Fachbeitrag | Information 18.06.2015

Der Wahlkampfstand – im attraktiven Dialog mit den Bürgern

Wahlkampfstände gehören zu jedem Wahlkampf wie die (leider fast schon) obligatorischen Ballons, Kugelschreiber und Bierdeckel. Wo Dialog entstehen soll, bietet sich meist ein trauriges Bild von Verschlossenheit und Missmut. „Eigentlich wollen wir gar nicht hier sein, aber wir müssen leider“. Das strahlen nicht selten die Gesichter der Mitstreiter*innen aus. Doch das muss nicht sein. Wie Sie Ihren nächsten Wahlkampfstand attraktiv gestalten, erfahren Sie hier.

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Infostände gehören zu den Klassikern in jedem Wahlkampf: Alle Parteien veranstalten sie und mühen sich damit ab. Häufig herrscht die Anschauung vor, dass man nur Präsenz zeigen müsse, um die Menschen „wie von selbst“ an den Stand zu locken. Das ist nicht der Fall! Moderne Infostände müssen dialogisch, kommunikativ und wertschätzend angelegt werden. Nur so sind sie erfolgreich und bringen Ihnen Wählerstimmen. Welche Strategien und Tipps sich dabei besonders bewährt haben, erfahren Sie hier.

Tipp 1: Nicht verstecken!

Es begegnet mir immer wieder: Eine kleine Gruppe versteckt sich hinter einem Tresen oder einem großen (roten, schwarzen, grünen, gelben, …) Sonnenschirm. Die (implizite) Botschaft: „Herr, lass die Zeit schnell herunterlaufen, dann können wir alle wieder unversehrt nach Hause.“ Doch genau das ist falsch. Öffnen Sie Ihren Infostand, stehen Sie bestenfalls mit Material davor und seien Sie immer höflich. Laden Sie die Menschen zu einem Dialog ein und legen Sie den Stand dialogisch an: Ein großer Schuh aus Pappe, in den Farben Ihrer Partei, mit einigen leeren Zetteln wird schnell zu einer „Wo drückt der Schuh?“-Aktion. Somit bekommen Sie auch noch wertvolle inhaltliche Tipps, wo es in Ihrer Kommune derzeit „brennt“. Übernehmen Sie die Punkte unbedingt in Ihr Wahlprogramm.

Tipp 2: Immer präsent sein!

Apropos Wahlprogramm: Stehen Sie nicht erst vier Wochen vor der Wahl mit dem Stand irgendwo. Gibt es beispielweise einen Wochenmarkt in Ihrer Kommune, blockieren Sie sich einen festen Tag im Monat („der erste Samstag im Monat“) und seien Sie dann mit ihrem Stand präsent. Sie werden es erleben: Bald wird man die „Hemmungen“ Ihnen gegenüber verlieren, und der Stand wird zu einem festen Bestandteil des Markts.

Tipp 3: Location meint Zielgruppe

Wenn Sie in Ihrem Wahlkampf mit Ihrem Stand „wandern“ möchten, suchen Sie sich bestimmte Hotspots in Ihrer Kommune und bauen Sie einen Themenstand direkt vor Ort auf. Ein Beispiel: Sie möchten über die Bildungsmisere und ein mangelndes kommunales Angebot an Nachtmittagsunterricht aufklären? Prompt muss der Stand vor der örtlichen KiTa oder Schule stehen, wenn Eltern ihre Kinder abholen. So erreichen Sie Ihr Zielpublikum direkt!

Tipp 4: Emotionen zulassen!

In dem Moment, in dem Sie Ihren Stand betreiben, sind Sie als Vertreter*innen Ihrer Partei erkennbar. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen, die sich von Ihrer Partei „alleingelassen“ fühlen, den Moment nutzen, um Sie zu beschimpfen und sich zu beschweren. Lassen Sie die Emotionen Ihres Gegenübers zu, finden Sie Schnittmengen und notieren Sie sich sachlich das Vorgetragene. Lassen Sie sich aber nicht beleidigen, das hat niemand verdient.
Wenn Sie diese Tipps beherzigen, wird Ihr nächster Infostand zu einem echten Erfolg.

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)