Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile (AiN)
Wann gelten Arbeiten als „in der Nähe unter Spannung stehender Teile“? Der Beitrag zeigt praxisnah, wie Risiken erkannt, Arbeitsbereiche abgegrenzt und unzulässige Annäherungen zuverlässig vermieden werden.
Zuletzt aktualisiert am: 27. Februar 2026

Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile erfordern besondere Sorgfalt. Verantwortlich dafür ist entweder der Anlagenverantwortliche oder der Arbeitsverantwortliche. Sie müssen sicherstellen, dass die ausführenden Personen vor Beginn der Arbeiten aufgabenbezogen unterwiesen sind und die notwendigen Schutzmaßnahmen kennen. Das ist besonders wichtig für die Elektrosicherheit.
Was bedeutet „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“?
Als Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile gelten Tätigkeiten, bei denen sich Personen, Werkzeuge oder Arbeitsmittel Gefahren- oder Annäherungszonen spannungsführender Teile nähern können, ohne dass diese Teile selbst bearbeitet werden.
Grundsätzlich gilt für Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile:
- Spannungführende Teile müssen entweder spannungsfrei geschaltet,
- abgedeckt oder abgeschrankt sein
- oder es ist sicherzustellen, dass die zulässigen Annäherungen nicht unterschritten werden.
Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt unter anderem von der Höhe der Spannung, der Art der Arbeit, dem Arbeitsort sowie den eingesetzten Arbeitsmitteln ab.
Wie groß sind Gefahren- und Annäherungszonen?
Für die Beurteilung der zulässigen Annäherungen werden in der Praxis die in den einschlägigen elektrotechnischen Regeln beschriebenen Gefahrenzonen und Schutzabstände herangezogen. Sie zeigen, ab welchem Abstand besondere Schutzmaßnahmen erforderlich sind, um das Risiko eines elektrischen Schlages oder eines Lichtbogens zu vermeiden.
Für die Planung und Durchführung von Arbeiten gilt daher:
- Gefahrenzonen sind eindeutig festzulegen,
- Arbeitsbereiche klar abzugrenzen,
- unbeabsichtigte Annäherungen technisch und organisatorisch zu verhindern.
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen bei AiN
Leiter oder leitfähige Teile in der Nähe unter Spannung stehender Teile können elektrisch beeinflusst werden. Bei Arbeiten an solchen Teilen sind zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich, zum Beispiel:
- abschnittsweise Erdung leitfähiger Teile, um Beeinflussungsspannungen auf ungefährliche Werte zu reduzieren,
- Potenzialausgleich an der Arbeitsstelle, um gefährliche Spannungsunterschiede zu vermeiden.
Die Arbeitsstelle ist deutlich zu kennzeichnen, etwa durch Seile, Flaggen oder Warnschilder. Benachbarte, unter Spannung stehende Schaltfelder können zusätzlich optisch hervorgehoben werden.
Verhalten der Beschäftigten
Beschäftigte müssen bei jeder Bewegung darauf achten, weder mit dem Körper noch mit Werkzeugen oder Gegenständen in den Gefahrenbereich zu gelangen. Besondere Vorsicht ist geboten beim Umgang mit langen oder sperrigen Gegenständen wie Leitungen, Rohren, Leitern oder Werkzeugen.
Unterweisungen und Organisation
Vor Beginn der Arbeiten sind die eingesetzten Personen zu unterrichten über:
- einzuhaltende Abstände
- festgelegte Arbeitsbereichsgrenzen
- besondere Gefährdungen und Schutzmaßnahmen
Die Unterweisung ist zu wiederholen, wenn sich die Arbeitsbedingungen ändern oder dies aufgrund der Tätigkeit erforderlich ist.
Einsatz von Großgeräten bei AiN
Transportarbeiten und der Einsatz von Großgeräten in elektrischen Anlagen sind mit erhöhten Risiken verbunden. Insbesondere bei Baggern, Kränen, Leitern oder Kippern müssen die zulässigen Annäherungen zuverlässig eingehalten werden.
Folgendes ist zu berücksichtigen:
- eingeschränkte Sichtverhältnisse vom Führerstand
- mögliches Ausschwingen von Auslegern
- veränderliche Leiterseillagen bei Freileitungen durch Wind oder Temperatur
Bewährte Schutzmaßnahmen sind unter anderem:
- Einsatz fachkundiger Aufsicht
- Höhen- oder Schwenkbegrenzungen
- Arbeiten mit Schutzgerüsten
