Fachbeitrag | Normenwissen
07.01.2016

Schutzausrüstungen für Elektrofachkräfte

Die Arbeit mit elektrischem Strom birgt viele Gefahren. Um sich zu schützen, müssen Elektrofachkräfte entsprechende Schutzausrüstungen verwenden. Wann Schutz- und Hilfsmittel vor allem beim Arbeiten unter Spannung (Aus) vorgeschrieben sind und welche Normen für sie gelten, erklärt dieser Fachbeitrag.

Elektriker mit PSA© alfernec/​iStock/​Thinkstock

Schutzausrüstungen gegen tödliche Gefahren

Gefährdungen, die bei elektrotechnischen Arbeiten auftreten, werden vielfach unterschätzt. Das liegt einerseits an der „Unsichtbarkeit des elektrischen Stroms“ und bei Elektrofachkräften oder elektrisch unterwiesenen Personen oft auch an dem „blinden Vertrauen“ auf eine langjährige Betriebspraxis. Welchen Stellenwert eine mögliche Gefährdung durch elektrischen Strom hat, zeigt die Einordnung der Gefahren durch Elektrizität in der europäischen Richtlinie für persönliche Schutzausrüstungen. Im Anhang wird diese Gefährdung der höchsten Kategorie zugeordnet. Die Zuordnung zur Kategorie III wird vorgenommen, wenn tödliche oder ernste und irreversible Gefahren auftreten können.

Umfangreicher Schutz beim Arbeiten unter Spannung

Das Arbeitsschutzgesetz fordert in § 4, dass Gefahren „an ihrer Quelle zu bekämpfen“ sind. Bei elektrotechnischen Arbeiten ist dies nicht immer möglich, da gerade bei diesen Arbeiten die sonst vorhandenen Abdeckungen oder Abschrankungen entfernt werden müssen. Teilweise muss dann trotz der bekannten Gefahr, aus berechtigten Gründen, die Versorgung mit elektrischer Energie aufrechterhalten werden. Je näher sich die Arbeitsstelle zu unter Spannung stehenden Teilen befindet, desto umfangreicher sind die vorbereitenden Arbeiten und einzusetzenden Schutz- und Hilfsmittel. Unterschreiten die Arbeitsabstände bestimmte Maße, sind die Anforderungen zum „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile (AiN)“ oder „Arbeiten unter Spannung (AuS)“ zu berücksichtigen.

Schutzausrüstung auch bei AiN wichtig

Die Unfallauswertungen zeigen, dass oft bei „Arbeiten in der Nähe elektrischer Anlagen“ auf die Schutzausrüstungen verzichtet wird. Der verbleibende Abstand zu unter Spannung stehenden Teilen wird als ausreichend angesehen. Unterschätzt werden dabei der bei den Arbeiten zu berücksichtigende ergonomische Sicherheitsabstand und die Gefährdung durch das zum Einsatz kommende Werkzeug.

Sorgfältige Auswahl der Schutzausrüstungen

Gleiches gilt auch für die isolierenden, persönlichen Schutzausrüstungen, deren Umfang und Schutzwirkung dem jeweiligen Arbeitsplatz angepasst sein müssen. Das bedeutet nicht in jedem Falle, dass die gesamte isolierende, persönliche Schutzausrüstung zum Einsatz kommen muss, jedoch ist immer eine sorgfältige Auswahl vor Beginn der Arbeiten wichtig. Können zusätzlich zu den elektrischen Gefährdungen weitere Gefahren durch Stoffe, wie z.B. Säure, Ozon, Öl, Gas, oder durch öffentlichen Straßenverkehr, Kälte, Hitze, Regen oder durch Brand- und Explosionsgefahren am Arbeitsplatz auftreten, so sind die Schutz- und Hilfsmittel auch dahingehend zu prüfen und auszuwählen. Stellt man die Gefährdungen zu den verschiedenen Arbeitsplätzen zusammen, so muss die Kleidung eines Elektrikers ein „Multitalent“ sein und viele Normen erfüllen:

Tabelle: Normenauswahl der wichtigsten in Deutschland zum Einsatz kommenden Schutz- und Hilfsmittel für AuS

Gerät/Ausrüstung Normen/Normenentwürfe
Isolierende Handschuhe VDE 0680-1 und VDE 0682-311
Arbeitsschutzhelm DIN EN 397 (DIN 4840)
Gesichtsschutz DIN EN 166
Isolierende Schuhe und Stiefel VDE 0682-331
Isolierender Schutzanzug VDE 0680-1 und VDE 0682-301
Leitfähige Kleidung bis 800 kV VDE 0682-304
Schmiegsame isolierende Abdeckungen VDE 0680-1 oder Entwurf VDE 0682-511
Standortisolierung VDE 0680-1 oder Entwurf VDE 0682-512
Isoliertes Werkzeug VDE 0682-130 und VDE 0682-201
Spannungsprüfer bis AC 1.000 V VDE 0682-401
Spannungsprüfer/-prüfsysteme über AC 1.000 V VDE 0682-411 bis VDE 0682-415
NH-Aufsteckgriffe VDE 0680-4
Isolierende Schutzplatten VDE 0682-552
Isolierende Hubarbeitsbühnen VDE 0682-741
Flammschutz DIN EN ISO 15025 und EN 533 (Index 3/5×60)
Schweißerschutz DIN EN ISO 11611
Lichtbogenschutz prTS 50354
Warnschutz (gelb und orange) DIN EN ISO 20471
Antistatik DIN EN 1149
Wetterschutz DIN EN 343

Bild: © alfernec/iStock/Thinkstock

Autor: Jörg Adamus 

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