03.08.2017

Suchtprävention: Das kann der Betriebsrat tun

Die Arbeitsbelastung wird für viele Kollegen seit Jahren immer größer: Eine zu dünne Personaldecke, sich schnell verändernde Aufgaben, digitalisierte Arbeitsbedingungen – das alles führt vermehrt zu psychischen Belastungen. Somit greifen einige Kollegen zu Suchtmitteln im fatalen Irrtum, auf diese Weise besser mit dem Stress fertigzuwerden.

Betriebsrat Suchtprävention

Geschäftsführung Betriebsrat. Unternehmen stehen in der Verantwortung, vorbeugend etwas gegen die Sucht am Arbeitsplatz zu unternehmen. Ein Suchtpräventionsprogramm bietet dazu die optimale Möglichkeit. Es schafft den organisatorischen Rahmen, um Maßnahmen der Suchthilfe und der Suchtprävention in ein betriebliches Gesundheitsmanagement einzubetten. Die Maßnahmen werden zudem mit dem Arbeitsschutz und der Gesundheitsförderung verknüpft und eine Schnittstelle zu Personal– und Organisationsentwicklung wird geschaffen.

Die Suchtprävention hat mehrere Ebenen

Zu einer Suchtprävention gehören Primär-, Sekundär, und Tertiärprävention (Krankheitsvorbeugung, Früherkennung und Nachsorge). Zur Primärprävention gehören beispielsweise:

  • Informations- und Aufklärungsveranstaltungen
  • Veränderung der Konsumkultur im Betrieb (zum Beispiel kein Verkauf von Suchtmitteln)
  • Abbau physischer und psychischer Belastungen am Arbeitsplatz

Das Ziel der Primärprävention ist es, Auffälligkeiten so früh wie möglich anzusprechen.

Kehren Sie nichts unter den Teppich

Wenn ein Beschäftigter während der Arbeit unter Einfluss von Suchtmitteln steht, ist es höchste Zeit für eine Ansprache. Wichtig ist eine direkte Ansprache: Verschweigen oder verdecken Sie nichts. Besprechen Sie mögliche Maßnahmen und legen Sie Ziele, Fahrplan und Regeln fest. Wichtig ist dabei, wirklich auf die Einhaltung der vereinbarten Regeln zu achten. Außerdem sollten Sie auf die Konsequenzen bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes hinweisen.

Hinweis

Wenn der Suchtkranke bereit ist, eine Therapie zu machen, ist das der erste Schritt in die richtige Richtung. Weigert er sich jedoch, bleibt auf lange Sicht dem Arbeitgeber oft keine andere Möglichkeit als die Kündigung. Kleinere Betriebe, die nicht die Möglichkeit haben, ausreichend für Suchtprävention zu sorgen, können sich an öffentliche Beratungsstellen wenden, wie zum Beispiel die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. Eine andere Möglichkeit ist eine Kooperation mit anderen Betrieben.

Nach einer Therapie brauchen die Kollegen Sie besonders

Wenn die betroffene Person, nach erfolgreicher Beendigung einer Therapie, wieder zum Unternehmen zurückkommt, sind zwei Dinge zur Wiedereingliederung zu beachten:

  • die Unterstützung des Betroffenen und
  • die Unterstützung des kollegialen Arbeitsumfeldes.

Bereiten Sie Gespräche mit Betroffenen gut vor

Gespräche mit alkoholkranken Kollegen sind in der Regel besonders schwierig. Das liegt zum einen an dem Gesprächsverhalten des Alkoholkranken. Zum anderen daran, dass im Gespräch vonseiten des Vorgesetzten gleichzeitig Hilfsbereitschaft und Interesse wie auch die Fähigkeit zur Konfrontation gefordert sind. Es ist deshalb sehr wichtig, sich gut vorzubereiten und sich dabei einige Stichworte als Gedächtnisstütze zu notieren.

Expertentipp

Kleinere Betriebe, die nicht die Möglichkeit haben, ausreichend für Suchtprävention zu sorgen, können sich an öffentliche Beratungsstellen wenden, wie zum Beispiel die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. Eine andere Möglichkeit ist eine Kooperation mit anderen Betrieben.

Geeignete Fragen für das Erstgespräch

Folgende Fragen sollten Sie sich vor dem Gespräch stellen:

  1. Was wollen Sie in dem Gespräch erreichen?
  2. Welche Punkte wollen Sie unbedingt ansprechen?
  3. Wie wollen Sie das Gespräch beginnen?
  4. Wie wird der Kollege vermutlich reagieren?
  5. Wie können Sie sich verhalten, damit es nicht zu einem Schlagabtausch kommt, Sie sich aber auch nicht einwickeln lassen?

Mit dieser Checkliste können Sie sich auf ein Gespräch mit einem Suchtgefährdeten vorbereiten.

 

Empfehlung der Redaktion

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Autor: Silke Rohde (ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin des Fachmagazins Betriebsrat KOMPAKT.)