06.06.2019

Messung und Verifizierung nach ISO 50015

Die ISO 50015 möchte Grundsätze und Leitlinien zur Messung und Verifizierung von Energieeffizienzverbesserungen aufzeigen. Die Abkürzung hierfür lautet „M&V“. Welche das sind, lesen Sie hier.

Messung nach ISO 50015

Zweck der ISO 50015

Die ISO 50015 schließt nahtlos an die Anforderung der ISO 50003 und der ISO 50001:2018 an, Verbesserungen der Energieeffizienz nachzuweisen. Der Fokus liegt selbstverständlich auf ISO-50001-zertifizierten Betrieben; die ISO 50015 versteht sich darüber hinaus jedoch ebenso als Leitfaden für Betriebe, die lediglich einen systematischen Prozess zur Messung und Verifikation aufbauen – beispielsweise im Kontext von Energieaudits, jedoch auch infolge betriebsinterner Anforderungen.

Sechs wichtige Schritte

Die ISO 50015 beschreibt sechs Schritte auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Messkonzept:

  1. Aufstellen eines M&V-Plans (dieser enthält für jede Phase die notwendigen Schritte in Form einer Anweisung)
  2. Datenerfassung (Eingangsmessung/Baseline)
  3. Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen
  4. Erfolgskontrolle der Maßnahme durch Analyse
  5. M&V-Bericht
  6. Wiederholung nach Bedarf

Grundsätzliche Prinzipien zur Messung nach ISO 50015

Dieser eben dargestellte Prozess zur Messung nach ISO 50015 hat diverse Vorgaben zu erfüllen:

  • Genauigkeit und das Management von Unsicherheiten
  • Transparenz und Reproduzierbarkeit
  • Datenmanagement und Messplanung
  • Kompetenz der messenden Personen
  • Unparteilichkeit
  • Vertraulichkeit und
  • Einsatz geeigneter Methoden

Hier zeichnen sich bereits die facettenreichen Anforderungen dieses Standards ab: Sie reichen von dem großen Thema der Fehlertoleranz über die fachliche Qualifikation von messenden Personen bis hin zu geeigneten Messmethoden und damit entsprechenden Techniken.

Durchführung einer M&V-Analyse

Die ISO 50015 definiert Kernangaben, die die Basis für einen geeigneten M&V-Plans darstellen sollten. Hierzu gehören:

  • Name der Organisation
  • Grund für die Durchführung von Messungen
  • Zuständige Personen
  • Angaben zur Vertraulichkeit
  • Gesetzliche Anforderungen
  • Geltungsbereich der Messung
  • M&V-Methodik
  • Häufigkeit/Intervall der Messung
  • Genauigkeit

Um in einem Unternehmen die einzelnen Phasen der Messung und Verifizierung systematisch und reproduzierbar abzubilden, empfiehlt sich ein entsprechender dokumentierter Prozess – z.B. in Form einer Verfahrensanweisung. Neben einem Flussdiagramm sollte eine solche entsprechende Verfahrensanweisung auch die genauen Zuständigkeiten sowie die Beschreibungen zu Aktionen enthalten.

Prozessschritt Input Zuständigkeit Output
Aktionen umsetzen

(Rechnungsdaten werden aufgenommen, in Excel-Sheet eingetragen)

Beschreibugn nach Aktionsplan Energiemanager: Mitwirkung, Info

Projektleiter: Durchführung

Budgetverantwortlicher: Entscheidung

Aktualisierung in Aktionsplan
Datenerfassung

(Energiedatenaufnahme nach M&V-Protokoll in Anschluss an Umsetzung der Maßnahme)

Messprotokoll-Vorlage mit M&V-Kopf Energiemanager: Info

Projektleiter: Durchführung

Messprotokoll und Datensatz
M&V-Analyse

(Erfolgskontrolle der Maßnahme)

Messprotokoll und Datensatz der Datenerfassung, Aktionsplan Energiemanager: Durchführung, Entscheidung

Instandhaltung: Mitwirkung

Aktualisierter Aktionsplan

Wahl der Messmethode

Die für eine Messung eingesetzte Methode muss zum Anwendungsfall passen. Insbesondere bei temporären Messungen spielt die Messdauer eine wichtige Rolle, bei stationären Messungen dann natürlich das Intervall der Messung. Je nach Genauigkeitsanforderung müssen unterschiedliche Techniken eingesetzt werden. Wichtig ist, dass Sie die Entscheidungen begründen und diese nach Möglichkeit auch dokumentieren – damit sowohl Messtechniker als auch andere interessierte Dritte nachvollziehen können, was Sie dazu bewogen hat.

Datenerfassungsplan

Im Kern dreht sich bei der ISO 50015 alles um Messungen. Aber welche Informationen sind notwendig, um auch tatsächlich messtechnisch die relevanten Angaben zusammenzutragen?

Nach ISO 50015 bedarf es einer zentralen Dokumentation: den Datenerfassungsplan. Auch „Messkonzept” ist ein geläufiger Name. Dieses Dokument besteht aus einer Übersicht der gemessenen Parameter mit den entsprechenden Detailinformationen. Die folgende Tabelle zeigt ein Beispiel eines solchen Datenerfassungsplans/Messkonzepts.

Verbraucher Art der Messung Genauigkeit Messintervall Plausibel wodurch? Messtyp Methode Zuständig Zugängig Bedingungen
Extruder stationär 0,20 % 1 min Kontrolle durch Algorhythmus Messung von Strom Wandler MSR in Produktion
Autoren: Matthias Lisson , Prof. Dr. Stephan Ruhl , Jörg Fehling