02.01.2018

Betriebsrat: Leiharbeitnehmer schützen, Belegschaft stärken

Die Situation von Leiharbeitnehmern kann auch dem Betriebsrat im entleihenden Betrieb nicht gleichgültig sein. Denn wenn deren Rechte und Bedürfnisse missachtet werden können, erhöht das für den Arbeitgeber den Anreiz, Leiharbeit verstärkt einzusetzen. Wer sich als Betriebsrat also für die Rechte der Leiharbeitnehmer einsetzt, unterstützt damit gleichzeitig die regulär beschäftigten Arbeitnehmer.

Leiharbeit Strategie Betriebsrat

Geschäftsführung Betriebsrat. Laut der Studie „Arbeitsqualität in Zeitarbeitsverhältnissen“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) berichten viele Zeitarbeitsunternehmen und Entleihbetriebe von Schwierigkeiten, Personal zu finden. Dies betrifft derzeit vor allem den technischen Bereich. Daraus ergibt sich die Tendenz bisheriger Entleihbetriebe, hochqualifizierte Arbeitnehmer lieber direkt zu beschäftigen, um den langfristigen Personalbedarf zuverlässig sichern zu können. Unverändert ist die Situation aber bei den geringer qualifizierten Arbeitnehmern. Diese werden weiterhin bei Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt. Entsprechend droht eine Spaltung der Gesamtbelegschaft in besser gestellte Fachkräfte und in schlechter gestellte, „ausgeliehene“, Arbeitnehmer.

Stimmung Leiharbeiter
Quelle: BMAS. Die Befragung zeigte zwar, dass Leiharbeitnehmer häufiger Schikanen ausgesetzt sind als regulär beschäftigte Arbeitnehmer (7,2 % der Leiharbeitnehmer gegenüber 3,6 % der regulär Beschäftigten). Insgesamt jedoch sind die Leiharbeitnehmer nicht in großem Umfang von Schikane betroffen.

Wenig Qualifizierung

Diese Spaltung wird noch verschärft durch die mangelnde Qualifizierung von Leiharbeitnehmern. Denn entgegen aller Erwartungen qualifizieren Entleiherbetriebe die Leiharbeitnehmer nicht besser, um sie zu höheren Preisen verleihen können. Im Gegenteil gibt es nur eine geringe Bereitschaft, Leiharbeitnehmer fortzubilden. Warum das so ist? Laut der BMAS-Studie haben Zeitarbeitsfirmen die Befürchtung, dass sich die auf diese Weise qualifizierten Leiharbeitnehmer einen regulären Arbeitsplatz suchen. Falls nötig, werden Qualifizierungsmaßnahmen von den entleihenden Betrieben vorgenommen.

Diskriminierung durch Erkennbarkeit

Als „Integrationshemmnis“ werden äußere Anzeichen gesehen, die den Leiharbeitnehmer als solchen erkennbar machen (z.B. andere Kleidung). Hier stellten die Experten des BMAS fest, dass die Leiharbeitnehmer solche äußeren Unterschiede als stigmatisierend empfinden. Nach ihrer eigenen Wahrnehmung gehen 40 % der Leiharbeitnehmer davon aus, dass ihr Status im Einsatzbetrieb erkennbar ist. Bei den Leiharbeitnehmern ohne Schulabschluss liegt dieser Anteil mit 48 % sogar noch etwas höher. Fast die Hälfte der geringqualifizierten Zeitarbeitskräfte glaubt also, auf Anhieb als Leiharbeitnehmer erkennbar zu sein.

Keine Diskriminierung bei Arbeitsmitteln

Die zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel waren bei Leiharbeitnehmern in der Regel nicht anders als jene von Arbeitnehmern mit regulären Verträgen.

Weniger Abwechslung und Anspruch

Nach den Befragungsergebnissen bestehen wesentliche Unterschiede zwischen den Arbeitsbedingungen der Leiharbeitnehmer und den von Arbeitnehmern in regulären Beschäftigungsformen. Dies gilt für den Grad der Selbstständigkeit, für den Abwechslungsreichtum und für die Einbindung in betriebliche Arbeitsabläufe. Hinzu kommt, dass Leiharbeitnehmer häufiger körperlich anstrengende Arbeiten ausführen müssen und oftmals ihre Gesundheit beeinträchtigt sehen. Auf der anderen Seite leiden sie weniger häufig an Termindruck und übergroßer Verantwortung als ihre regulär beschäftigten Kollegen.

Hinweis

Die Studie gibt Betriebsräten wesentliche Ansatzpunkte für die Integration von Leiharbeitnehmern:

  • Mehr Qualifizierung,
  • keine Stigmatisierung durch Äußerlichkeiten oder bei den Arbeitsinhalten,
  • mehr Abwechslung,
  • höherer Anspruch bei den Arbeitsanforderungen,
  • keine Spaltung der Belegschaft in regulär beschäftigte Fachkräfte und irregulär beschäftigte, schlecht qualifizierte Leiharbeitnehmer.

 

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Autor: Martin Buttenmüller (ist Journalist und Chefredakteur des Fachmagazins Betriebsrat INTERN.)