15.12.2022

Autozulieferer ebm-papst beliefert Audi nicht mehr

Ein Elektroauto besteht aus 200 Einzelteilen, ein Verbrennerauto aus rund 1.400. Der Autobau dürfte demnächst auf manchen Zulieferer verzichten. In Vorahnung hat jetzt der Gebläsehersteller ebm-papst seinen Rückzug aus der Autoindustrie beschlossen. Erstes prominentes Opfer jetzt: Audi.

Autozulieferer ebm-papst

Weltmarktführer Ventilatoren ebm-papst

Audi muss sich auf unerwartete Veränderungen einstellen. Das berichtet echo24.de. Mit ebm-papst geht den Ingolstädter Autoherstellern demzufolge der Zulieferer für Lüfter und Gebläse verloren. Die Plattform zitiert Audi-Vorstandsmitglied Hildegard Wortmann mit kritischen Äußerungen über die Zukunft des Autoherstellers. Der den Angaben zufolge Ventilatoren-Weltmarktführer ebm-papst aus Mulfingen bei Heilbronn in Baden-Württemberg habe vor einigen Wochen beschlossen, sich aus dem Geschäftsfeld der Autoindustrie zurückzuziehen. Mit diesem drastischen Schritt verzichte das Unternehmen sogar laut „Handelsblatt“ auf zehn Prozent des Umsatzes. Auch bei Mercedes falle künftig ein Zulieferer weg.

ebm-papst fühlt sich unterfordert

Hauptbefürworter des Ausstiegs bei Audi sei der neue Vorstandsvorsitzende der ebm-papst-Gruppe, Dr. Klaus Geißdörfer. Er habe den Schritt weg vom Auto und damit von Audi vorangetrieben. Die gewünschte Qualität fordere sein Unternehmen technologisch nur bedingt. Als Zulieferer sei Audi zu den geforderten Preisen nicht mehr attraktiv für ebm-papst, gibt die Plattform Geißdörfer wieder.

Wärmepumpenhersteller und Cloud-Anbieter

Das Unternehmen ziehe es künftig vor, Wärmepumpenhersteller und Cloud-Anbieter zu beliefern mit Schwerpunkt Luft- und Heiztechnik. Geißdörfer: „Wir sehen riesiges Potenzial in den nächsten zehn Jahren bei den Megatrends erneuerbare Energien, Data-Center und Klimatechnik. Die Welt wird immer wärmer.“

Vertragliche Verpflichtung erfüllen

Audi habe bestätigt, zu den Kunden von ebm-papst zu zählen und den kommunizierten Strategiewechsel zur Kenntnis genommen zu haben. Man schließe mit Zulieferpartnern langfristige Vereinbarungen über Laufzeit der Modelle und erwarte, dass ebm-papst seine vertragliche Verpflichtung weiterhin erfüllen werde. Geißdörfer habe bestätigt, Altaufträge abzuarbeiten. Allerdings würden keine neuen Aufträge mehr angenommen. Ob Audi bis dahin eine Lösung und einen neuen Lieferanten findet, ist derzeit ungewiss.

ebm-papst weitet USA-Geschäft aus

Unterdessen weitet ebm-papst sein USA-Geschäft aus. Nach zwölf Monaten Bauzeit eröffnete das Unternehmen Mitte November 2022 sein neues Produktionswerk für hochenergieeffiziente Ventilatoren und Motoren im amerikanischen Telford, Tennessee. Wie das Unternehmen mitteilt, investierte es knapp 30 Millionen Dollar in Neubau und Ausstattung seines zweiten US-Standortes. Das Familienunternehmen will dort zu Beginn rund 125 Mitarbeiter beschäftigen. Die Produktion habe bereits im September den Betrieb im neuen Werk aufgenommen.

Ventilatoren und Motoren für den nordamerikanischen Markt

Geißdörfer zufolge hat ebm-papst auf dem amerikanischen Markt eine lange Tradition. Bereits seit 1980 entwickele, produziere und vertreibe das Unternehmen von Farmington (Connecticut) aus energieeffizienten Ventilatoren und Motoren für den nordamerikanischen Markt. Mit der Erweiterung seiner Geschäftsaktivitäten in Telford stärke man seine Präsenz auf dem bedeutenden amerikanischen Zukunftsmarkt für nachhaltige kälte-, klima- und lüftungstechnische Anwendungen. Thomas Nürnberger, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der Gruppe: „Unser Werk in Telford ist ein weiterer Meilenstein unserer Internationalisierungsstrategie local for local.

Eigenständigkeit in USA, Asien und Europa

Die ebm-papst Gruppe verfolgt laut Pressemitteilung mit dieser Strategie seit 2017 eine Eigenständigkeit seiner Standorte in USA, Asien und Europa. Ziel dabei sei, die Kunden vor Ort effektiver, schneller und passgenauer bedienen zu können. Zudem wolle man sich unabhängig von externen Einflüssen machen durch drei eigenständige Lieferketten.

Die feierliche Eröffnung des 1,6 Hektar großen Gebäudes wurde begleitet von Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie den Eigentümern und dem Top Management von ebm-papst.

Mark Shiring, CEO von ebm-papst USA:  „Mit unserem neuen Produktionswerk reagieren wir als Innovationsführer insbesondere für energieeffiziente Ventilatorlösungen, auf die steigende Marktnachfrage nach energieeffizienten und intelligenten Lösungen in Nord-Amerika. Mit den erweiterten Kapazitäten vor Ort können wir unseren Kunden zukünftig schnelle Lieferzeit garantieren. Unsere Lieferkette werden wir sukzessive in Amerika aufbauen und stärken und damit global unabhängig machen.“
ebm-papst rechnet mit kontinuierlichem Wachstum in Amerika. So bietet das neue Werk die Möglichkeit weiterer Ausbaustufen für die Fertigung von EC Motoren, die durch eine phasenweise Implementierung bis Oktober 2024 realisiert werden sollen.

Marktanteil von E-Autos

Der Marktanteil von E-Autos wächst. Im Januar 2022 wurden laut „energieloesung.de“ in Deutschland 20.892 Elektroautos neu zugelassen, rund 28 Prozent mehr als im Januar 2021. Der Marktanteil liegt Beginn 2022 damit bei 11,3 Prozent von 184.122 Neuzulassungen gesamt. Speziell in Sachen Klimaziele zeigt die Fachplattform, dass immer mehr Menschen auf das emissionsarme E-Auto vertrauen. Zur Begründung nennen die Experten die Unterschiede der beiden Fahrzeuggrundtypen. Danach benötigen Verbrennerautos je nach Modell rund 1.400. Im Vergleich dazu kommt ein E-Motor samt zugehöriger Batterie mit nur etwa 200 Einzelteilen aus. Teile, die im Motorraum eines Verbrenners Platz finden müssen, ein E-Auto aber nicht braucht, sind z.B.:

  • Schaltgetriebe
  • Kupplungsgeber
  • Motorfilter
  • Ölwanne
  • Benzinschläuche
  • Kraftstofffilter
  • Auspuff
  • Partikelfilter

Für ein E-Auto braucht es weiter

  • keine Drei-Zylinder-Motoren,
  • keine Turbolader,
  • keine Wandler- oder Doppelkupplungsgetriebe
  • keine SCR-Katalysatoren.

Mit Automatik im urbanen Stopp-and-Go

E-Autos haben ein Automatikgetriebe. Dadurch kein Schalten im urbanen Stopp-and-Go-Verkehr. Statt zu schalten oder gar auf Drehzahlen zu achten, erreicht der E-Motor kurz nach Anlaufen sein höchstes Drehmoment. Dazu muss ein Verbrennermotor eine bestimmte Drehzahl pro Minute erreichen. Ein Verbrenner mit Schaltgetriebe braucht Zeit, um bei niedrigen Geschwindigkeiten gut zu beschleunigen. Ein Elektroauto beschleunigt auch bei niedrigen Geschwindigkeiten rasch. Selbst kleinmotorisierte E-Autos haben Beschleunigungswerte wie ein Sportwagen mit Verbrennungsmotor.

Einkauf - Logistik - Transport

Cleverer Einkauf. Durchdachte Logistik. Sicherer Transport.

€ 699.00Jahrespreis zzgl. MwSt.

Online-Version

Drehmoment begrenzt

Aber nicht alle E-Autos nutzen diesen Vorteil komplett aus. Es gibt Modelle, bei denen das Drehmoment begrenzt ist, um den Akku zu schonen und dessen Lebensdauer stabil zu halten. Das Schalten erzeugt bei Verbrennern meist, so  „energieloesung.de“, ein gut hörbares Geräusch u.a. dann, wenn man den Gang nicht richtig einlegt. Das Aufheulen des Motors wird etwa in kinderreichen Siedlungen als unangenehm empfunden, weil es mit Geräusch verbunden. Im Gegensatz dazu sind E-Motoren:

  • beinahe geräuschlos,
  • überwiegend frei von Vibrationen und
  • emittieren keine schädlichen Abgase.

In alldem sieht die Energie-Plattform gute Voraussetzungen, um die Klimaziele einzuhalten und dennoch einen gut funktionierenden Individualverkehr laufen zu lassen.

Bauteile eines komplexen Verbrennungsmotors

Dabei sind die einzelnen, im Verbrennerauto vorhandenen Teile selbst zusammengesetzt wieder aus einer Vielzahl verschiedener Kleinteile. So ist der Kupplungsgeber ein Bauteil in der hydraulischen Kupplungsbestätigung, das sich zusammensetzt aus:

  • Kupplungsgeber
  • Pedal
  • Kupplungsleitung
  • Kupplungsnehmerzylinder.

Ein moderner Kupplungsgeber übernimmt viele weitere Aufgaben:

  • Er verbessert die Sicherheit
  • soll mehr Komfort bieten
  • soll das Ansprechverhalten verbessern
  • unterstützt
    • die Geschwindigkeitsregelanlage,
    • die Anlasssperre,
    • die elektrische Parkbremse sowie
    • die Drehmomentanpassung.

Der Kupplungsgeberzylinder ist mit dem Pedal direkt verbunden. In seinem Inneren befindet sich ein Kolben. Dieser übersetzt die vom Fahrer ausgeübte Kraft in einen mechanischen Befehl, der wiederum über die Kupplungsleitung an den Kupplungsnehmerzylinder weitergeleitet wird. Der Einbau dieses Bauteils verbraucht Platz. Er macht das Auto zusätzlich schwerer und benötigt Montagezeit.

Kein Motorfilter

Der Motorfilter schützt die beweglichen Teile eines Verbrennungsmotors vor Staub und anderen Partikeln. Damit soll die Lebensdauer eines Verbrennungsmotors verlängert werden. Gäbe es keinen Motorfilter, würden die beweglichen Teile irgendwann durch den Staub verklumpt und damit unbrauchbar. Der E-Motor hingegen benötigt keine der angesprochenen beweglichen Teile eines Verbrenners. Er braucht keinen Motorfilter. Das Motoröl für die Schmierung eines Verbrennungsmotors befindet sich in der Ölwanne. Von dort aus wird es über die Ölpumpe angesaugt. Durch den Ölfilter sowie die entsprechenden Kanäle gelangt es in den Motorblock und von dort wieder zurück in die Ölwanne. Eine Motorschmierung ist bei einem Elektromotor nicht notwendig. Keine Wanne, kein umweltbelastendes Öl bei einem Elektroauto.

Sicherheitsanforderungen und Materialbeständigkeit

Bei den Benzinschläuchen handelt es sich in der Regel um Elastomer-Schläuche. Dieses Material verwendet man, um den hohen Sicherheitsanforderungen und der Materialbeständigkeit gerecht zu werden. Benzinschläuche sind alle Schläuche, die Kraftstoff in einem Fahrzeug transportieren. Sie können undicht oder porös werden. Ein E-Auto benötigt keinen fossiler Kraftstoff, mithin weisen E-Autos diese teilweise unsicheren Bauteile nicht auf.

Kraftstoff und Feststoffpartikel

Um den Kraftstoff in einem Verbrennungsmotor von störenden Feststoffpartikeln zu befreien, gibt es den Kraftstofffilter. Dieser ist mit einem papierähnlichen Material gefüllt. Der Filter wird in die Kraftstoffleitung eingebaut und ist damit vor dem Motor platziert. Ein Dieselfilter sieht aus wie eine Kartusche. Ein Benzinfilter wird überwiegend in die Leitung eingebaut. Wenn der Verbrennungswagen einen Leistungsverlust verzeichnet oder ruckelt, ist laut der Energie-Plattform größtenteils der Kraftstofffilter verstopft. So komme nicht mehr ausreichend Benzin oder Diesel in den Motor. In diesem Fall signalisiere dies in modernen Fahrzeugen die Motorleuchte. Dann muss der Filter ausgetauscht werden. Das passiert in einer Werkstatt und kann ins Geld gehen.

Nach aktuellen Marktpreisen kostet das Wechseln des Auspuffs bei einem Verbrennungsauto zwischen 400 und 800 Euro. Die Kosten inkludieren den neuen Auspuff und die Arbeitszeit. Die Kosten können je nach Anbieter, Werkstatt und Fahrzeugtyp schwanken.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)