08.05.2017

Suchtmittel weiterhin stark verbreitet

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) stellte im April 2017 ihren neuen Jahresbericht vor. In ihm wird u.a. der Verbrauch von Alkohol, Tabak und Psychopharmaka in Deutschland wiedergegeben. Keineswegs kann von einer „leichten Entwarnung“ beim Konsum dieser Suchtmittel gesprochen werden.

Tabeletten

Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)

Die Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) gibt allen in der Suchtkrankenhilfe bundesweit tätigen Verbänden und gemeinnützigen Vereinen eine Plattform. Mit wenigen Ausnahmen sind sämtliche Träger der ambulanten Beratung und Behandlung, der stationären Versorgung und der Selbsthilfe in der DHS vertreten.

Aus dem umfangreichen Jahresbericht möchten wir auszugsweise einen kleinen Überblick geben:

Alkohol

Nach den Ergebnissen repräsentativer Umfragen und Hochrechnungen des Statistischen Bundesamts sind insgesamt 3,38 Mio. Erwachsene in Deutschland von einer alkoholbezogenen Störung in den letzten 12 Monaten betroffen (Missbrauch: 1,61 Mio.; Abhängigkeit: 1,77 Mio.). 74.000 Todesfälle werden jährlich durch Alkoholkonsum oder den kombinierten Konsum von Tabak und Alkohol verursacht.

Die Diagnose „psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“ wurde im Jahr 2015 mit 326.971 Behandlungsfällen als zweithäufigste Einzeldiagnose in Krankenhäusern gestellt. Bei Männern war dies die häufigste Hauptdiagnose in Krankenhäusern (238.747 Behandlungsfälle). Auch die Zahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 2015 aufgrund eines akuten Alkoholmissbrauchs in Krankenhäusern stationär behandelt wurden, ist weiterhin hoch: Mit 21.907 Patienten zwischen 10 und 19 Jahren lag die Zahl nur 2,2 % unter dem Vorjahreswert. Im Vergleich zur Behandlungszahl des Jahres 2000 (ca. 9.500 Behandlungsfälle) entspricht das immerhin einer Steigerung von 130,3 %.

Eine aktuelle Untersuchung beziffert die direkten und indirekten Kosten des Alkoholkonsums in Deutschland auf rund 40 Mrd. Euro. Dem stehen Einnahmen des Staates aus alkoholbezogenen Steuern von nur 3,191 Mrd. Euro (2015) gegenüber.

Tabakgenuss

Der Verbrauch von Zigaretten und von Feinschnitt hat 2016 abgenommen: Es wurden in Deutschland 75.016 Millionen Zigaretten konsumiert. Im Vergleich zu 81.267 Millionen Stück im Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um 7,7 %.

Der Feinschnittverbrauch sank um 1,1 % – von 25.470 Tonnen auf 24.188 Tonnen. Angestiegen ist dagegen der Konsum von Zigarren und Zigarillos auf 3.049 Millionen Stück (im Vorjahr 2.956 Millionen; Anstieg um 3,2 %). Außerordentlich stark zugenommen hat der Konsum von Pfeifentabak: um 45,6 % von 1.732 Tonnen im Jahr 2015 auf 2.521 Tonnen in 2016.

Im Jahr 2013 starben rund 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das waren 13,5 % aller Todesfälle. Hinzu kommen schätzungsweise 3.300 Todesfälle durch Passivrauchen.

Die durch das Rauchen entstandenen Kosten belaufen sich in Deutschland jährlich auf 79,09 Mrd. Euro; davon sind 25,41 Mrd. Euro direkte Kosten (z.B. für die Behandlung tabakbedingter Krankheiten, Arzneimittel) und 53,7 Mrd. Euro indirekte Kosten (z.B. durch Produktivitätsausfälle).

Psychotrope Medikamente

4 bis 5 % aller verordneten Arzneimittel besitzen ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, darunter vor allem die Schlaf- und Beruhigungsmittel mit Wirkstoffen aus der Familie der Benzodiazepine und der Benzodiazepinrezeptoragonisten. In den letzten Jahren sind die Verordnungen dieser Mittel im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zwar zurückgegangen, der Anteil der privat verordneten Mittel hat allerdings zugenommen.

Im Jahre 2015 wurden in der Bundesrepublik Deutschland rund 1,47 Mrd. Arzneimittelpackungen verkauft. Das entspricht einem Anstieg um 3 % gegenüber dem Vorjahr. Die Hälfte der Arzneimittel, die in den Apotheken abgegeben wurden, nämlich 735 Mio. Packungen, ist nicht rezeptpflichtig. Die übrigen 50 % bzw. 734 Mio. Arzneimittelpackungen sind nur gegen Vorlage eines Rezepts erhältlich. Hier entspricht der Anstieg gegenüber dem Vorjahr 1 %.

Der Gesamtumsatz der pharmazeutischen Hersteller betrug etwa 30,4 Mrd. € (+4,2 % gegenüber dem Vorjahr), der Umsatz in Apotheken 50,2 Mrd. Euro. Größter Einzelmarkt ist der Markt der GKV. Im Jahr 2015 wurden hier 35,5 Mrd. € (+4,3 % gegenüber dem Vorjahr) für rund 657 Mio. verordnete (Fertig-Arzneimittel (+1 % gegenüber dem Vorjahr) ausgegeben.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)