Fachbeitrag | Recht
02.08.2016

Die befähigte Person nach TRBS 1203

Nach der Betriebssicherheitsverordnung muss der Arbeitgeber Arbeitsmittel von einer zur Prüfung befähigten Person prüfen lassen. Die Anforderungen an diese befähigten Personen konkretisiert die Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203.

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Die Neufassung der TRBS 1203 wurde vom Ausschuss für Betriebssicherheit (ABS) ermittelt und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Gemeinsamen Ministerialblatt am 12.05.2010 bekannt gemacht. In der TRBS 1203 sind die folgenden früheren Technischen Regeln für Betriebssicherheit integriert:

  • TRBS 1203 „Befähigte Personen – Teil 1: Explosionsgefährdungen“
  • TRBS 1203 „Befähigte Personen – Teil 2: Druckgefährdungen“
  • TRBS 1203 „Befähigte Personen – Teil 2: Druckgefährdungen“

Inhalt der TRBS 1203 „Befähigte Personen“

1. Anwendungsbereich
2. Allgemeine Anforderungen an befähigte Personen
2.1. Berufsausbildung
2.2. Berufserfahrung
2.3 Zeitnahe berufliche Tätigkeit
3. Zusätzliche Anforderungen an befähigte Personen zur Prüfung bestimmter Gefährdungen
3.1 Explosionsgefährdungen
3.2 Gefährdungen durch Druck
3.3 Elektrische Gefährdungen

Vorbemerkung zur TRBS 1203

Die Technische Regel für Betriebssicherheit konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) hinsichtlich der Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen sowie der Ableitung von geeigneten Maßnahmen. Bei Anwendung der beispielhaft genannten Maßnahmen kann der Arbeitgeber insoweit die Vermutung der Einhaltung der Vorschriften der Betriebssicherheitsverordnung für sich geltend machen. Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, hat er die gleichwertige Erfüllung der Verordnung schriftlich nachzuweisen.

Anforderungen an befähigte Personen

Eine befähigte Person muss aufgrund ihrer Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnaher beruflicher Tätigkeit sicherheitstechnische Belange verstehen, damit sie Prüfungen ordnungsgemäß durchführen kann. Welche Fachkenntnisse die befähigte Person im Einzelnen mitbringen muss, hängt von der Komplexität der Prüfaufgabe (Prüfumfang, Prüfart, Nutzung bestimmter Messgeräte) ab.

Berufsausbildung der befähigten Person

Die befähigte Person muss eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium mitbringen, sodass festgestellt werden kann, welche beruflichen Kenntnisse sie mitbringt. Als Basis für die Feststellung dienen Berufsabschlüsse oder vergleichbare Qualifikationsnachweise.

Berufserfahrung

Um ihre Berufserfahrung nachzuweisen, muss die befähigte Person eine nachgewiesene Zeit in ihrem Berufsleben praktisch mit den zu prüfenden vergleichbaren Arbeitsmitteln umgegangen sein. Zudem muss sie deren Funktions- und Betriebsweise sowie Anlässe, die Prüfungen auslösen, kennen. Auch in Bezug auf die Prüfung selbst muss die befähigte Person Erfahrung nachweisen. Dazu gehört z.B. die Teilnahme an vergleichbaren Prüfungen von Arbeitsmitteln, sodass sie mit den Prüfmitteln sicher umgehen und Prüfergebnisse bewerten kann.

Des Weiteren muss die befähigte Person beurteilen können, ob ein vorgeschlagenes Prüfverfahren für die anstehende Prüfung geeignet ist, und eventuelle Gefährdungen durch die Prüftätigkeit und das zu prüfende Arbeitsmittel erkennen.

Zeitnahe berufliche Tätigkeit

Eine zeitnahe berufliche Tätigkeit bedeutet, dass sich die befähigte Person angemessen weiterbildet und im Umfeld der anstehenden Prüfung tätig ist. Zudem muss sie mehrere Prüfungen pro Jahr durchführen, damit ihre Prüfpraxis erhalten bleibt. Eine weitere Voraussetzung sind aktuelle Kenntnisse zum Stand der Technik hinsichtlich des zu prüfenden Arbeitsmittels und der möglichen Gefährdungen. Die befähigte Person muss mit

  • staatlichen Arbeitsschutzvorschriften (z.B. ArbSchG, BetrSichV),
  • Anforderungen an die Beschaffenheit (z.B. ProdSG, einschlägige ProdSV) sowie
  • Regelungen der Unfallversicherungsträger und anderen Regelungen (technische Regeln, DGUV-Regeln, DIN-Normen usw.)

so weit vertraut sein, dass sie den arbeitssicheren Zustand des Arbeitsmittels beurteilen kann.

Hat die befähigte Person länger keine Prüfungen durchgeführt, muss sie ihre Erfahrungen durch die Teilnahme an Prüfungen Dritter auffrischen und ihre fachlichen Kenntnisse erneuern.

Befähigte Person: Berufsausbildung für elektrische Gefährdungen

Ergänzend zu den bereits genannten Anforderungen muss die befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen eine elektrotechnische Berufsausbildung oder eine Studium der Elektrotechnik abgeschlossen haben oder eine vergleichbare elektrotechnische Qualifikation besitzen.

Als elektrotechnische Berufsausbildung zählen dabei:

  • Elektroniker der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungstechnik oder Informations- und Telekommunikationstechnik,
  • Systemelektroniker,
  • Informationselektroniker, Schwerpunkt Bürosystemtechnik oder Geräte- und Systemtechnik,
  • Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik
  • vergleichbare industrielle Ausbildungen

Elektrische Gefährdungen: Berufserfahrung

Zudem muss die befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen mindestens ein Jahr Berufserfahrung mit der Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung von elektrischen Arbeitsmitteln und/oder Anlagen mitbringen.

Wer die oben genannte elektrotechnische Ausbildung besitzt, weist die erorderliche Berufserfahrung in seinem Tätigkeitsfeld auf.

Zeitnahe berufliche Tätigkeit der befähigten Personen

Die befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen muss ihre Fachkenntnisse auf dem aktuellen Stand halten. Dies kann z.B. durch die Teilnahmen an Schulungen erreicht werden.

Zudem muss sie z.B. in einem der folgenden Bereiche eine zeitnahe berufliche Tätigkeit nachweisen:

  • Reparatur-, Service- und Wartungsarbeiten und abschließende Prüfung an elektrischen Geräten
  • Prüfung elektrischer Betriebsmittel in der Industrie, z.B. in Labors oder an Prüfplätzen
  • Instandsetzung und Prüfung von elektrischen Geräten unter Leitung und Aufsicht einer befähigten Person

Bild: © Nikonlike/iStock/Thinkstock

Autor: WEKA Redaktion

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