26.07.2018

Mit dem Fahrrad ins Rathaus!

In Zeiten von Feinstaub und Dieselfahrverboten kommt keiner mehr am Transport-Thema vorbei. Gerade die innerstädtische Lage von Rathäusern prädestiniert Stadtverwaltungen dafür, Ideen zur innerstädtischen Fortbewegung der Zukunft zu testen und zu fördern. Denn Mobilität in der Stadt wird und muss sich ändern!

Rotes Rathaus Berlin

Wie können Sie mit gutem Beispiel vorangehen? Vielleicht haben Sie es schon im Auge, das Ziel: ein „grünes Rathaus“. Selbstverständlich ganz unabhängig von jeder politischen Couleur. Aber was kann das konkret bedeuten? Wo ansetzen?

Ein Bürgermeister, der viel von A nach B muss, und das im Anzug, für den mag der Gedanke an ein Fahrrad zur Fortbewegung erst einmal weit weg scheinen. Doch hier leitet ein E-Bike Abhilfe. Im Stadtverkehr ist so einfacher, durchkommen. Zwischen ländlichen Kommunen wird der Weg zwischen den Feldern auch (fast) Schweiß-frei möglich. Und gleichzeitig kann der Frust der letzten Sitzung hinausgestrampelt und der Kopf für die nächste Rede frei gepustet werden! Während der Sport, der dank zahlreicher Business Lunches und einer schier endlosen Abfolge von Abendveranstaltungen immer wieder hintenangestellt wurde, so „wie von selbst“ seinen Platz im Arbeitsalltag findet.

So weit, so bekannt – und wahrscheinlich schon längst auch Ihr Alltag. Aber wie sieht es bei Ihren Mitarbeitern aus? Wie kommen die täglich in die Arbeit? Hier lässt sich der positive Effekt eines radelnden Chefs potenzieren.

Wussten Sie, dass anstelle eines Tickets für den ÖPNV oder eines Dienstwagens auch ein Dienstfahrrad als „geldwerter Vorteil“ möglich ist? Entsprechend ermöglichen Projekte wie „JobRad“ und „Stadthelm“ Unternehmen die günstige Bereitstellung von Dienstfahrrädern und Fahrradhelmen – und das sogar noch (lohn)steuerlich optimiert!

Angst vor zu vielen Fahrrädern in der Stadt muss dabei auch keiner haben. Dafür gibt es Projekte wie die „Radlretterei“. Ihr Ziel: eine nachhaltig schönere Umwelt und eine sauberere Stadt. Alte, herrenlose Fahrräder, die sich in fast jeder Straße, an allen Bahnhöfen und in fast jedem Keller (Werfen Sie doch nur mal einen Blick aus dem Fenster auf den Fahrradständer vor dem Rathaus!) angesammelt haben, werden eingesammelt, repariert und anschließend im eigenen Laden verkauft. 20 % des Erlöses aus dem Radl-Verkauf werden an nachhaltige und soziale Projekte oder nachhaltige Crowdfunding-Projekte gespendet – eine klassische Win-win-Situation. So etwas gibt es in Ihrer Kommune noch nicht? Dann initiieren Sie doch einfach eine Fahrradwerkstatt, beispielsweise mit der Unterstützung von und für Flüchtlinge, wie das Projekt „Rückenwind“ in Berlin. Auch hier gilt: Es profitieren das Stadtbild, die Umwelt, unsere Mitmenschen – und das Rathaus. Idealer geht’s nicht.

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)