19.01.2021

DIN VDE 0100-443: Worauf Sie jetzt achten müssen

Für Deutschland wurden die technischen Standards DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534 zum Überspannungsschutz grundlegend überarbeitet. Die Neufassungen der beiden Normen gelten seit Oktober 2016.

Die DIN VDE 0100-443 gilt für Niederspannungsanlagen und regelt den Überspannungsschutz

Überspannungsschutz verpflichtend für private Wohnbauten und kleinere Gewerbebauten

2016 wurden die technischen Standards DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534 zum Überspannungsschutz grundlegend überarbeitet. Die Übergangsfrist der alten Fassungen endete am 14.12.2018. Damit sind die Anforderungen der beiden Normen für Anlagen, die seitdem in Betrieb gehen, verpflichtend.

Jeder Elektrofachkraft ist bewusst, dass Blitzeinschläge und das Schalten großer Stromverbraucher Überspannungen erzeugen können. Diese Überspannungen führen nicht selten in Niederspannungsanlagen zu gravierenden Schäden an elektrischen Geräten. Außerdem werden immer mehr empfindliche Steuer- und Kommunikationseinrichtungen verwendet, die einen Überspannungsschutz erfordern.

Amtliche Titel der beiden Normen zum Überspannungsschutz

  • DIN VDE 0100-443 (VDE 0100 Teil 443):2016-10; Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 4-44: Schutzmaßnahmen – Schutz bei Störspannungen und elektromagnetischen Störgrößen – Abschnitt 443: Schutz bei transienten Überspannungen infolge atmosphärischer Einflüsse oder von Schaltvorgängen
  • DIN VDE 0100-534 (VDE 0100 Teil 534):2016-10; Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 5-53: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Trennen, Schalten und Steuern – Abschnitt 534: Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs)

Die DIN VDE 0100-443 regelt, wann der Überspannungsschutz einzubauen ist. In der DIN VDE 0100-534 steht, wie und welche Schutzmaßnahmen vorzusehen sind.

Kurzübersicht DIN VDE 0100-443

Laut VDE thematisiert die DIN VDE 0100-443:2016-10 den Schutz von elektrischen Anlagen bei transienten Überspannungen infolge atmosphärischer Einflüsse, die über das Stromversorgungsnetz übertragen werden, inklusive direkter Blitzeinschläge in die Versorgungsleitungen und transiente Überspannungen infolge von Schaltvorgängen.

Die Norm enthält die deutsche Übernahme des Europäischen Harmonisierungsdokuments HD 60364-4-443:2016 „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-44: Schutzmaßnahmen und basiert auf der IEC 60364-4-44:2007/A1:2015 „Low-voltage electrical installations – Part 4-44: Protection for safety – Protection against voltage disturbances and electromagnetic disturbances“.

Nationale Zusätze der DIN VDE 0100-443

Die DIN VDE 0100-443 enthält diverse nationale Zusätze, die nicht in der Originalfassung des HD enthalten sind.

Das ist jetzt zu beachten

Gegenüber der früheren Fassung von 2007 wurden Aufbau und Gliederung überarbeitet, Verweisungen und Terminologie angepasst. Außerdem wurden neue Vorgaben zur Beherrschung von Überspannungen durch Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs) aufgestellt. Hier einige der wesentlichen Änderungen:

  • Überspannung-Schutzeinrichtungen (ÜSE) werden jetzt mit dem aus dem Englischen von „Surge Protective Device“ abgeleiteten Akronym „SPD“ bezeichnet. Die vollständige Bezeichnung lautet „Überspannungs-Schutzeinrichtung (SPD)“.
  • Es werden direkte Blitzeinschläge in die Versorgungsleitungen berücksichtigt. Der Schutz bei direkten Blitzeinschlägen in die Versorgungsleitung bedingt den Einbau von Überspannung-Schutzeinrichtungen (SPDs) vom Typ 1.
  • Bauliche Anlagen mit Explosionsrisiko (z.B. petrochemische Anlagen und Chemieanlagen) sind vom Anwendungsbereich der DIN VDE 0100-443 grundsätzlich ausgenommen.
  • Ersatzlose Streichung des Prinzips der systemeigenen Beherrschung von Überspannungen bei Anlagen, die von einem vollständig in Erde verlegten Niederspannungsnetz versorgt werden.
  • Erweiterte bzw. überarbeitete Entscheidungskriterien, wann Überspannung-Schutzeinrichtungen (SPDs) in einer Anlage installiert werden müssen.
  • Aufnahme einer neuen, vereinfachten Risikoanalyse nach DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2): Als Entscheidungskriterium für die Installation von Überspannung-Schutzeinrichtungen (SPDs) wird der errechnete Risikolevel (CRL) neu eingeführt.
  • Erweiterte Übersicht für die geforderten Bemessungs-Stoßspannungen von Betriebsmitteln für die Überspannungskategorien I bis IV um DC-Systeme bis 1.500 V.

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Autor: Ernst Schneider