Fachbeitrag | Information
22.05.2015

Offene Kinder- und Jugendarbeit

In vielen Kommunen wird von Zeit zu Zeit diskutiert, ob und in welchem Umfang offene Angebote für Kinder- und Jugendliche angeboten bzw. erweitert werden sollen. Dabei stellen sich neben der Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher Angebote für Bürgermeister und Gemeinderäte viele weitere Fragen. Gleichzeitig steht das Thema überraschenderweise nicht ganz oben auf der Agenda der meisten Kommunalpolitiker. Die enorme Nachfrage nach Kita-Plätzen steht politisch meist im Vordergrund. Vielfach werden Sportvereine als ausreichendes Angebot angesehen.

Kinder auf Spielplatz© gpointstudio /​ iStock /​ Thinkstock

Nachfolgend sollen einige Denkanstöße, mögliche Ansprechpartner und generelle Herangehensweisen hierzu vorgestellt werden.

Offene Kinder- und Jugendarbeit ist wichtig dafür, wie die an der Schwelle von der Kindheit zur Jugend wartenden Aufgaben, Möglichkeiten und Risiken bewältigt werden. Viele „Kids“ sind beispielsweise am Nachmittag auf sich allein gestellt. Für sie braucht es Möglichkeiten und Strukturen mit passenden sozialpädagogischen Angeboten und Maßnahmen.

Zunächst ist natürlich die bestehende Situation zu analysieren, und sind bereits vorhandene Angebote offener Kinder- und Jugendarbeit und zu sammeln. Meist gibt es auf Kreisebene schon Kinder- und Jugendförderpläne oder Jugendhilfepläne. Hieraus kann sich – wenn diese Pläne existieren und auch fortgeschrieben sind – ein erster Anhaltspunkt für den Bedarf eines Ortes ergeben. Den Plan erhält man über das Jugendamt. Im Jugendamt sitzen auch die Experten zu diesem Thema. Sie erteilen bereitwillig Auskunft und stehen auch für die Bedarfsplanung vor Ort zur Verfügung. Weitere Fachleute sind bei den freien Trägern der Jugendhilfe zu finden. Diese sind sehr häufig auch in den Kinder- und Jugendhilfeausschüssen der Kreise vertreten. Dort finden sich auch jugendpolitisch engagierte Kommunalpolitiker, die sicher weiterhelfen können.

Häufig können runde Tische mit den genannten Beteiligten sehr schnell Ansatzpunkte für sinnvolle Angebote aufzeigen. Nicht zu unterschätzen sind dabei naturgemäß allerdings die Interessen und möglichen Besitzstände der unterschiedlichen Träger.

In der Literatur kursieren Schätzungen, dass sich die Angebote im Bereich offener Kinder- und Jugendarbeit seit der Jahrtausendwende halbiert haben. Wenn Sie den Eindruck haben, dass sich die Probleme und der Förderbedarf seither auch halbiert haben, sollten Sie nicht weiterlesen.

Für den Fall, dass Sie zu einer anderen Einschätzung kommen, sind eine Bestandsaufnahme und eine Diskussion des Themas sicher sinnvoll. Fragen, wie bestehende Angebote erweitert werden müssen und wie Angebote besser verzahnt oder generell mehr publik gemacht werden können, stehen dabei auf der Agenda. Genauso wichtig ist die klare Trennung der Stoßrichtung von Angeboten wie Schulsozialarbeit oder Suchtprävention und das Zusammenspiel von stationärer, mobiler und nachgehender Jugendarbeit.

Von großer Bedeutung ist neben der Klärung der Frage, ob es sich um Pflichtaufgaben oder freiwillige Leistungen handelt, auch die Frage der Trägerschaft solcher Angebote. Dabei kann die Kommune entweder selbst tätig werden, zum Beispiel als Betreiber eines Jugendtreffs, oder sich einen freien Träger suchen. Es gibt Vor- und Nachteile bei beiden Varianten. Meist überwiegen die Vorteile einer freien Trägerschaft, da dabei leichter Personalausfall kompensiert werden kann, weniger Personalressourcen in der Verwaltung gebunden werden und vor allem auf das meist profunde Expertenwissen, die Erfahrung und professionelle Strukturen der Träger wie z.B. Supervision zurückgegriffen werden kann.

Als äußerst wichtig hat sich eine Budgetplanung für mehrere Jahre, oft auch für die gesamte Legislaturperiode, herausgestellt um Planungssicherheit auf allen Seiten zu erlangen und die für erfolgreiche Jugendarbeit nötige Kontinuität zu gewährleisten.

Ein sehr wichtiger Ansatzpunkt ist die Wahl oder Benennung eines Jugendbeauftragten im Gremium als Ansprechpartner für Jugendliche, Eltern, Jugendamt und Träger. Unabdingbar ist die volle Unterstützung des Jugendbeauftragten und des gesamten Themas durch Sie!

Autor: Dominikus Zwink (Dominikus Zwink ist Produktmanager bei WEKA MEDIA und Kommunalpolitiker.)

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