Dach- und Fassadenbegrünung an historischen Gebäuden
Im Sommer heizen sich Altstädte besonders auf, vor allem wenn es an kühlenden Grünstrukturen und Frischluftschneisen mangelt. Zudem führt der hohe Versiegelungsgrad bei Starkregen zu großen abfließenden Wassermengen, wodurch die Kanalisation an ihre Kapazitätsgrenze stößt und das Risiko einer Überflutungsgefahr steigt. Hiervon sind insbesondere die historischen Gebäude bedroht. Sie müssen vor Beschädigungen geschützt werden, um sie als Kulturdenkmäler zu erhalten.
Zuletzt aktualisiert am: 20. Juni 2025

Aufgrund der immer stärker sich abzeichnenden Folgen des Klimawandels ist es daher wichtig, Altstädte klimagerecht und zukunftssicher anzupassen und die Lebensqualität im Zentrum der Stadt zu erhalten. Unter den verschiedenen Lösungsansätzen gilt die Gebäudebegrünung als wirkungsvolle Maßnahme zur Klimaanpassung. Der große Vorteil von Dach- und Fassadenbegrünung liegt im geringen Freiflächenbedarf, wodurch auch dicht bebaute Gebiete begrünt werden können. Die Dach- und die Fassadenbegrünung gewinnen bundesweit immer mehr an Bedeutung, denn sie bilden einen Mehrfachnutzen für die Stadt.
Die Maßnahmen zur Gebäudebegrünung können jedoch zu Konflikten mit den Interessen des Denkmalschutzes führen, deren Ziel es ist, historische Gebäude möglichst in ihrer originalen Form zu bewahren. Vorbehalte liegen unter anderem an der schädigenden Wirkung der Begrünung auf die Bausubstanz sowie an Unsicherheiten bei Pflege und Wartung bereits bestehender Gebäudebegrünungen.
Während für den Umgang mit erneuerbaren Energien im Denkmalbestand bereits Praxishinweise erarbeitet wurden, existiert bislang kein Leitfaden für die Denkmalpflege zum fachgerechten Umgang mit Dach- und Fassadenbegrünungen. Diese Wissenslücke soll nun dank eines Leitfadens geschlossen werden. Im März 2025 ist das neue DBU-Förderprojekt „Florierende Altstädte – Dach- und Fassadenbegrünung an historischen Gebäuden und Bauwerken“ gestartet. Ziel des Projekts ist die Erarbeitung eines Leitfadens sowie eines Schulungsprogramms für die Denkmalpflege zur Dach- und Fassadenbegrünung
Im Rahmen des Vorhabens werden folgende Arbeitsschritte und Methoden erarbeitet: Neben der generellen Darstellung des Interessenkonflikts zwischen Denkmalschutz und der Notwendigkeit von Klimaanpassungs- und Begrünungsmaßnahmen wird ein Vergleich zum ähnlichen Interessenkonflikt mit Klimaschutzmaßnahmen wie z.B. Solaranlagen an denkmalgeschützten Dächern und Fassaden aufgestellt. Hinzu kommt die Recherche historischer Bezüge der Dach- und Fassadenbegrünung in unterschiedlichen Epochen und Baustilen wie Spalierobst an Bauernhäusern. Bundesweit erfolgt eine umfassende Aufarbeitung von Beispielen zur Dach- und Fassadenbegrünung an denkmalgeschützten und historischen Gebäuden und Bauwerken. Dabei sollen auch Negativbeispiele und Misserfolge ausgewertet werden.
Der Leitfaden enthält darüber hinaus eine detaillierte Betrachtung der Kombination unterschiedlicher Fassadenstrukturen und -materialien mit Kletterhilfen und Pflanzenarten sowie die Vorstellung geeigneter Begrünungssysteme für historische Gebäude. Er zeigt eine Auswahl internationaler, insbesondere europäischer Beispiele zur Dach- und Fassadenbegrünung an denkmalgeschützten und historischen Gebäuden und Bauwerken mit dem Schwerpunkt Österreich und Schweiz. Das Programm sieht zudem den Erfahrungsaustausch der zuständigen Stellen für Denkmalschutz in den Kommunen zu aktuellen Herausforderungen und beachtenswerten Aspekte bei der Begrünung historischer Gebäude vor. Hier sind Veranstaltungen wie Vorträge, Workshops und Diskussionsplattformen sowie eine Städteumfrage zu Hemmnissen und Hürden geplant.