Fachbeitrag | Organisation
27.01.2015

Wer hat hier den Hut auf?

Aufgrund meiner „minimalistischen“ Frisur bin ich leidenschaftlicher Hutträger – im Sommer als Schutz gegen die Sonne, in Frühjahr und Herbst gegen Regen und im Winter, um den Wärmeverlust über den Kopf möglichst gering zu halten. In meiner Verwaltung versuche ich jedoch, möglichst viele Hüte zu verteilen, denn damit stärke ich meine Mitarbeiter und erleichtere mir das Leben.

Bürgermeister© Thinkstock /​ iStock /​ Jakob+Wackerhausen

Was soll das denn überhaupt bedeuten?

Ob sich die Metapher „den Hut aufhaben“ aus dem bekannten Spiel „Wer hat den Hut?“ ableitet, oder ob sie aus der Zeit stammt, in der Hüte noch eine fundierte Aussagekraft über den sozialen Status eines Mannes hatten, konnte ich leider nicht recherchieren. Ich nutze dieses Bild jedoch sehr oft, um bei Projekten, Aufgaben oder Fragestellungen nach der einen Person zu fragen, die die Gesamtverantwortung dafür innehat. „Wer hat denn dabei den Hut auf?“ ist eine Frage, die meine Führungskräfte und Mitarbeiter sehr oft zu hören bekommen.

Warum ist das wichtig?

Es uns wahrscheinlich allen schon mehrfach passiert, dass bei einem Projekt etwas schiefgelaufen ist. Niemand ist perfekt, weder ich noch meine Mitarbeiter, von daher kann immer etwas danebengehen oder Probleme bereiten. Mit der Frage nach dem Hutträger geht es mir keineswegs darum, im Fall eines Scheiterns einen Schuldigen, einen Sündenbock präsentieren zu können. Es geht mir vielmehr darum, Probleme zu vermeiden und ein Scheitern zu verhindern. Wenn ich bei schwierigen Situationen, die offensichtlich hätten vermieden werden können, in die Ursachenforschung einsteige, dann ist eine Ursache sehr oft mit von der Partie: Fehlendes Verantwortungsgefühl. Jeder Mitarbeiter hat seine Teilaufgabe erledigt und war damit zufrieden. Es fehlte jedoch an einem Gesamtüberblick und einer Person, die sich für das Gesamtergebnis, unabhängig von den Teilaufgaben, verantwortlich fühlte.

Hat nicht der Bürgermeister immer den Hut auf?

Selbstverständlich sind wir als Bürgermeister am Ende eines Prozesses derjenige, der die Gesamtverantwortung zu tragen hat. Aber gerade deswegen ist es von großer Bedeutung, dass wir Verantwortung delegieren. Wir können nicht bei jedem Prozess, jedem Projekt und jeder Aufgabe den Überblick haben. Wenn wir es doch versuchen, dann verzetteln wir uns, und es fehlt uns die Zeit für eine unserer wichtigsten Aufgaben: Kreative Ideen entwickeln, um unsere Kommune zu gestalten. Deswegen brauchen wir Personen, die für einzelne Vorhaben „den Hut aufhaben“. Wir müssen wissen, wer unser Ansprechpartner zu einzelnen Themen ist, und dieser wiederum muss bei diesem Thema den Überblick haben und sich für das Resultat verantwortlich fühlen. Das kann ein wichtiger Erfolgsfaktor sein! Übrigens ist es keineswegs schädlich für unsere Autorität oder Anerkennung, wenn wir dann die Hutträger bei erfolgreichen Projekten auch öffentlich lobend erwähnen. Es zeugt von Größe, wenn man die Leistung seiner Mitarbeiter öffentlich anerkennt und zugibt, dass ein Bürgermeister kein Superheld oder Einzelkämpfer ist, sondern in seiner Leistung auch von den Leistungen seiner Mitarbeiter abhängig ist. Noch mehr Größe erfordert es, nach außen die Verantwortung für einen Misserfolg zu übernehmen, obwohl jemand anderes „den Hut aufhatte“. Dafür werden wir gewählt und vernünftig bezahlt: Fehler unserer Mitarbeiter sind letztlich unsere Fehler. Wenn wir uns daran nicht halten, sondern öffentlich Sündenböcke präsentieren, zeigt das Führungsschwäche und führt dazu, dass niemand mehr „einen Hut aufsetzen“ will. Daher bei Misserfolgen: Nach innen deutliche Worte finden und wenn nötig Konsequenzen ziehen, aber nach außen sich schützend vor die eigenen Mitarbeiter stellen. Damit zeigen Sie, dass Sie den „Gesamthut“ aufhaben, aber genug Größe haben, um „Unterhüte“ zu verteilen. Davon profitieren letztlich alle.

© Thinkstock / iStock / Jakob+Wackerhausen

Autor: Rouven Kötter (Rouven Kötter ist Autor des WEKA-Newsletters "Bürgermeister aktuell".)

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