Fachbeitrag | Infrastruktur
10.12.2014

Herausforderung Internethandel

Einkaufen über das Internet ist schnell, bequem und rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr verfügbar. Von der Couch aus hat man gefühlt die gesamte Auswahl dieser Welt vor sich liegen und muss nicht bei Regen von Geschäft zu Geschäft tingeln, um ein spezielles Produkt zu finden. Was für den Konsumenten ein vermeintliches Shopping-Paradies ist, stellt gerade kleine und mittlere Kommunen vor große Herausforderungen.

Internethandel© Zinco79 /​ iStock /​ Thinkstock

E-Commerce: Fluch oder Segen?

Für die Konsumenten? Man hat eine riesige Auswahl, kann vergleichen, kauft bequem ein und schickt es notfalls zurück, wenn es nicht gefällt. Ich persönlich möchte so nicht einkaufen, da ich den Kontakt zu echten Menschen schätze und eine direkte fachlich fundierte Beratung einem Online-Chat vorziehe. Aber insgesamt kann man sagen, dass der Erfolg des E-Commerce für die Internet-affinen Kunden überwiegend Vorteile bringt. Wer gern vor Ort einkauft, wird jedoch in Zukunft Schwierigkeiten bekommen.

Für die Geschäftswelt? Das lässt sich nicht klar beantworten. Es gibt deutliche Gewinner (Amazon & Co.) und klare Verlierer (Buchhandlungen, Textileinzelhandel etc.). Kürzlich durfte ich einem Vortrag eines Professors aus dem Rheinland zu diesem Thema lauschen. Sein Fazit: In wenigen Jahren gibt es in kleineren und mittleren Kommunen außer Lebensmittelgeschäften keinen Einzelhandel mehr.

Lässt sich das aufhalten?

Der Fachmann sagt: Nein. Ich kann und will das jedoch nicht akzeptieren! Erstens sind wir Kunden diejenigen, die über die künftige Entwicklung der Unternehmen entscheiden. Auf unser Einkaufsverhalten kommt es an. Wenn wir daher alle bei unseren Einkäufen mit Sinn und Verstand handeln, wird beispielsweise der örtliche Buchhändler überleben. Aber auch als Bürgermeister einer 10.000-Einwohner-Kommune will und werde ich mich diesem Trend nicht ohne Gegenwehr ergeben. Ich möchte in meinem Ort kein völliges Aussterben der Geschäftswelt erleben.

Was kann man als Bürgermeister tun?

Bringen Sie das Thema bei Ihrem örtlichen Gewerbeverein auf die Tagesordnung! Zeigen Sie, dass Sie auf der Höhe der Zeit sind, und übernehmen Sie bei diesem Thema eine Führungsrolle. Der örtliche Handel kann nur überleben, wenn er die Trends des Internets mit den Vorteilen des stationären Handels verknüpft. Ich war kürzlich in einem Fachgeschäft für Babyartikel, weil wir einen neuen Kinderwagen benötigt haben. Wir haben uns vorher im Internet informiert und dann vor Ort den passenden Wagen ausprobiert und uns erklären lassen. Leider war das Modell nicht in unserer Wunschfarbe vorrätig. Mein Vorschlag: Wir zahlen sofort, und Sie liefern uns den Wagen nach Hause (da das Geschäft rund 25 km von unserem Wohnort entfernt liegt). Antwort: Tut uns leid. Das geht nicht. Sie müssen den Wagen schon hier abholen. WARUM??? Der Handel muss sich bewegen und auf die Bedürfnisse der bequemen Kunden eingehen. Nur dann hat er eine Chance zu überleben. Warum soll ich noch mal 25 km (einfache Strecke) zurücklegen, obwohl der Wagen bei der Internetkonkurrenz in der Wunschfarbe zum gleichen Preis sofort (versandkostenfrei) lieferbar ist? Denkbar ist beispielsweise, dass regionale Einzelhändler sich zu einer Internetplattform zusammenschließen. Dann könnten die Kunden guten Gewissens im Internet einkaufen und trotzdem das örtliche Gewerbe unterstützen. All das sind nur Denkanstöße, die noch nicht final durchdacht sind. ABER: Als Bürgermeister können Sie Führungsstärke zeigen, indem Sie diese Themen ansprechen und dafür sensibilisieren. Wir dürfen diese Entwicklung nicht tatenlos auf uns zukommen lassen. Wenn der Wind des Wandels bläst, baut der eine Mauern, der andere Windmühlen …

Autor: Rouven Kötter (Rouven Kötter ist Autor des WEKA-Newsletters "Bürgermeister aktuell".)

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