Fachbeitrag | Presse und Öffentlichkeit
11.12.2014

Fünf Zutaten für den erfolgreichen Bürgermeisterwahlkampf

Es gibt diverse Abhandlungen und Erfahrungsberichte über erfolgreiche Bürgermeisterwahlkämpfe, die sehr spezielle Szenarien beschreiben. Mittlerweile haben sich – bedingt durch langjährige Beratungspraxis – einige Theorien herausgebildet, die sich auf eine Vielzahl von Wahlkämpfen übertragen lassen. Lesen Sie hier, warum wir in der fünften Generation von Wahlkämpfen angelangt sind und welche fünf Zutaten Sie für Ihren Wahlkampf benötigen.

Bürgermeisterwahl© Wessam+Eldeeb /​ iStock /​ Thinkstock

Informations- und sachorientierte Kampagnen

Im Lauf der letzten Jahrzehnte haben sich Formen und Muster von Wahlkämpfen stark verändert. Die propagandistischen Megaphon-Wahlkämpfe der Nachkriegsjahre wurden zu Beginn der 70er-Jahre durch in erster Linie informationslastige Kampagnen abgelöst bzw. ergänzt. Das Verteilen von Flugblättern, Broschüren und Programmen, in denen politische Ziele und Wertvorstellungen in detaillierter, zumeist bleiwüstenartig anmutender Form aufgelistet wurden, galt bis in die späten 80er-Jahre hinein als zentrales Wahlkampfinstrument. Auch die ersten politischen Fernsehdiskussionen verliefen informations- und sachorientiert und ließen den auftretenden Politikern für heutige Verhältnisse unvorstellbar viel Raum, Sachzusammenhänge darzustellen und eigene Überzeugungen zum Ausdruck zu bringen.

Wahlkämpfe mit Unterhaltungswert

Bedingt durch den technischen Fortschritt und die Zunahme an Kommunikationsmöglichkeiten hat die mediale Präsentation von Politik erheblich an Bedeutung gewonnen. Diese Entwicklung lässt sich verstärkt seit Beginn der 90er-Jahre beobachten. Politische Talkshows sind gang und gäbe, der Zugriff auf Informationen ist fast überall und zu jedem Zeitpunkt möglich, die Präsenz in den sozialen Netzwerken ist ein Muss. So spielt der Unterhaltungswert einer Kampagne mittlerweile fast eine größere Rolle als die präsentierten Inhalte. Zudem werden Wahlkämpfe immer stärker an Zielgruppen und ihren Bedürfnissen ausgerichtet, außerdem werden bestimmte Themen bewusst gespielt und hochgehalten, um die politische Stimmung zu prägen. Wahlkämpfe werden mittlerweile vor allem strategisch geplant und geführt.

Orientierung spielt eine zentrale Rolle

Wenn man Menschen heutzutage fragt, was sie von Politik erwarten, dann kommt häufig eine Antwort: Orientierung. Gerade Bürgermeisterwahlen bieten einen guten Rahmen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Politik, die in den Städten und Gemeinden gemacht wird, trifft die Bürger in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Wenn es Ihnen als Amtsinhaber oder Kandidat gelingt, ein attraktives, zukunftsfähiges und gemeinsam getragenes Leitbild Ihrer Kommune zu entwickeln und mit Leben zu füllen, sind Ihre Wahlchancen hoch.

An dieser Stelle ein kurzes Zwischenfazit: die unterschiedlichen Phasen von Wahlkampfmustern, nämlich Propaganda, Information, Kommunikation, Strategie und Orientierung haben einander nicht komplett abgelöst, sondern bauen vielmehr aufeinander auf. Alle Elemente tauchen (auch) in modernen Wahlkämpfen auf, allerdings spielt die Orientierung mittlerweile die zentrale Rolle für die Wahlentscheidung.

Die Essenz für Ihren Wahlkampf

Aus den fünf Phasen von Wahlkampfmustern lassen sich fünf Rezepte für Ihren Wahlkampf ableiten.

Propaganda ist dabei keinesfalls als „Hau-drauf-Wahlkampf“ zu verstehen. Vielmehr geht es darum, neben dem eigenen Image frühzeitig ein Image des politischen Gegners zu prägen. Zielsetzung muss sein, ihn in die Defensive zu drängen, ohne ihn dabei demonstrativ bloßzustellen oder zu diskreditieren. Es gilt, Strategien zu entwickeln, die die politische Konkurrenz so beschäftigen, dass sie keine eigenen Akzente setzen kann.

Information ist heutzutage nicht mehr mit ausführlichen Programmen oder bilderlosen Flugblättern gleichzusetzen. Ein politisches Programm eignet sich nicht als zentrales Wahlkampfmittel. Die Herausforderung besteht darin, drei bis fünf zentrale Themen in den Vordergrund zu stellen und beständig zu wiederholen, sodass sie bei den Menschen ankommen. Dabei eignen sich nicht alle Themen gleichermaßen für den Wahlkampf. Suchen Sie sich die Themen aus, die Sie glaubwürdig vertreten können. Solche, bei denen Sie eine hohe Kompetenz haben, der Gegner jedoch nicht.

Die Kommunikation sollte auf einer ausführlichen Medienplanung beruhen. Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über vorhandene Medien und ihre Einsatzmöglichkeiten. Überlegen Sie dann, mit welchen Medien Sie Ihre jeweiligen Botschaften optimal platzieren können, sodass Sie möglichst viele der Zielgruppen erreichen, die Sie erreichen wollen. Außerdem sollten bei der medialen Präsentation vier Faktoren im Vordergrund stehen: Ihre Bekanntheit muss erhöht werden, Sie müssen Ihre Kompetenz unter Beweis stellen, Sie müssen als Sympathieträger wahrgenommen werden, und die Wähler müssen mobilisiert werden.

Die Strategie setzt bezüglich der Wahlkampfplanung beim Zeitpunkt an. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich empfehle keinen zweijährigen Hochdruckwahlkampf, sondern eine langfristige Planung. Ein frühzeitig konzipierter Wahlkampf bietet Raum für kreative Ideen und verhindert Stresssituationen in der wichtigen Endphase. Außerdem können auf diese Weise Höhepunkte und Zuspitzungen definiert werden, die dann zum passenden Zeitpunkt gezielt eingesetzt werden.

Die Orientierung liegt vor allem in Ihrer Hand. Bauen Sie auf Ihren persönlichen Stärken und Ihren fachlichen Qualifikationen auf. Zeichnen Sie ein wünschenswertes Zukunftsbild Ihrer Kommune und unterstreichen Sie, dass Sie der Beste sind, um es zu realisieren. Achten Sie jedoch darauf, dass dieses Zukunftsbild nicht losgelöst von den Vorstellungen und Bedürfnissen der Bevölkerung ist. Denn sonst gerät Ihr wichtigstes Plus im Wahlkampf in Mitleidenschaft: Ihre persönliche Glaubwürdigkeit!

 

Bild: © Wessam+Eldeeb/iStock/Thinkstock

Autor: Gwendolin Jungblut 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen