13.08.2018

So funktioniert professionelles Betriebliches Gesundheitsmanagement!

Fehlzeiten, nachlassende Leistung am Arbeitsplatz: Kranksein der Mitarbeiter verursacht den Unternehmen immense Kosten. Dabei wären sie zum Teil durch ein funktionierendes betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) durchaus vermeidbar.

Betriebliches Gesundheitsmanagement - BGM

Vorbeugen im Betrieb

„Vorbeugen ist besser als heilen“ – so formulierte schon vor rund 200 Jahren der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) den Grundsatz der Prävention als Baustein für die Medizin. Was für den einzelnen Menschen gilt, das gilt auch für Kollektive wie den Betrieb und das Unternehmen. Hier heißt die Methode „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (BGM) und nicht „Warten bis der Arzt kommt“.

Was sind die Grundlagen?

Die drei Grundlagen des BGM sind:

  • die gesetzliche Verpflichtung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz (ArbSchG)
  • zum betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) (§ 167 Absatz 2 SGB IX)
  • freiwillige Leistungen des Arbeitgebers zur betrieblichen Gesundheitsförderung.

Was sind Ziel und Zweck des BGM?

Das BGM geht im Wesentlichen dem Ziel nach

  • die Arbeit,
  • die Arbeitsbedingungen,
  • das betriebliche Umfeld und
  • das Verhalten der Mitarbeiter

möglichst gesundheitsfördernd auszurichten.

Betriebliches Gesundheitsmanagement will Arbeit gesünder machen und so nachhaltig Erfolg und Zufriedenheit für alle Beteiligten sichern.

->  Setzten Sie dazu auf zwei Ebenen an:

  • Bei der gesundheitsgerechten Gestaltung von Arbeitsprozessen und Arbeitsorganisation,
  • Bei der Befähigung und Motivation der Beschäftigten zu gesundheitsgerechtem Verhalten.

Wer profitiert von betrieblicher Gesundheitsförderung?

Klare Antwort – es profitieren beide, Unternehmen und Mitarbeiter! Betriebliche Gesundheitsförderung richtig umgesetzt wirkt sich nachweislich positiv auf unterschiedliche Belange aus, was Ihren Unternehmenszielen sicher entgegen kommt:

  • Es verringert den Krankenstand in Unternehmen und Betrieb.
  • Es steigert Produktion und Qualität der Arbeit.
  • Es kommt zu weniger Störungen im Betriebsablauf.

Dies führt zu

  • mehr Arbeitszufriedenheit bei den Beschäftigten,
  • geringeren Arbeitsbelastungen,
  • einer Förderung der Corporate Identity und somit der Mitarbeiterbindung,
  • größerer Kundenzufriedenheit sowie
  • verbesserter Wettbewerbsfähigkeit.

So gehen Sie vor: In sechs Schritten zum Erfolg!

Eine wichtige Grundlage für ein erfolgreiches BGM ist ein systematisches Vorgehen. In der betrieblichen Praxis hat sich das sogenannte Sechs-Schritte-Modell bewährt.

1. Schritt: Personenkreis festlegen

Hier wird zunächst eine verantwortliche Person benannt. Ihr obliegt die zentrale Organisation von Einführung und Durchführung des BGM. Sie bildet sodann einen Arbeitskreis Gesundheit. Dieser sollte aus einem Netzwerk kompetenter Helfer bestehen, die die einzelnen Maßnahmen planen und durchsetzen. Dazu gehören (je nach Betriebsgröße) interne Personen und Gremien wie:

  • Arbeitgeber
  • Betriebsrat
  • Belegschaft
  • Betriebsarzt
  • Sicherheitsbeauftragte
  • Schwerbehindertenvertreter

Auch externe Beteiligte können beratend Unterstützung leisten. Insbesondere in der Anfangsphase kann das sinnvoll sein. Wertvolle Hilfe bieten hier z. B. Berufsgenossenschaften, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Krankenkassen.

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2. Schritt: Betriebliche Situation analysieren

Das BGM beginnt mit einer umfassenden Bestandsaufnahme. Hierzu gehört für jede Abteilung des Betriebes eine Analyse bestehender Gesundheitsstörungen bei den dort beschäftigten Mitarbeitern und ihrer Ursachen. Ein Instrument dafür kann die Verwertung vorhandener Daten sein aus

  • Arbeitsplatzbegehungen,
  • Gefährdungsbeurteilungen im Rahmen der Umsetzung von Arbeitssicherheits- und Arbeitsschutzgesetzen,
  • Erhebungen zur Arbeitsunfähigkeit.

Ein geeignetes Mittel kann auch eine Mitarbeiterbefragung sein. Sie sollte aus konkretem Anlass erfolgen, basierend auf Gesprächen, Interviews oder Fragebögen. (Achten Sie darauf, Ihre Mitarbeiter im Vorfeld über Sinn und Zweck der Erhebung zu informieren. Datenschutz/Anonymisierung der Daten – beachten Sie auch diese Themen!)

3. Schritt: Ziele formulieren

Das Gesundheitsmanagement sollte für den Betrieb individuell gestaltet sein. Zu diesem Zweck müssen die jeweiligen Ziele herausgearbeitet werden wie z. B.:

  • Verringerung von Fluktuation oder Frühverrentung,
  • Verhinderung von Berufskrankheiten und Arbeitsunfällen,
  • Reduktion von Fehlzeiten,
  • weiche Ziele wie Steigerung der Motivation oder Mitarbeiterzufriedenheit,
  • Verbesserung des Betriebsklimas,
  • Verbesserung der Identifikation mit dem Betrieb.

Je nach Schwerpunkt der Zielsetzung sind sodann die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen.

4. Schritt: Maßnahmen festlegen (Verhaltens-/Verhältnisprävention)

Bei der Festlegung von Maßnahmen ist zu unterscheiden zwischen:

  • Verhalten der Mitarbeiter und
  • Verhältnissen im Betrieb.

Diese Maßnahmen gibt es im BGM:

Verhaltensprävention

Hierunter versteht man Maßnahmen, die Mitarbeiter gesundheitsschädliches Verhalten ablegen und gesundheitsfördernde Aktivitäten aufnehmen lassen, wie z. B.:

  • Nichtraucherkurse
  • Rückenschule
  • Ernährungsberatung
  • Stressbewältigungstraining
  • Grippeschutzimpfungen

Verhältnisprävention

Dazu zählen Maßnahmen, die die Verhältnisse am Arbeitsplatz oder im Betrieb verbessern, wie z. B.:

  • strikte Umsetzung von arbeitsmedizinischen Erkenntnissen
  • Einführung ergonomischer Verbesserungen
  • Änderung und Optimierung von Arbeitsstrukturen

5. Schritt: Evaluieren und Weiterentwickeln

Jede im Zuge des BGM durchgeführte Maßnahme muss auf Wirkung und Nutzen überprüft werden. Bei Nichterfolg setzt man sie ab oder entwickelt sie weiter.

Aber auch erfolgreiche Maßnahmen sollte man von Zeit zu Zeit überprüfen. Arbeitsplätze, Arbeitsinhalte und Umgebungseinflüsse sind einem stetigen Wandel unterzogen. Auch hier können Anpassungen und Weiterentwicklungen erforderlich sein.

6. Schritt: Dauerhafte Überführung in den Arbeitsalltag

Nach Beendigung der Projektphase erfolgt die dauerhafte Umsetzung in den Arbeitsalltag. Alle positiv getesteten Maßnahmen sollen in betriebliche Abläufe aber auch in den Freizeitbereich der Mitarbeiter integriert werden.

Hierbei sollte man die Bedeutung des BGM hochhalten – auf dass die Erfolge für das Unternehmen und die Mitarbeiter lange erhalten bleiben.

Was ist BEM?

BEM bedeutet „Betriebliches Eingliederungsmanagement“ und ist ein spezielles Verfahren im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Von dem Begriff „Eingliederung“ sollte man sich nicht fehlleiten lassen: Es bezieht sich auf Behinderte genauso wie auf nicht behinderte Arbeitnehmer. Auch BEM beinhaltet Vorteile für beide Seiten, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber, die nicht zu verachten sind. Wie funktioniert BEM?  Lesen Sie hierzu unseren Beitrag „Arbeitgeber jetzt zu BEM verpflichtet“!

Autor: Franz Höllriegel