08.11.2017

Vom Tunnelbeschränkungscode zur Streckenplanung

Welche Gefahrgüter einen Tunnel passieren dürfen, regelt der Tunnelbeschränkungscode. Dafür werden Tunnel in verschiedene Kategorien eingeteilt, die auf den spezifischen Tunneleigenschaften, der Risikoeinschätzung sowie der Existenz alternativer Strecken basieren. Je höher die Tunnelkategorie, desto strenger die Beschränkung für transportierte Güter.

Tunnelbeschränkungscode

Der Tunnelbeschränkungscode ist für jeden Stoff in der Tabelle A des Kapitels 3.2 ADR in Spalte 15 angegeben. Werden Gefahrgüter mit unterschiedlichen Beschränkungscodes auf einer Beförderungseinheit transportiert, so gilt für die gesamten Ladung der restriktivste der Codes.

Fünf verschiedene Tunnelkategorien

Tunnel können unter fünf verschiedene Kategorien fallen, die den Buchstaben A bis E zugeordnet wurden. Die Tunnelkategorie „A” bedeutet, dass keine Beschränkung für die Beförderung gefährlicher Güter besteht.

Tunnelkategorie B: Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer sehr großen Explosion führen können
Tunnelkategorie C: Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer sehr großen Explosion, einer großen Explosion oder einem umfangreichen Freiwerden giftiger Stoffe führen können
Tunnelkategorie D: Beschränkungen für gefährliche Güter, die zu einer sehr großen Explosion, einer großen Explosion, einem umfangreichen Freiwerden giftiger Stoffe oder einem großen Brand führen können
Tunnelkategorie E: Beschränkungen für die Beförderung aller gefährlichen Güter mit Ausnahme derer, bei denen in Kapitel 3.2 Tabelle A Spalte (15) „(-)” angegeben ist sowie für alle gefährlichen Güter nach den Vorschriften des Kapitels 3.4, wenn die beförderten Mengen 8 Tonnen Bruttogesamtmasse je Beförderungseinheit überschreiten

Achtung

Je nach Uhrzeit oder Wochentag kann ein und derselbe Tunnel verschiedenen Tunnelkategorien zugehörig sein.

Stufen des Tunnelbeschränkungscodes

Tunnel-beschrän-kungscode Tunnel-kategorie A Tunnelkategorie B Tunnelkategorie C Tunnelkategorie D Tunnelkategorie E
B frei Durchfahrverbot Durchfahrverbot Durchfahrverbot Durchfahrverbot
B1000C frei Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit größer 1000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 1000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 1000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 1000 kg
B/D frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot Durchfahrverbot
B/E frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot
C frei frei Durchfahrverbot Durchfahrverbot Durchfahrverbot
C5000D frei frei Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit größer 5000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 5000 kg Durchfahrverbot, wenn Nettoexplosivstoffmasse je Beförderungseinheit kleiner als 5000 kg
C/D frei frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot Durchfahrverbot
C/E frei frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot, wenn in Tanks befördert wird Durchfahrverbot
D frei frei frei Durchfahrverbot Durchfahrverbot
D/E frei frei frei Durchfahrverbot, wenn in Tanks oder als lose Schüttung befördert wird Durchfahrverbot
E frei frei frei frei Durchfahrverbot

Für wen der Tunnelbeschränkungscode gilt – und für wen nicht

Tunnelbeschränkungen gelten für Beförderungseinheiten, die mit orangefarbenen Tafeln zu kennzeichnen sind. Gefährliche Güter, die aufgrund der Freistellungen nach Abschnitt 1.1.3 befördert werden, unterliegen nicht den Tunnelbeschränkungen und sind bei der Bestimmung des Tunnelbeschränkungscodes nicht zu berücksichtigen. Dies gilt demzufolge auch bei Anwendung von Kapitel 3.5 und bedingt bei Kapitel 3.4 (begrenzte Mengen).

Bei Beförderungen nach 3.4 gilt, sofern die Beförderungseinheit nach 3.4.13 zu kennzeichnen ist, eine Beschränkung bei Nutzung von Tunneln der Kategorie „E”. Eine Kennzeichnung gemäß Abschnitt 3.4.13 ist bei Beförderungseinheiten mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse (zGG) über 12 t erforderlich, wenn die Bruttogesamtmasse der beförderten Mengen je Beförderungseinheit 8 t überschreitet. Diese Regelung gilt auch für verpackte Güter in Containern auf einer Beförderungseinheit.

Wie wird der Tunnelbeschränkungscode umgesetzt?

Die Tunnel werden mit den entsprechenden Zusatzzeichen (Buchstaben B – E) als Ergänzung zum Zeichen 261 der Straßenverkehrs-Ordnung (Verbot für kennzeichnungspflichtige Kraftfahrzeuge mit gefährlichen Gütern) versehen. Wer sich über mögliche Durchfahrverbote auf seinem Transport informieren will, findet unter http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/Gefahrgut/beschraenkung-der-nutzung-von-strassentunneln-gemaess-adr.html) eine Übersicht über alle Tunnelbeschränkungen. Für internationale Transporte können unter www.unece.org bestehende Tunnelregelungen für die einzelnen ADR-Vertragsstaaten eingesehen werden.

 

Autor: Beate Schleicher