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DIN VDE 0100-704:2018-10: Anforderungen für Baustellen

Baustrom ist kein Provisorium, sondern sicherheitsrelevant. Die DIN VDE 0100-704 regelt detailliert, welche Schutzmaßnahmen auf Baustellen erforderlich sind – insbesondere beim Einsatz von RCDs und Baustromverteilern. Machen Sie sich sachkundig, welche Anforderungen gelten und wo in der Praxis häufig Fehler gemacht werden.

Anforderungen der VDE 0100-704 an Baustellen

Die Anforderungen der DIN VDE 0100-704 gelten für elektrische Anlagen, die während Bau- oder Abbrucharbeiten genutzt werden und nach Beendigung der Arbeiten außer Betrieb genommen werden sollen.

Die Norm DIN VDE 0100-704:2018-10 trägt den Titel „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-704: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Baustellen“. Sie ist seit dem 18. Mai 2021 verbindlich anzuwenden und ersetzt die frühere Ausgabe von 2007.

Im Folgenden erfahren Sie die wesentlichen Anforderungen der DIN VDE 0100-704 an die Elektrosicherheit auf Baustellen und deren praktische Auswirkungen.

DIN VDE 0100-704: Anforderungen für Baustellen

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD)

Gemäß Abschnitt 704.531.3 müssen Drehstromsteckdosen bis einschließlich 63 A mit einer allstromsensitiven Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vom Typ B nach EN 62423 geschützt werden.

Für Drehstromsteckdosen ≥ 125 A ist ebenfalls ein RCD vom Typ B erforderlich, sofern daran Verbraucher mit Frequenzumrichter betrieben werden.

Schutzkontaktsteckdosen unterliegen diesen Anforderungen nicht; sie sind gemäß DIN VDE 0100-410 mit RCDs ≤ 30 mA zu schützen.

Praxistipp: Baustromanlagen

Baustromanlagen sind so aufzubauen, dass Verbraucher mit nicht sinusförmigen Leck- oder Fehlerströmen (z. B. durch Frequenzumrichter) sicher abgeschaltet werden und andere Schutzeinrichtungen nicht blockieren. Dies wird durch den gezielten Einsatz allstromsensitiver RCDs vom Typ B erreicht.

Trenneinrichtungen in Baustromverteilern

Nach Abschnitt 704.537.2.101 muss jeder Baustromverteiler über eine Einrichtung zum Trennen der Einspeisung verfügen.
Diese Trenneinrichtung ist in der AUS-Stellung gegen Wiedereinschalten zu sichern, beispielsweise durch ein Vorhängeschloss.

Bei fest angeschlossenen Baustromverteilern (ACS) mit Steckdosen genügt eine verschließbare Umhüllung nicht. In diesen Fällen ist eine abschließbare Trenneinrichtung an der Einspeisestelle erforderlich.
Diese Forderung ist zwingend, da Baustromverteiler häufig von Laien (BA1) benutzt werden.

Praxistipp: Schalter für Laien

Im Eingangsbereich von Baustromverteilern mit Steckdosen ist ein für Laien bedienbarer Hauptschalter vorzusehen, der den Verteiler spannungsfrei schalten kann und in der AUS-Stellung abschließbar ist.

Prüfungen bei Baustromverteilern

Bei einem Baustellenwechsel, einer Standortveränderung oder einer Neuerrichtung ist eine Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 durchzuführen.

Zusätzlich sind Baustromanlagen in angemessenen Zeitabständen visuell zu kontrollieren, um Beschädigungen oder sicherheitsrelevante Mängel frühzeitig zu erkennen.

DIN VDE 0100-704: Anwendungsbereich

Die DIN VDE 0100-704 regelt das Errichten von Niederspannungsanlagen auf Baustellen. Als Baustellen gelten alle Orte, an denen Bauvorhaben durchgeführt werden, z. B. zur Errichtung, Änderung oder zum Abbruch baulicher Anlagen.

Nach Abschnitt 704.1 gilt die Norm für elektrische Anlagen, die für die Dauer von Bau- oder Abbrucharbeiten errichtet und anschließend außer Betrieb genommen werden, unter anderem bei:

  • Bauarbeiten an neuen Bauwerken
  • Reparatur, Umbau, Erweiterung oder Abbruch bestehender Bauwerke
  • unter Bau- oder Projektleitung durchgeführten Arbeiten
  • Erdarbeiten
  • vergleichbaren Tätigkeiten

Die Anforderungen gelten sowohl für fest errichtete als auch für bewegliche Anlagen.

Nicht anzuwenden ist die DIN VDE 0100-704 hingegen auf elektrische Anlagen in Verwaltungs- und Sozialräumen von Baustellen, z. B. in Büros, Umkleiden, Sanitär- oder Schlafräumen.

Bestimmung allgemeiner Merkmale

In Abschnitt 704.30 werden die allgemeinen Merkmale der Baustellenanlage festgelegt.
Nach 704.30.101 sind bei Baustellen die Abstände zu Freileitungsanlagen unter Berücksichtigung der eingesetzten Baumaschinen und Arbeitsmittel (z. B. Krane, Leitern, Gerüste) mit dem Betreiber der Freileitung abzustimmen.

Dabei ist auf die Abstandswerte nach Tabelle 103 der DIN VDE 0105-100 Bezug zu nehmen.

Zweck, Stromversorgung und Aufbau der Anlage

Nach Abschnitt 704.31 darf eine Baustelle aus mehreren Einspeisungen versorgt werden, einschließlich Niederspannungs-Stromerzeugungseinrichtungen (vgl. DIN VDE 0100-551).

Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag

Die in Anhang B und C der DIN VDE 0100-410 beschriebenen Schutzvorkehrungen dürfen auf Baustellen nicht angewendet werden. Dies betrifft insbesondere:

  • Schutz durch Hindernisse
  • Schutz durch Anordnung außerhalb des Handbereichs
  • Schutz durch nicht leitende Umgebung
  • Schutz durch erdfreien örtlichen Schutzpotenzialausgleich
  • Schutztrennung für die Versorgung mehrerer Verbraucher

Für Stromkreise zur Versorgung von Steckdosen bis einschließlich 32 A sowie für handgehaltene elektrische Betriebsmittel sind nach Abschnitt 704.410.3.101 ausschließlich folgende Schutzmaßnahmen zulässig:

  • automatische Abschaltung der Stromversorgung mit zusätzlichem Schutz durch RCD ≤ 30 mA
  • Schutz durch Kleinspannung (SELV/PELV)
  • Schutztrennung, wobei jede Steckdose bzw. jedes Betriebsmittel separat versorgt werden muss

Fazit

Die DIN VDE 0100‑704 stellt klar: Elektrische Anlagen auf Baustellen unterliegen besonders hohen Anforderungen an Planung, Errichtung und Betrieb. Insbesondere der Einsatz geeigneter Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, klar gekennzeichneter Trenneinrichtungen sowie regelmäßiger Prüfungen ist entscheidend, um Gefährdungen durch elektrischen Strom wirksam zu vermeiden. Wer die normativen Vorgaben konsequent umsetzt, schafft nicht nur Rechtssicherheit, sondern leistet einen wesentlichen Beitrag zum Schutz aller auf der Baustelle tätigen Personen.

Autor*in: Ernst Schneider

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