Fachbeitrag | Information
31.08.2015

Auf gut Deutsch?

Gern wird beklagt, dass die deutsche Sprache durch englische Einflüsse malträtiert wird. Ist es um unsere Redekultur tatsächlich so schlecht bestellt? Oder ist Denglisch Ausdruck verbaler Integrationsfähigkeit? Ein Plädoyer für den entspannten Umgang mit Anglizismen.

Das Wort Englisch© Rawpixel Ltd /​ iStock /​ Thinkstock

Hand aufs Herz: Wie halten Sie es mit der Sprache? Streuen Sie auch gern mal englische Vokabeln ein, um sich besonders weltmännisch und open-minded zu geben? Oder gehören Sie zu der Fraktion, die dem Deutschen am liebsten ein Reinheitsgebot verpassen würde?
Tatsache ist: Sprachpantscher sind die meisten von uns. Wer stört sich heute noch daran, wenn die Verwaltung zu einem Workshop einlädt, der Bürgermeister ein Statement abgibt oder eine Hotline eingerichtet wird? Sorry, aber bestimmte Anglizismen gehören schon so selbstverständlich zu unserem Sprachschatz, dass kaum noch jemand daran Anstoß nimmt.

Lebendiger Organismus

Genau das zeugt von der Veränderungskraft der Sprache. Wir gemeinden fremdsprachige Begriffe ein, lassen dafür andere in der Versenkung verschwinden und bilden noch dazu ständig neue sprachliche Kreationen. Nicht umsonst streicht der DUDEN bei jeder Neuauflage etliche Wörter aus seinem Repertoire und fügt zugleich zahlreiche Neuschöpfungen hinzu. Sprache ist ein lebendiges System; das macht den Umgang mit ihr ja gerade so spannend.
Muss man deshalb jede Mode mitmachen? No way. Keineswegs. Sprache soll natürlich zu ihrem Benutzer passen. Nichts wirkt alberner als ein bodenständiger, heimatverbundener Politiker, der im Rat plötzlich Commitment einfordert oder von seinen Kommunalbeamten mehr Spirit verlangt. Schließlich sind Sie kein Unternehmensberater, sondern Gemeindeoberhaupt. Und auch die meisten Bürger wünschen sich ihren Verwaltungschef vermutlich eher patent und zupackend – und nicht etwa hands-on.

Cool bleiben!

Auf der anderen Seite soll sich ein Bürgermeister dem Zeitgeist nicht gänzlich verschließen – und das gilt auch für die Art zu reden. Sie wollen ja schließlich auch von den Digital Natives Ihrer Gemeinde verstanden werden. Und was ein Smartphone ist oder wofür chillen steht, weiß inzwischen selbst die Großelterngeneration. Vieles lässt sich auf Deutsch wunderbar ausdrücken. Aber in Zeiten digitaler Kommunikation und globaler Vernetzung stellt eben auch unsere Sprache ihre Integrationskraft unter Beweis und bereichert unseren Wortschatz. Wie so oft im Leben gilt auch hier: Immer schön gelassen bleiben – oder kurz: relax!

Wie halten Sie persönlich es mit englischen Färbungen der deutschen Sprache? Verwenden Sie Anglizismen – oder meiden Sie sie? Schreiben Sie der Autorin unter post@nicola-karnick.de.

Autor: Nicola Karnick 

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