25.09.2017

Zweiter Rettungsweg versus Baumbestand

Der zweite Rettungsweg wird in Städten immer stärker durch Straßenbäume behindert. Die Stadt Berlin hat sich dieses Problems jetzt in in einer neuen Regelung angenommen – und erschwert damit die Rettung über Feuerwehrleitern.

Zweiter Rettungsweg

Bäume an Straßen, Plätzen und Gehwegen machen eine Stadt zwar lebendig und lebenswert, behindern allerdings auch Rettungsaktionen der Feuerwehr und den zweiten Rettungsweg –  heute sogar mehr als früher. Denn früher schnitten die verantwortlichen Ämter die Bäume zurück, wenn sie den zweiten Rettungsweg zu blockieren drohten. Das geschieht heutzutage kaum noch – den Städten fehlt schlicht das Personal. Das kann Rettungsaktionen durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr enorm verzögern. Im Extremfall müssen störende Äste oder gar der ganze Baum gefällt werden.

Infokasten: Erster und zweiter Rettungsweg

Die Forderung nach zwei voneinander unabhängigen bauaufsichtlichen Rettungswegen geht davon aus, dass bei einer Notsituation einer der beiden Rettungswege ausfallen kann.

  • Der erste Rettungsweg muss immer baulich hergestellt werden, z.B. über einen Ausgang ins Freie im Erdgeschoss oder Treppen in Geschossen, die nicht zu ebener Erde liegen.
  • Der zweite Rettungsweg kann entweder ebenfalls ein baulicher Rettungsweg sein (z.B. bei Sonderbauten) oder über Geräte der Feuerwehr (Leitern etc.) führen.

Mehr dazu lesen Sie in diesem Beitrag über Flucht- und Rettungswege.

Regelung der Stadt Berlin: Baumbestand hat Vorrang

In Berlin hat sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen des Problems zumindest bei Neubauten angenommen. Sie hat eine Regelung erlassen, wonach Straßenbäume grundsätzlich nicht zurückgeschnitten oder gefällt werden dürfen, um den zweiten Rettungsweg für den Neubau über Leitern der Feuerwehr zu ermöglichen. Die Regelung gilt für Neubauten in Baulücken im innerstädtischen Bereich und u.a. auch für Dachgeschossausbauten.

In diesen Fällen muss der zweite Rettungsweg also baulich hergestellt werden. Alternativ reicht gemäß § 33 Abs. 2 der Bauordnung für Berlin ein baulicher Rettungsweg, der als Sicherheitstreppenraum auszuführen ist. Für Sicherheitstreppenräume in Wohngebäuden existiert in Berlin eine gesonderte Ausführungsvorschrift. Es ist also wichtig, bereits in der Planungsphase eines Bauvorhabens den Straßenbaumstand zu berücksichtigen.

Ausnahme: Zweiter Rettungsweg bei preiswertem Wohnungsbau

Eine Ausnahme gilt für Gebäude, die in vorhandenen Baulücken entstehen und die sich dem preiswerten Wohnungsbau verschrieben haben. Hier sollen die Bezirke im Einzelfall durch einen Rückschnitt der Bäume den zweiten Rettungsweg über Leitern der Feuerwehr sicherstellen. Der Bauherr muss den Rückschnitt gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 2 der Baumschutzverordnung beantragen und damit begründen, dass sonst die Realisierung des preiswerten Wohnungsbaus nur unter unzumutbar hohen Kosten möglich ist.

Autor: Reimund Roß