht, mit der engültigen Fassung wird frühestens im Sommer diesen Jahres gerechnet.

Die Revision ist ein ganz normaler Bestandteil im Lebenszyklus beinahe jeder freiwilligen Norm. Diese werden alle fünf Jahre überarbeitet, um in einer sich verändernden Welt ihre Gültigkeit zu behalten.

Revision der ISO 50001 stellt auf High-Level-Structure um

Dass sich die ISO 50001:2019 strukturell massiv von der ISO 50001:2011 unterscheiden wird, ist kein großes Geheimnis mehr. Sie teilt in Zukunft mit anderen großen Managementsystem-Normen (ISO 9001, ISO 14001 etc.) die High Level Structure (HLS). Die ISO-Direktiven haben dafür im Annex SL eine einheitliche Struktur, einheitliche Definitionen sowie Grundanforderungen für ISO-Managementsystem-Normen zusammengestellt. Das soll die Integration in ein gemeinsam geführtes Managementsystem erleichtern. Der Aufbau der Norm wird sich also wie folgt verändern:

ISO 50001:2011 ISO 50001:2018 (HLS)
1 Scope 1 Scope
2 Normative references 2 Normative references
3 Terms and definitions 3 Terms and definitions
4 Energy management system requirements 4 Context of the organization
4.1 General requirements 5 Leadership
4.2 Management responsibility 6 Energy planning
4.3 Energy policy 7 Support
4.4 Energy planning 8 Operation
4.5 implementation and operation 9 Performance evaluation
4.6 Checking 10 Improvement
4.7 Management review

Die Revision der ISO 50001 ändert laut Entwurf außerdem folgende Elemtente:

Stärkere Berücksichtigung der betrieblichen Umwelt

Stärkere Berücksichtigung der betrieblichen Umwelt. Darunter fasst die Norm den Kontext der Organisation und die interessierten Parteien. Sie betrachtet alle internen und externen Elemente, die die erfolgreiche Umsetzung des Energiemanagementsystems und dessen Ziele beeinflussen.

Risikobasierter Ansatz

Wenn dieser Lieferant, dieser Kunde wichtig ist für die Zielerreichung in meinem Energiemanagementsystem, dann geht damit auch das Risiko einher, dass er hier für mich negative Entscheidungen trifft. Dieses Bewusstsein von „Risiko” sorgt für Vorbeugungsmaßnahmen im geschäftlichen Alltag. Die Einflussfaktoren und Risiken müssen Unternehmen schriftlich erfassen und regelmäßig hinterfragen.

Auch bei der Planung sind Organisationen nun angehalten zu hinterfragen, welche Chancen und welche Risiken es gibt, welche Risiken unvermeidlich sind und mit welchen Maßnahmen diese eliminiert oder verringert werden können.

Messungen sind nie gänzlich fehlerfrei

Ziele müssen messbar sein, aber nur, wenn sich dies realistisch umsetzen lässt. Außerdem klammert die Norm den Begriff „fehlerfreie“ Messung aus.

Ausführlichere Anleitungen und klarere Definitionen

Zum Beispiel betont die Norm nun, dass in der energetischen Bewertung die relevanten Variablen, die aktuelle energiebezogene Leistung und die Personen mit einer möglichen Einflussnahme auf den wesentlichen Energieeinsatz (= SEU) bestimmt und dokumentiert werden müssen. Eine weitere wichtige Konkretisierung: Bei den dokumentierten Informationen sollen immer Gültigkeit, Versionsstand sowie das Erstellungsdatum des Dokuments kenntlich sein.

Bildung eines Energieteams

Im Gegensatz zur alten Norm muss die oberste Leitung jetzt keinen Energiemanagementbeauftragten mehr berufen. Die Verantwortung lastet nunmehr auf dem Energiemanagementteam. Die Norm betont nun, wie wichtig die Unterstützung durch die Führungskräfte ist sowie dass die einzelnen Personen unterstützt und angeleitet werden müssen.

Kontinuierliche Verbesserung

Es reicht nicht mehr, einen Status quo beizubehalten und nur die energiebezogene Leistung zu verbessern, sondern die Ordination muss einen Weg finden, kontinuierlich ihre prozessualen Strukturen zu optimieren.

Weitere Inhalte

  • Die alte Norm wollte lediglich wissen, ob mit externen Gruppen kommuniziert wird. Mit der Revision der ISO 50001 ist eine klare Kommunikationsstrategie und Organisationsstruktur gefordert.
  • Analog zur ISO 9001 rücken jetzt auch die ausgelagerten Prozesse in den Anwendungsbereich des Managementsystem.

Hinweis

Den Normentwurf können Sie beim Beuth-Verlag bestellen unter: www.beuth.de/din-en-iso-50001

Autor: WEKA Fachredaktion