08.11.2017

Häufige Fragen zum Fluchtweg nach ASR A2.3 und die Antworten

Schnell und sicher aus der Gefahrenzone: Ziel der ASR A2.3 ist das Einrichten und Betreiben von Fluchtwegen, Rettungswegen, Notausgängen sowie der Flucht- und Rettungspläne. Wer jetzt aber vor der Aufgabe steht, einen Fluchtweg zu überprüfen oder die Pläne anzupassen, stellt sich in der Regel eine ganze Reihe von Fragen. Denn Möglichkeiten gibt es viele und gerade hier, wo Menschenleben auf dem Spiel stehen, darf kein Fehler passieren.

Fluchtweg nach ASR A2.3

Bei der ASR A2.3 Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan geht es um die Selbstrettung der Beschäftigten aus der Arbeitsstätte. Wichtig dabei: Den Fluchtweg im Sinne des Arbeitsschutzrechts müssen sie immer selbständig begehen können. Rettungswege mit Anleiterstelle zur Rettung durch die Feuerwehr, wie sie im Bauordnungsrecht geregelt sind, zählen also nicht als Fluchtweg nach Arbeitsschutzrecht.

Wo beginnt und wo endet ein Fluchtweg?

Ein Fluchtweg beginnt immer am entferntesten Aufenthaltsort, den ein Beschäftigter im Rahmen seiner Arbeiten betreten kann. Also z. B. im Lager „ganz hinten links“ und nicht vorn neben dem Eingang, wo Computer und Tresen stehen.

Ein Fluchtweg endet an einem Notausgang, der unmittelbar ins Freie führt. Ist dies nicht möglich, z. B. in einem mehrgeschossigen Gebäude, muss er in einen gesicherten Bereich führen. Also z. B. hinter eine Brandschutztür (d. h. anderer Brandabschnitt) in ein Treppenhaus, wo sich die Beschäftigten vorübergehend vor einer unmittelbaren Gefahr für Leben und Gesundheit geschützt aufhalten können.

Wie lang die Strecke zwischen Anfang und Ende eines Fluchtwegs sein darf, darüber macht die ASR A.2.3 konkrete Angaben:

a) für Räume, ausgenommen Räume nach b) bis f) bis zu 35 m
b) für brandgefährdete Räume mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen bis zu 35 m
c) für brandgefährdete Räume ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen bis zu 25 m
d) für giftstoffgefährdete Räume bis zu 20 m
e) für explosionsgefährdete Räume, ausgenommen Räume nach f) bis zu 20 m
f) für explosivstoffgefährdete Räume bis zu 10 m

Brauchen wir einen zweiten Fluchtweg?

Das kommt einzig und allein darauf an, was die Gefährdungsbeurteilung ergeben hat. In der ASR ist ein zweiter Fluchtweg nicht vorgeschrieben.

Müssen Türen zwingend nach außen/draußen aufgehen?

Es muss hier unterschieden werden zwischen

  • Türen in Notausgängen,
  • Nottüren oder Paniktüren, die in der Regel alarmgesichert sind und ausschließlich im Ernstfall benutzt werden dürfen und
  • Türen im Verlauf von Fluchtwegen.

Bei Türen in Notausgängen ist aus verschiedenen Gründen eine generelle Öffnungsrichtung nach außen in der Praxis nicht immer möglich bzw. nicht sinnvoll. So kann beispielsweise bei kleinen Ladengeschäften das Öffnen der Eingangstür nach außen in einen stark begangenen schmalen Verkehrsweg einer Einkaufspassage zu einer höheren Gefährdung bei der normalen Nutzung führen.

Sofern der Arbeitgeber eine Öffnungsrichtung nach innen wählt, muss er dafür eine Gefährdungsbeurteilung und die ggf. nötigen Maßnahmen ausführen. Auch muss er bei der zuständigen Behörde eine Ausnahmegenehmigung nach § 3a Abs. 3 ArbStättV beantragen.

Bei Nottüren muss die Öffnungsrichtung immer nach außen sein, Ausnahmen sind in keinem Fall möglich.

Bei Türen im Verlauf von Fluchtwegen muss der Arbeitgeber grundsätzlich eine Öffnung der Türen in Fluchtrichtung anstreben. Abhängig vom Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist jedoch die Öffnungsrichtung im Einzelfall von der örtlichen und betrieblichen Situation abhängig.

Die folgende Tabelle fasst diese Regelungen noch einmal zusammen:

Türen in Notausgängen Öffnungsrichtung nach außen Ausnahmen erlaubt
Nottüren Öffnungsrichtung nach außen Keine Ausnahmen erlaubt
Türen im Verlauf von Fluchtwegen Öffnung in Fluchtrichtung Ausnahmen erlaubt

Brauchen wir ein Sicherheitsleitsystem?

Bei einer erhöhten Gefährdung, z.B. in komplexen Gebäuden oder bei Anwesenheit vieler ortsunkundiger bzw. mobilitätseingeschränkter Personen, sind Sicherheitsleitsysteme von Vorteil. Im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist dies festzustellen.

Sicherheitsleitsysteme können grundsätzlich durch optische, akustische oder auch taktile Signale realisiert werden.

Wann muss es eine Sicherheitsbeleuchtung für meinen Fluchtweg geben?

Klare Antwort: Immer dann, wenn bei Ausfall der Beleuchtung ein gefahrloses Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet ist. Die flüchtenden Personen müssen in der Lage sein, sich zu orientieren, die Einrichtungen zur Brandbekämpfung zu finden und zu benutzen und sich gefahrlos vorwärtszubewegen.

Grundsätzlich sind also alle Arbeitsstätten mit künstlicher Beleuchtung betroffen. Aber auch Arbeitsbereiche, die aus technischen bzw. technologischen Gründen dunkel sein müssen (z. B. Fotolabor) oder wo besondere Gefahren bestehen.

Eine Sicherheitsbeleuchtung brauchen auch Sozialräume ohne Tageslicht wie fensterlose Toiletten-, Wasch-, Umkleide-, Pausen-, Bereitschafts- oder Waschräume.

Was sollten wir bei der Gestaltung von Flucht- und Rettungsplänen beachten?

Am besten ist es, sich an die ASR A2.3 zu halten, die den aktuellen Stand der Technik zur Gestaltung der Flucht- und Rettungspläne in Arbeitsstätten enthält. Bei bestimmungsgemäßer Verwendung dieser Pläne kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass er die Arbeitsstättenverordnung einhält.

Flucht- und Rettungsplan
Beispiel für einen Flucht- und Rettungsplan

Wichtig ist, die Pläne und Zeichen im gesamten Betrieb einheitlich einzusetzen und nicht parallel noch die alten Pläne und Zeichen zu verwenden!

Tipp

Flucht- und Rettungspläne können Sie ganz einfach und ohne externe Kosten selbst erstellen mit der Software Feuerwehr- Flucht- und Rettungspläne. Das Programm führt Sie in nur 3 Schritten hin zum fertigen Flucht- und Rettungsplan nach ASR A2.3. Die Bedienung ist dabei denkbar einfach gehalten. Sie brauchen keinerlei Vorkenntnisse, deshalb finden sich auch Einsteiger spielend zurecht. Nützliche Mustervorlagen sowie eine umfangreiche Symbole-Datenbank inklusive.

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Autoren: Dr. Kersten Bux , WEKA Redaktion