Die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik schnell erklärt
Elektrischer Strom ist unsichtbar, geruchlos und lautlos. Gefahren durch elektrischen Strom werden daher oft zu spät erkannt. Damit Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen sicher an elektrischen Anlagen arbeiten können, wurden die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik festgelegt. Sie sind die Grundlage für sicheres Arbeiten und müssen immer in der vorgegebenen Reihenfolge angewendet werden.
Zuletzt aktualisiert am: 19. Februar 2026

1. Sicherheitsregel: Freischalten
An erster Stelle steht das Freischalten der elektrischen Anlage, und zwar allseitig und allpolig. Das ist notwendig, weil Spannung aus mehreren Richtungen an die Arbeitsstelle gelangen kann – zum Beispiel über Messleitungen, Rückspeisungen oder Wechselschaltungen.
Sofern möglich, sollte das Freischalten durch die an der Arbeitsstelle tätige Elektrofachkraft selbst erfolgen. Ist dies nicht möglich, muss eindeutig und nachvollziehbar sichergestellt sein, dass die Anlage freigeschaltet wurde – z.B. durch eine schriftliche Bestätigung.
2. Sicherheitsregel: Gegen Wiedereinschalten sichern
Unmittelbar nach dem Freischalten ist die Anlage gegen Wiedereinschalten zu sichern. Ziel ist es, ein unbeabsichtigtes oder unbefugtes Einschalten während der Arbeiten zuverlässig zu verhindern.
Bewährte Maßnahmen sind:
- Vorhängeschloss am Leitungsschutzschalter oder Schaltgerät anbringen
- eindeutiges Warn- oder Verbotsschild anbringen
- Sicherungen (z.B. Schmelzsicherungen) herausnehmen, diese am besten mitführen oder durch geeignete Sperrelemente ersetzen
Wichtig ist, dass Sicherungen und Kennzeichnungen eindeutig dem betreffenden Stromkreis zugeordnet sind und nicht unbeabsichtigt entfernt werden können. Zusätzliche Maßnahmen erhöhen die Sicherheit und sind insbesondere bei unübersichtlichen Anlagen empfehlenswert.
3. Sicherheitsregel: Spannungsfreiheit feststellen
Auch nach dem Freischalten und Sichern gegen Wiedereinschalten kann noch Spannung anstehen, zum Beispiel wenn eine Ersatzstromversorgung anspringt oder weil Sie eine Leitung verwechselt haben. Deshalb sollten Sie unbedingt die Spannungsfreiheit der Anlage feststellen. Dies darf nur von einer Elektrofachkraft oder einer elektrotechnisch unterwiesenen Person mit geeigneten Geräten durchgeführt werden.
Verwenden Sie dazu immer zweipolige Spannungsprüfer. Kontrollieren Sie die Spannungsprüfer vor der Verwendung und stellen Sie die Spannungsfreiheit allpolig, also an jedem Leiter, fest. Dass eine Leitung spannungsfrei ist, zeigt Ihnen der Spannungsprüfer über ein optisches oder akustisches Signal an.
Beachten Sie auch Anwendungsbeschränkungen oder andere Hinweise in der Bedienungsanleitung oder auf dem Typenschild des Spannungsprüfers. Wenn ein Gerät nicht für die Verwendung im Freien zugelassen ist, ist es dort auch nicht sicher – und kann Sie in große Gefahr bringen.
4. Sicherheitsregel: Erden und kurzschließen
Die vierte Sicherheitsregel „Erden und kurzschließen“ sollte immer in dieser Reihenfolge ausgeführt werden. Verbinden Sie die Anlage also zuerst mit der Erdungsanlage oder dem Erder, danach kommt dann das Kurzschließen.
- Bei Hochspannungsanlagen erfolgt das Erden und Kurzschließen an der Arbeitsstelle und an der Ausschaltstelle.
- Bei Niederspannungsanlagen mit einer Nennspannung bis 1.000 Volt ist das Erden und Kurzschließen nicht nötig, wenn Sie die Sicherheitsregeln 1 bis 3 eingehalten haben.
- Ausnahmen bilden Freileitungen: Hier muss das Erden und Kurzschließen erfolgen, und zwar an der Arbeitsstelle.
5. Sicherheitsregel: Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
Auch wenn Sie die Sicherheitsregeln 1 bis 4 ausgeführt haben, besteht immer noch die Gefahr, dass Sie beim Arbeiten unter Spannung stehende Teile in der Nähe ihrer Arbeitsstelle berühren – entweder direkt oder mit einer Leiter, Werkzeugen o.Ä. Um sich davor zu schützen, müssen Sie diese Teile abdecken oder abschranken.
Entscheiden Sie sich für eine Abdeckung, so müssen Sie sicherstellen, dass diese nicht verrutschen kann. Beim Schutz durch Abstand muss der Arbeitsbereich deutlich gekennzeichnet sein, zum Beispiel durch eine Absperrkette mit Warnhinweis.
Schützen Sie zusätzlich auch Ihren Körper, zum Beispiel mit einem Helm mit Gesichtsschutz oder hochisolierten Handschuhen.
Bereits die Missachtung einer Sicherheitsregel kann zum Unfall führen!
Die fünf Sicherheitsregeln sind die Grundlage für sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen.
Bereits die Missachtung einer einzigen Regel kann zu schweren oder tödlichen Stromunfällen führen.
Unfallauswertungen zeigen, dass insbesondere das Freischalten und das Feststellen der Spannungsfreiheit von entscheidender Bedeutung für die Elektrosicherheit sind.
Wer die fünf Sicherheitsregeln konsequent anwendet, schützt sich selbst und andere wirksam vor elektrischen Gefahren.
Tipps für Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen
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