DIN VDE 0100-702: Elektrische Anlagen bei Schwimmbecken
Die Norm DIN VDE 0100-702 legt Anforderungen an das Errichten elektrischer Anlagen in und an Schwimmbecken, begehbaren Wasserbecken und Springbrunnen fest. Ziel ist es, Personen vor gefährlichen Körperströmen zu schützen, da Wasserbereiche natürlich ein besonders hohes elektrisches Risiko darstellen.
Zuletzt aktualisiert am: 8. Januar 2026

Anwendungsbereich der Norm
Die DIN VDE 0100-702 trägt den Titel „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-702: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Becken von Schwimmbädern, begehbare Wasserbecken und Springbrunnen“.
Die Norm gilt für das Errichten elektrischer Anlagen in folgenden Bereichen:
- Becken von Schwimmbädern und Planschbecken sowie deren umgebende Bereiche
- Bereiche in natürlichen Gewässern und vergleichbaren Anlagen, die von Personen zum Schwimmen oder ähnlichen Tätigkeiten betreten werden
- Springbrunnen mit oder ohne Becken und deren umgebende Bereiche
Die Norm enthält keine detaillierten Anforderungen für die Verwendung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel! Für diese sind ergänzend andere Normen, z.B. DIN VDE 0100-410 oder DIN EN 50678 und DIN EN 50699 zu beachten.
Bereichseinteilung von Schwimmbädern
Begehbare Wasserbecken und Becken von Schwimmbädern werden in der DIN VDE 0100-702 ähnlich wie Bade- und Duschräume in drei Bereiche eingeteilt. In der Abbildung sehen Sie die Einteilung von Schwimmbädern in die drei Bereiche 0, 1 und 2.

- Bereich 0 stellt das Innere des Beckens dar.
- Bereich 1 grenzt waagerecht an Bereich 0 an und reicht bis zu einer senkrechten Fläche in 2 m Abstand vom inneren Beckenrand sowie bis zu einer Höhe von 2,5 m über der jeweiligen Standfläche.
- Bereich 2 schließt direkt an Bereich 1 an und erstreckt sich über weitere 1,5 m.
Die Bereichseinteilung ist maßgeblich für die Auswahl zulässiger Betriebsmittel und Schutzmaßnahmen.
Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag
In den Bereichen 0, 1 und 2 gelten erhöhte Anforderungen an den Schutz gegen gefährliche Körperströme:
- Der Schutz durch Kleinspannung mittels PELV ist nicht zulässig.
- SELV (Schutzkleinspannung) ist die bevorzugte Schutzmaßnahme.
- Je nach Bereich und Anwendung sind auch andere Schutzmaßnahmen, z. B. automatische Abschaltung der Stromversorgung mittels Fehlerstrom Schutzeinrichtung (RCD), zulässig.
Unabhängig von der Nennspannung müssen Abdeckungen oder Umhüllungen mindestens der Schutzart IP2X oder IPXXB nach DIN EN 60529 (VDE 0470-1) entsprechen oder eine Isolierung besitzen, die einer Prüfspannung von AC 500 V über mindestens eine Minute standhält.
Zusätzlicher Schutzpotenzialausgleich
In den Bereichen 0, 1 und 2 ist ein zusätzlicher Schutzpotentialausgleich erforderlich:
- Alle fremden leitfähigen Teile sind miteinander zu verbinden.
- Diese sind zusätzlich mit dem Schutzleiter der Körper elektrischer Betriebsmittel in diesen Bereichen zu verbinden.
- Auch metallene Abdeckungen sowie metallene Kabelumhüllungen sind einzubeziehen.
Der zusätzliche Schutzpotentialausgleich ist unabhängig vom Schutzleiter auszuführen und dient der Reduzierung gefährlicher Berührungsspannungen.
DIN VDE 0100-702 bei Kabel- und Leitungsanlagen
Für Kabel und Leitungen gelten besondere Anforderungen:
- Stegleitungen nach DIN VDE 0250-201 dürfen nicht verlegt werden.
- In den Bereichen 0, 1 und 2 dürfen keine berührbaren metallenen Umhüllungen von Kabeln und Leitungen vorhanden sein. Nicht berührbare metallene Umhüllungen sind in den Schutzpotentialausgleich einzubeziehen.
- In den Bereichen 0 und 1 dürfen nur Kabel und Leitungen verlegt werden, die der Versorgung von Betriebsmitteln in diesen Bereichen dienen.
Alle Kabel und Leitungen anderer Stromkreise müssen lt. DIN VDE 0100-702:
- mindestens 6 cm tief eingebettet sein oder
- durch eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA geschützt sein oder
- durch Schutztrennung nach DIN VDE 0100-410 geschützt sein.
Im Bereich 0 dürfen nur Kabel und Leitungen der Bauart H07RN8-F oder gleichwertig verwendet werden.
Grundsätzlich empfiehlt die Norm die Verlegung von Kabeln und Leitungen in Elektroinstallationsrohren, die mindestens dem Schlagwiderstand der Klasse 5 nach DIN EN 61386-1 (VDE 0605-1) entsprechen.
Abzweig- und Verbindungsdosen dürfen keinesfalls im Bereich 0 errichtet werden. Im Bereich 1 sind sie nur für Stromkreise mit Schutz durch Kleinspannung mittels SELV erlaubt.
Schalt-, Steuergeräte und Steckdosen nach DIN VDE 0100-702
Im Bereich 0 dürfen keinesfalls Schalt- und Steuergeräte sowie Steckdosen installiert werden.
Im Bereich 1 dürfen nur dafür zugelassene elektrische Betriebsmittel installiert werden, wenn die Stromquelle im Bereich 2 angeordnet ist und die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen eingehalten werden.
In Becken mit kleinem Umgebungsbereich sind Ausnahmen möglich, wenn die Betriebsmittel
- außerhalb des Handbereichs (mindestens 1,25 m von Bereich 0 entfernt)
- und mindestens 0,3 m über der Standfläche angeordnet sind.
Zulässige Schutzmaßnahmen sind u.a.:
- SELV mit max. AC 25 V oder DC 60 V
- automatische Abschaltung der Stromversorgung mittels RCD ≤ 30 mA
- Schutztrennung mit Versorgung nur eines Betriebsmittels
Besondere Betriebsmittel und Leuchten
Für fest installierte Betriebsmittel wie Pumpen, Filteranlagen, Gegenstromanlagen oder fest installierte Beckenreinigungsanlagen gelten zusätzliche Anforderungen. Je nach Einbauort und Ausführung kann hier ausschließlich SELV mit maximal AC 12 V oder DC 30 V zulässig sein.
Leuchten für die Bereiche 0 und 1 müssen der DIN EN 60598-2-18 (VDE 0711-218) entsprechen. Sie müssen unzugänglich sein und dürfen nur mit Werkzeug geöffnet werden. Zudem ist auf eine ausreichende Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit und chlorhaltiger Atmosphäre zu achten.
Fazit
Bei der Planung und Errichtung elektrischer Anlagen in Schwimmbeckenbereichen ist die DIN VDE 0100‑702 konsequent anzuwenden. Wer die Bereichseinteilung, die zulässigen Schutzmaßnahmen sowie den zusätzlichen Schutzpotentialausgleich von Anfang an berücksichtigt, reduziert Risiken wirksam und stellt eine normkonforme und zuverlässige Elektroinstallation sicher.
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