08.07.2021

Kategorisierung der Tunnel

Das ADR sieht einheitliche Vorschriften für die Beschränkung der Nutzung von Tunneln durch Beförderungseinheiten mit Gefahrgut vor. Seit 1. Januar 2010 müssen Tunnel, die für die Durchfahrt von kennzeichnungspflichtigen Gefahrgutbeförderungen beschränkt werden sollen, kategorisiert und entsprechend beschildert sein. Tunnelbeschränkungen gelten für Beförderungseinheiten, für die eine orangefarbene Kennzeichnung gemäß Abschnitt 5.3.2 vorgeschrieben ist.

Lkw Tunnel

Der Tunnelbeschränkungscode gibt Aufschluss darüber, ab welcher Tunnelkategorie die Tunneldurchfahrt mit gefährlichen Gütern beschränkt ist. Der Tunnelbeschränkungscode ist für jeden Stoff in der Tabelle A des Kapitels 3.2 ADR in Spalte 15 angegeben. Werden Gefahrgüter mit unterschiedlichen Beschränkungscodes auf einer Beförderungseinheit transportiert, so ist der gesamten Ladung der restriktivste dieser Tunnelbeschränkungscode zuzuordnen.

Fünf verschiedene Tunnelkategorien

Die Regelungen zur Tunnelkategorisierung sind in Abschnitt 1.9.5 und in Kapitel 8.6 ADR festgelegt. Die zuständige Behörde des ADR-Vertragsstaates hat ihre Straßentunnel einer der in Absatz 1.9.5.2.2 festgelegten Tunnelkategorien zuzuordnen. Dabei sind insbesondere die Tunneleigenschaften, die Risikoeinschätzung sowie Verfügbarkeit und Eignung alternativer Strecken und Verkehrsträger zu berücksichtigen. Die gefährlichen Güter sind, je nach Stoffgefährlichkeit, einem Tunnelbeschränkungscode zugeordnet. Unterliegt ein gefährlicher Stoff keiner Tunnelbeschränkung, so steht anstelle des Tunnelbeschränkungscodes die Markierung „(–)” in Spalte (15) der Tabelle A des Kapitels 3.2.

Drei Hauptgefahren im Tunnel

Je nach Annahme der in Tunnel bestehenden drei Hauptgefahren:
  • Explosion
  • Freiwerden giftiger Gase oder flüchtiger giftiger flüssiger Stoffe
  • Brände

wurden die Tunnelkategorien festgelegt. Die Einteilung erfolgt in fünf Tunnelkategorien, die den Buchstaben A bis E zugeordnet wurden. Die Tunnelkategorie „A“ bedeutet, dass keine Beschränkung für die Beförderung gefährlicher Güter besteht, deshalb kann auf diese Kennzeichnung verzichtet werden.

Tunnelkategorie B: Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer sehr großen Explosion führen können
Tunnelkategorie C: Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer sehr großen Explosion, einer großen Explosion oder einem umfangreichen Freiwerden giftiger Stoffe führen können
Tunnelkategorie D: Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer sehr großen Explosion, einer großen Explosion, einem umfangreichen Freiwerden giftiger Stoffe oder einem großen Brand führen können
Tunnelkategorie E: Beschränkungen für die Beförderung aller gefährlichen Güter mit Ausnahme derer, bei denen in Kapitel 3.2 Tabelle A Spalte (15) „(-)” angegeben ist sowie für alle gefährlichen Güter nach den Vorschriften des Kapitels 3.4, wenn die beförderten Mengen 8 Tonnen Bruttogesamtmasse je Beförderungseinheit überschreiten

Achtung

Je nach Uhrzeit oder Wochentag kann ein und derselbe Tunnel verschiedenen Tunnelkategorien zugehörig sein.

Stufen des Tunnelbeschränkungscodes

Tunnel-beschrän-kungscode Tunnel-kategorie A Tunnelkategorie B Tunnelkategorie C Tunnelkategorie D Tunnelkategorie E
B frei Durchfahrverbot Durchfahrverbot Durchfahrverbot Durchfahrverbot
B1000C frei Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit größer 1000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 1000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 1000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 1000 kg
B/D frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot Durchfahrverbot
B/E frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot
C frei frei Durchfahrverbot Durchfahrverbot Durchfahrverbot
C5000D frei frei Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit größer 5000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 5000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 5000 kg
C/D frei frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot Durchfahrverbot
C/E frei frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot
D frei frei frei Durchfahrverbot Durchfahrverbot
D/E frei frei frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks oder als lose Schüttung befördert wird Durchfahrverbot
E frei frei frei frei Durchfahrverbot

Bußgeld bei Missachtung der Durchfahrtsbeschränkung

Eine Missachtung der Durchfahrtsbeschränkung wird gemäß RSEB mit einem Bußgeld von 500 € geahndet.

Durchfahrt durch Euro-Tunnel

Für die Beförderung gefährlicher Güter durch den Eurotunnel zwischen Frankreich und England gelten Sonderregelung, die von der Betreibergesellschaft festgelegt werden. Die Regelungen für diese Transporte enthält die „Richtlinie für den Transport von Gefahrgut im Eurotunnel“. In deutscher Sprache steht sie unter http://www.eurotunnelfreight.com zur Verfügung. Mit Ausnahme von Transporten in begrenzten oder freigestellten Mengen müssen gefährliche Güter angemeldet werden. Die Listen – aufgeteilt nach den einzelnen Gefahrgutklassen – enthalten für die jeweilige UN-Nummer Hinweise, ob der Transport zugelassen ist und ob und ggf. welche Einschränkungen für diese UN-Nummer gelten.

Autor: Beate Schleicher