05.05.2017

Droht Deutschland ein Arbeitskräftemangel?

Arbeitskräfte werden immer rarer: Selbst wenn in den nächsten Jahrzehnten 200.000 Personen pro Jahr zuwandern, sinkt das Arbeitskräfteangebot weiter und weiter. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Stellenbesetzung

Arbeitskräftemangel kein Medienhype

Zunächst hatte man den Fachkräftemangel als neuen Medienhype abgetan, dann wurden langsam Stimmen laut, zahlreiche Ausbildungsstellen seien unbesetzt.

Schließlich klagten viele Mittelständler abseits der Metropolen, keine Arbeitskräfte mehr zu bekommen. Und mittlerweile ist es auch in Städten wie München – zumindest in einigen Branchen – schwer, den passenden Stellenbewerber zu finden.

Studie „Fachkräftemangel 2016“ bestätigt Befürchtungen

So haben nach der Studie „Fachkräftemangel 2016“ des Personaldienstleisters ManpowerGroup 49 % der Unternehmen massive Probleme, offene Stellen zu besetzen. Es muss also was dran sein an diesem Fachkräftemangel.

Das bestätigt nun definitiv auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Forscher des IAB gehen davon aus, dass das Arbeitskräfteangebot (heutiger Stand: 46 Mio.) bis zum Jahr 2060 auf unter 40 Mio. sinken werde, selbst wenn in den nächsten Jahrzehnten 200.000 Menschen pro Jahr zuwandern würden.

Bei dieser Rechnung sei schon berücksichtigt, dass immer mehr Frauen und auch ältere Arbeitnehmer erwerbstätig sein werden.

Voraussagen zum drohenden Arbeitskräftemangel

Im Falle der jährlichen Zuwanderung von 200.000 Personen käme es vorübergehend noch einmal zu einer leichten Steigerung des Arbeitskräfteangebots. Und auch das Jahr 2030 wäre mit 44,5 Mio. arbeitsfähigen Personen noch in der Nähe des heutigen Niveaus.

Danach sagen die Forscher jedoch eine rapide Abnahme voraus. Um das Arbeitskräfteangebot bis 2060 auf dem heutigen Niveau zu halten, wäre eine jährliche Nettozuwanderung von 400.000 Personen erforderlich!

Aber: Wie schlimm ist ein drohender Arbeitskräftemangel tatsächlich?

Einen Aspekt lässt die Studie allerdings offen: Muss das derzeitige Arbeitskräfteniveau tatsächlich auf diesem Stand gehalten werden? Eine immer stärker fortschreitende Digitalisierung könnte immerhin den Rückgang der Arbeitskräfte ausgleichen.

Arbeitnehmer werden älter

Auch die demografische Entwicklung der Arbeitnehmer war Gegenstand der Untersuchung. Das Ergebnis liegt fast schon auf der Hand: Das Arbeitskräfteangebot wird älter. Die Zahl der Arbeitskräfte jüngeren und mittleren Alters sinke deutlich.

Waren es 2015 noch 9,5 Mio. Erwerbstätige unter 30 Jahren, so werden es 2030 nur noch 8 Mio. und 2060 rund 7,5 Mio. sein – die 200.000 Zugewanderten jährlich miteingerechnet. Bei den 30- bis 49-Jährigen soll die Zahl von 2015 (20,2 Mio.) bis 2030 auf 19,6 Mio. und schließlich bis 2060 auf 17,4 Mio. zurückgehen.

Einzig die Zahl der älteren Arbeitnehmer (50 bis 64 Jahre) wird ansteigen – aufgrund der Generation Babyboom im Jahr 2021 sogar auf 16,2 Mio. (heute 14,7 Mio.). Da aber auch diese Generation altert, gehen die Forscher von 12,1 Mio. im Jahr 2060 aus.

Was geht das uns an?

Was sollen wir mit diesen Informationen?“, werden viele von Ihnen jetzt vielleicht fragen. 2060 ist in sehr weiter Ferne, selbst 2030 ist noch nicht planbar. Das ist wohl richtig, dennoch zeigen sich schon jetzt die ersten Vorboten.

Für viele Firmen ist ein Umdenken angesagt. Betrachtet man den heutigen Stellenmarkt, so sind die meisten Unternehmen auf der Suche nach der „eierlegenden Wollmilchsau“. Der ideale Bewerber muss bereits alles können, das haargenaue Detailwissen haben und natürlich die entsprechende Berufserfahrung.

Gefragt: interne Weiterbildung im Unternehmen

Das Wissen von heute kann morgen jedoch schon veraltet sein, das bringen unsere schnelllebige Arbeitswelt und der technische Fortschritt nun mal mit sich. Auf interne Weiterbildung setzen aber nur wenige Firmen, zeigt die aktuelle Studie „Weiterbildungstrends in Deutschland 2017“ von TNS Infratest und der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD).

PRAXISTIPP

Wer händeringend versucht, Stellen zu besetzen, hat sich schon den einen oder anderen Gedanken gemacht. Digitalisierung und damit verbunden Weiterbildung, alternsgerechte Arbeitsplätze und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind nur vier Schlagworte, die in Zukunft eine große Rolle spielen werden.

Hier geht es zu den aktuellen Berichten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Hier geht es zur Studie „Weiterbildungstrends in Deutschland 2017“ auf der Homepage der Studiengemeinschaft Darmstadt.

Autor: Dr. Stephanie Kaufmann-Jirsa