12.04.2016

Recycling von Reifen: Aus Alt mach Öl!

Mit dem Bewusstsein wachsender Abhängigkeit vom Erdöl ist auch der Wunsch der Menschen gewachsen, sich davon zu lösen. Doch alle bisherigen Methoden waren entweder zu teuer oder in der Praxis nicht anwendbar. Viele kamen über das Stadium von Laborversuchen nicht hinaus.

Erstmals verspricht eine Lösung für das Recycling von Altreifen eine Art Stein der Weisen: die Thermolyse von Gummigranulaten aus Altreifen. Millionen Tonnen von Altreifen, die bislang als Ganzes vornehmlich in Zementfabriken verheizt wurden, können damit nicht nur energetisch als wiederzuverbrennendes Öl, sondern darüber hinaus wie herkömmliches Erdöl von der weiterverarbeitenden Industrie zu Feststoffderivaten veredelt werden. Altreifen – zum Verbrennen zu schade.

Vorteile der Thermolyse

Welche Vorteile bringt die Thermolyse, wie sie jetzt von dem deutsch-französischen Start-up-Unternehmen Pyrum erstmals zur Marktreife entwickelt wurde, was kostet sie und was ist bei ihrer Anwendung zu beachten?

  • „König Öl“ bekommt Konkurrenz: von Öl aus Altreifen.

  • Die Volkswirtschaften benötigen auch angesichts fallender Ölpreise Alternativen zum Erdöl.

  • Vielversprechende Entwicklungen für die Nutzung nicht fossiler Energieträger sind zu wirtschaftlicher Reife gediehen.
  • Das Aufkommen an Altreifen stellt eine bedeutende Ressource dar.
  • Den vielversprechendsten Ansatz zur Weiterverwertung von Altreifen verfolgt die Pyrum Innovations ESC GmbH in Dillingen (Saarland).

Große Ölreserven der USA

Die Reserven der USA haben sich auf zuletzt 232 Millionen Barrel erhöht. Im Dezember 2015 wurden täglich noch 9,2 Millionen Barrel pro Tag gefördert, mit weiter fallender Tendenz. Für das Gesamtjahr 2015 konstatieren die Wirtschaftsbeobachter eine weltweite Überproduktion bis zu 2 Millionen Barrel täglich.

Abhängigkeit vom Erdöl

Die Versuche, sich aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu befreien, werden immer halbherziger, je billiger das Öl wird. Der heimische PC, die Tastatur, das Telefon, die Schreibtischoberfläche, der Plastik-Kaffeebecher: Überall steckt Erdöl drin. Im Grunde findet ein Wettlauf mit der Zeit statt: Werden die Wirtschaften rechtzeitig auf die Zeiten nach dem Erdöl umgestellt oder nicht?

Nutzung nicht fossiler Energieträger

Vielversprechende Entwicklungen im Bereich der Nutzung nicht fossiler Energieträger sind landauf, landab zu wirtschaftlicher Reife gediehen, mit Vor- und Nachteilen. So sorgen bereits Fehlentwicklungen wie die überbordende Nutzung herkömmlicher Nahrungsträger des Menschen als Energieträger für eine zunehmende Abkehr der Öffentlichkeit vom Umweltgedanken der Nutzung alternativer Energieträger.

Recycling verbrauchter Altprodukte

Zumal die Idee des Recyclings vorhandener, aber abgenutzter und verbrauchter Altprodukte gewinnt in jüngster Zeit an Bedeutung. Wegen der nur mangelnden und wenig überzeugenden Anwendungsgebiete für das Recycling von Feststoffen richtet sich hierbei das Augenmerk zudem vermehrt auf die Verflüssigung von Altprodukten.

Ansätze zur Verflüssigung

Derzeit sind in Deutschland verschiedene Ansätze zur Verflüssigung diverser Einsatzstoffe zwecks Recycling und deren Entwicklungsunternehmen bekannt, wie pflanzliche Biomasse, tierische Biomasse, Klärschlamm, Kunststoffe (rein/gemischt), Altöl, Spülöl.

Einige oft genannte Verfahren der Direktverflüssigung sind pneumatische Fluidisierung, Umwandlung im rotierenden Reaktor, bioliq-Verfahren, Kontakt mit heißer Oberfläche im ablativen oder Vakuumreaktor, PERC-Prozess mit Holzmehl und aufbereitetem Produktöl, Hydrolysierung von Biomasse mit Schwefelsäure nach LBL, Verflüssigung von Biomassen unter Druck nach HTU und katalytische drucklose Verölung.

Recycling von Altreifen

Seit Anfang des Jahrzehnts rückt das Recycling eines weiteren Produkts in den Fokus der Fachwelt: Altreifen. Das Aufkommen an Altreifen in Deutschland bzw. auch Europa stellt nach Einschätzung von Fachleuten eine bedeutende Ressource dar. Insbesondere in der Automobil-, Reifen- und Gummiindustrie gebe es verstärkt Bemühungen, die in Automobilen enthaltenen Elastomeren durch Demontage und Materialrecycling zu verwerten.

Millionen Tonnen Altreifen

2012 fielen nach Angaben des Verbands der Europäischen Reifen- und Gummihersteller ETRMA in Europa 3,418 Millionen Tonnen Altreifen an. 2013 wurden 1,216 Millionen Tonnen Altreifen verwertet, entsorgt oder weiterverwendet.

Gummi, Stahl und Fasern

Altreifen lassen sich in die Bestandteile Gummi, Stahl und Fasern zerkleinern und anschließend trennen. Sie bestehen allerdings überdies aus einer Vielzahl von Einzelteilen mit unterschiedlichen chemischen und mechanischen Eigenschaften. Für Verfahren zur Verwertung von Altreifen ergeben sich aufgrund dessen und wegen ihrer Stellung und ihrer Verwertungsprodukte in der Wertschöpfungskette – nicht zuletzt in Konkurrenz zur gemeinsamen Rohstoffbasis Erdöl – besondere Anforderungen.

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Autoren: Friedrich Oehlerking (Der Buchautor und Journalist Friedrich Oehlerking ist unser Experte für Einkauf und Logistik. ),