Fachbeitrag | Betriebliches Gesundheitsmanagement
20.04.2016

Betriebliches Gesundheitsmanagement: 8 Fragen und Antworten

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement hebt den Arbeits- und Gesundheitsschutz auf ein neues Niveau: es umfasst sowohl die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer als auch deren Verhalten und versucht ein sich selbst optimierendes System zu entwickeln, das die Gefährdungen der Arbeitnehmer minimiert.

Betriebliches Gesundheitsmanagement© contrastwerkstatt /​ fotolia.com
  1. Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)?
  2. Was sind wichtige Themen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements?
  3. Wie wird das Betriebliche Gesundheitsmanagement organisiert?
  4. Was sind die wesentlichen Schritte bei der Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements?
  5. Was sind die gesetzlichen Grundlagen für den Betrieblichen Gesundheitsschutz?
  6. Welche Mitbestimmungsrechte hat der Betriebsrat beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement?
  7. Welche datenschutzrechtlichen Bestimmungen gibt es beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement?
  8. Welche Trends sind im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagement abzusehen?

 

1. Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)?

Gesundheit ist viel mehr als nicht krank zu sein. Es gilt, alle gesundheitlichen Gefährdungen so weit wie möglich zu minimieren und Vorsorge dafür zu treffen, dass Arbeitnehmer gesund bleiben. Deshalb interessiert sich das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) nicht nur für gesunde Arbeitsplätze, sondern auch für einen insgesamt gesundheitsförderlichen Arbeits- und Lebensstil der Beschäftigten. Zielgerichtet sollen gesundheitsförderliche Maßnahmen und Prozesse integriert und gesteuert werden.

 

2. Was sind wichtige Themen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements?

Das BGM teilt sich in fünf Teilbereiche:

  • Personal- und Organisationsentwicklung (POE)
  • Fehlzeitenmanagement (FZM)
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz (AS)
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
  • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)

Vor allem das Fehlzeitenmanagement, die Betriebliche Gesundheitsförderung und der Arbeits- und Gesundheitsschutz sind präventiv ausgerichtet, d.h. alle Beteiligten versuchen zu vermeiden, dass es zu Unfällen und Erkrankungen kommt.

 

3. Wie wird das Betriebliche Gesundheitsmanagement organisiert?

Für das BGM wird meist eine Steuerungsgruppe mit der Personalabteilung, dem Betriebsrat, dem Betriebsarzt und dem Beauftragten für Arbeitssicherheit initiiert. Wichtige Prinzipien der Organisation sind:

  • Integration: Bei allen Entscheidungen im Betrieb wird das Thema Gesundheit bereits mitgedacht.
  • Partizipation: Am Prozess der Gesundheitsförderung werden möglichst alle Arbeitnehmer beteiligt.
  • Individualität: Alle Maßnahmen sind auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zugeschnitten und werden kontinuierlich hinterfragt und evaluiert.
  • Ganzheitlichkeit: Das BGM setzt sowohl beim Verhalten der Arbeitnehmer als auch bei den Arbeitsbedingungen an.

 

4. Was sind die wesentlichen Schritte bei der Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements?

Die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements endet mit der Evaluierung und dem gleichzeitigen Start eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses, der die Abläufe laufend anpasst und optimiert.

  • Schritt 1: Ziele und Strategien finden und festlegen
  • Schritt 2: Strukturen schaffen
  • Schritt 3: Situation analysieren
  • Schritt 4: Feinziele festlegen
  • Schritt 5: Maßnahmen entwickeln und umsetzen
  • Schritt 6: Evaluation und ständiger Verbesserungsprozess

 

5. Was sind die gesetzlichen Grundlagen für den Betrieblichen Gesundheitsschutz?

Es gibt keine direkte gesetzliche Verpflichtung für den Arbeitgeber, ein BGM durchzuführen. Orientierung bieten das Arbeitsschutzgesetz und Rechtsverordnungen wie die Arbeitsstättenverordnung oder die Gefahrstoffverordnung. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement übernimmt dabei aus dem Arbeitsschutzgesetz die Vorgabe, dass die Abläufe und Maßnahmen als kontinuierlicher Verbesserungsprozess zu organisieren sind.

 

6. Welche Mitbestimmungsrechte hat der Betriebsrat beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Der Betriebsrat hat nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 mitzubestimmen bei „Regelungen über die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie über den Gesundheitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften oder der Unfallverhütungsvorschriften“. Dieses Mitbestimmungsrecht umfasst insbesondere die Auswahl und die Organisation der Verfahren der Gefährdungsbeurteilung (§ 5 ArbSchG). Über § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG kann der Betriebsrat auch auf die Arbeitsabläufe und die Arbeitsorganisation einwirken, weil das Arbeitsschutzrecht auch den Abbau von psychischen Fehlbelastungen fordert.

 

7. Welche datenschutzrechtlichen Bestimmungen gibt es beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Bei Gesundheitsdaten handelt es sich nach § 3 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) um besonders sensible Angaben. Sie dürfen nur zum Zweck der Verwaltung von Gesundheitsdiensten, der Gesundheitsvorsorge, der medizinischen Diagnostik, der Gesundheitsversorgung und der Behandlung erhoben werden. Die Verarbeitung der Daten darf nach § 28 Abs. 7 BDSG nur von ärztlichem Personal sowie Personen, die der Geheimhaltungspflicht unterliegen, erfolgen.

 

8. Welche Trends sind im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagement abzusehen?

Der Trend geht eindeutig zur Prävention, wie auch die Zielsetzung des Präventionsgesetzes zeigt: Man will nicht kranke Arbeitnehmer gesund machen, sondern die Gesundheit gesunder Arbeitnehmer schützen und Erkrankungen vorbeugen. Ein immer stärkerer Fokus des BGM liegt auf psychischen Gefährdungen: Durch dramatische Veränderungen der Arbeitswelt sind viel mehr Arbeitnehmer als früher psychisch erkrankt. Ursachen dafür sind unruhige Erwerbsbiografien, variable Arbeitszeiten, eine immer höhere Arbeitsdichte und die permanente Erfordernis, hinsichtlich Zeit und Ort flexibel zu sein. Auch hier will das Betriebliche Gesundheitsmanagement gegensteuern und Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen minimieren.

Autor: Redaktion Mitbestimmung

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