25.11.2016

ISO 50006: Leitfaden zu Energieleistungskennzahlen

Mit der neuen ISO 50006 haben Unternehmen endlich einen Leitfaden zur Hand, der sie bei Energieleistungskennzahlen und der energetischen Ausgangsbasis unterstützt. Wir skizzieren die Methode, die die Norm vorschlägt, und fassen ihre wichtigsten Inhalte zusammen.

Iso 50006 Energieleistungskennzahlen

Die neue ISO 50006 (Titel „Energiemanagementsysteme – Messung der energiebezogenen Leistung unter Nutzung von energetischen Ausgangsbasen (EnB) und Energieleistungskennzahlen (EnPI) – Allgemeine Grundsätze und Leitlinien“) zeigt Unternehmen Schritt für Schritt den Weg hin zu aussagekräftigen Energieleistungskennzahlen und einer soliden energetischen Ausgangsbasis auf. Das war auch höchste Zeit. Denn die für eine Steigerung der Energieeffizienz so wichtigen Energieleistungskennzahlen (mehr Infos zu Energieleistungskennzahlen finden Sie hier) bereiteten Unternehmen bisher einige Probleme.

Unternehmen tun sich beispielsweise schwer damit, spezifische EnPIs festzulegen oder definieren EnPIs, die die komplexe Realität nicht widerspiegeln. Mit zahlreichen Praxisbeispielen, detailgetreuen Erklärungen und einem standardisierten Methodenvorschlag (siehe das folgende Schema) will die ISO 50006 das ändern.

Methodenvorschlag der ISO 50006

Informationen über die energiebezogene Leistung erhalten

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Definition der Energieleistungskennzahlen

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Festlegung der energetischen Ausgangsbasis

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Nutzung von EnPIs und energetischen Ausgangsbasen

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Anpassung oder Aufrechterhaltung von EnPIs und energetischen Ausgangsbasen

Leistung messen: Variablen und statische Faktoren sind wichtig

Wer den Energieverbrauch einer Heizungsanlage misst, muss immer ein Auge auf die Außentemperatur haben. Fallen die ersten Schneeflocken, produziert die Anlage natürlich mehr Wärme als bei sengender Hitze. Solche veränderlichen Einflüsse auf die energiebezogene Leistung eines Unternehmens bezeichnet die ISO 50006 als Variablen. Sie empfiehlt:

  • Um verschiedene Energieleistungskennzahlen (z.B. über die Zeit hinweg) miteinander vergleichen zu können, sollten Sie diese um die jeweiligen Variablen bereinigen.
  • Die Variablen, die die energiebezogene Leistung wesentlich beeinflussen, müssen Sie von den Variablen unterscheiden, die nur einen geringen Einfluss darauf haben.

Wollen Sie die Bedeutung relevanter Variablen repräsentativ bestimmen, werden Sie also kaum um eine tief gehende Datenanalyse herumkommen.

Faktoren, die die energiebezogene Leistung eines Unternehmens beeinflussen, sich über die Zeit hinweg jedoch nicht verändern, bezeichnet die ISO 50006 als statische Faktoren. Wenn Sie Ihre EnPIs festlegen, müssen Sie auch diese statischen Faktoren kennen. Außerdem müssen Sie regelmäßig überprüfen, ob sich diese nicht doch ändern.

Energieleistungskennzahlen definieren: vier verschiedene Typen

Die ISO 50006 nennt vier verschiedene Typen von Kennzahlen (siehe die Tabelle unten). Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Komplexität und der Art und Weise, wie sie gebildet werden.

Energieleistungskennzahl Bewertung
Absolute Energieleistungskennzahl Die absoluten Kennzahlen erfassen den Energiebedarf als Ganzes. Sie eignen sich laut ISO 50006 denkbar schlecht dazu, die energiebezogene Leistung eines Unternehmens zu bewerten.
Relative Energieleistungskennzahl Relative Kennzahlen setzen den Energieverbrauch in Bezug zu einem anderen Wert: Mitarbeitern etwa, oder Quadratmeter. Sie stoßen dann an ihre Grenzen, wenn sich die Variablen stark verändern oder die Grundlast von sich aus hoch ist.
Statistisches Modell Statistische Kennzahlen untersuchen die Beziehung zwischen der energiebezogenen Leistungen und verschiedenen Variablen. Sie nutzen dafür lineare und nicht-lineare Regressionen. Wer die energiebezogene Leistung eines Hotels bei unterschiedlicher Bettenbelegung und Temperaturen ermitteln will, ist hier richtig.
Technisches Modell Auf technische Modellierungsansätze sollten Sie immer dann zurückgreifen, wenn sich verschiedene relevante Variablen auch gegenseitig beeinflussen – so wie zum Beispiel Druck und Temperatur.

Auf welchen Typ Kennzahl Sie letztlich zurückgreifen, hängt davon ab, was Sie wie messen wollen und wer dann mit diesen EnPIs arbeiten muss. Wichtig ist, dass diejenigen, die Energiekennzahlen nutzen, diese auch verstehen.

Festlegung der energetischen Ausgangsbasis

Jede Energieleistungskennzahl braucht ihre eigene energetische Ausgangsbasis. Die ISO 50006 empfiehlt, dass sich der Zeitraum der energetischen Ausgangsbasis auf ein Jahr erstrecken sollte. Dieser Zeitraum berücksichtigt periodische Schwankungen wie das Wetter oder die saisonabhängige Nachfrage.

Autor: Elisabeth Rowley