16.03.2017

Mobile Arbeit: Als Betriebsrat den Arbeitsschutz nicht vergessen!

Nur während der Arbeitsstunden im Betrieb am immer gleichen Arbeitsplatz erreichbar – das war einmal. Die Lebensumstände vieler Beschäftigter haben sich komplett geändert: Notebooks, Tablets, Smartphones – mehr braucht es heute nicht und der allzeit erreichbare Arbeitnehmer ist Realität und das nicht nur abends oder am Wochenende zu Hause, sondern auch auf Reisen, beim Sport oder beim Shoppen.

Mobile Arbeit

Mitbestimmung. Mobile Arbeit ist eine Entwicklung, die unumkehrbar ist – sie wird sich auch sicher noch weiter verstärken. Dabei ist das im Übrigen eine sehr positive Sache – das sehen auch viele Beschäftigte so: Denn die Unabhängigkeit vom stationären Arbeitsplatz schafft ja unbestrittenermaßen auch Freiheit und zeitliche Souveränität. Wer genießt es nicht, dienstags nachmittags in einer leeren Innenstadt einkaufen zu können und dafür am Abend noch mal über der geforderten Präsentation zu brüten? Oder endlich an der Weihnachtsfeier der Kinder in der Schule teilzunehmen, die jedes Jahr donnerstags um 15 Uhr beginnt? Wegen der vielen Vorteile mobiler Arbeit sehen sich Betriebsräte den Wünschen der Belegschaft gegenüber, diese womöglich eher noch zu fördern. Sich gegen sie zu stemmen, ist daher ein aussichtsloser Kampf auf verlorenem Posten. Vielmehr geht es darum, die mobile Arbeit bestmöglich zu gestalten. Und zwar so, das sowohl die Interessen des Arbeitgebers als auch die der Kollegen berücksichtigt und möglichst in Einklang gebracht werden.

Zwei große Probleme beim Arbeitsschutz

Im Bereich des mobilen Arbeitens gibt es vor allem zwei wirklich bedeutsame Herausforderungen: zum einen die Arbeitszeit und zum anderen die Ergonomie. Klare, speziell auf die mobile Arbeit zugeschnittene Regelungen fehlen bisher und die allgemeinen Bestimmungen, etwa des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG), gehen oft am Kern der mobilen Arbeit vorbei und sind auf völlig andere Beschäftigungsmodelle ausgerichtet. Aber wahr ist auch, dass bestehende rechtliche Möglichkeiten, wie z. B. die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), gerade bei mobilen Arbeitsplätzen nicht angewendet werden. Laut der 2016 veröffentlichten Studie „Mobiles Arbeiten“ führen 75 Prozent der deutschen Betriebe bei mobiler Arbeit keine Gefährdungsbeurteilung durch. Dabei sind sich sogar die Arbeitgeber einig, dass es besonders ratsam wäre, sich die mit mobiler Arbeit verbundenen psychischen Belastungen genauer anzuschauen, um Beschäftigte besser vor Gesundheitsgefahren zu schützen.

Arbeitszeit: Zeitgemäße Regelungen dringend gesucht

Mittlerweile sind sich viele einig, dass das ArbZG zeitgemäßere Regelungen treffen sollte, die mehr Flexibilität erlauben. Doch das wird wohl noch auf sich warten lassen. Was gilt bis dahin? Nicht selten beantworten Arbeitnehmer abends oder am Wochenende „schnell mal zwischendurch“ ein paar E-Mails, ohne das groß als Arbeitszeit zu werten, geschweige denn zu erfassen. Deshalb ist es ratsam, mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren, dass jede Arbeit weg vom eigentlichen Arbeitsplatz als Arbeitszeit zählt. Darunter fallen z. B. das Beantworten von E-Mails von zu Hause oder unterwegs, aber etwa auch das handschriftliche Erstellen einer arbeitsbezogenen To-Do-Liste oder eines Konzepts – und zwar unabhängig davon, ob die Arbeit an einem anderen Arbeitsplatz im Betrieb, Zu Hause oder unterwegs geleistet wurde. Dabei sollte die Dauer der Arbeitszeit täglich bzw. wöchentlich vom Arbeitnehmer erfasst – und falls vorhanden – in das betriebliche Zeiterfassungssystem übertragen werden.

Ergonomie auch am mobilen Arbeitsplatz beachten!

Die zweite große Arbeitsschutzbaustelle betrifft die Ergonomie mobiler Arbeitsplätze. Hier gelten im Grundsatz dieselben Grundsätze wie an allen anderen Bildschirmarbeitsplätzen auch. Besonders bedeutsam: Belastende Körperhaltungen (Telefon am Kopf einklemmen, mit dem Tablet auf dem Schoß gebückt schreiben etc.) sind zu vermeiden. Aber es geht auch um ausreichend große Bildschirme und Tastaturen.

Praxistipp: Betriebsvereinbarung mobile Arbeit

Alle Fragen rund um die mobile Arbeit sollten Sie in einer Betriebsvereinbarung regeln. Bei der Durchsetzung Ihrer Forderungen helfen Ihnen Ihre erzwingbaren Mitbestimmungsrechte aus § 87 Abs. 1 Nr. 2 und 3 (Arbeitszeit) und Nr. 7 (Arbeits- und Gesundheitsschutz) BetrVG.

 

Empfehlung der Redaktion

Sie fanden diesen Artikel interessant und wollen regelmäßig über die für Betriebsräte relevanten Arbeitssicherheitsthemen informiert werden? Dann empfehlen wir Ihnen unser Fachmagazin Arbeitssicherheit BETRIEBSRAT, aus dem dieser Artikel stammt.Arbeitssicherheit Betriebsrat

 

Autor: Silke Rohde (ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin des Fachmagazins Betriebsrat KOMPAKT.)