22.11.2017

Gefährdungsbeurteilung Leitern und Tritte

Im Umgang mit Leitern und Tritten passieren immer wieder schwere Unfälle. In der Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz und Betriebssicherheitsverordnung müssen Sie daher auch die Gefährdung durch die Auswahl, Bereitstellung, und Benutzung von Leitern und Tritten beurteilen. Die folgenden 5 Punkte helfen Ihnen dabei.

Leiterunfall

Die folgenden fünf Punkte können Ihnen bei der Gefährdungsbeurteilung Leitern und Tritte helfen:

1. Sind sichere Leitern und Tritte in ausreichender Anzahl vorhanden?

Sie müssen dafür sorgen, dass Leitern und Tritte in ausreichender Anzahl am Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Ihr Ziel sollte es sein, dass die Aufstiege  nicht erst von einem anderen, weit entfernten Lagerort transportiert werden müssen. Das minimiert die Gefahr, dass aus Bequemlichkeit oder aus Zeitgründen ungeeignete Leitern und Tritte zum Einsatz kommen.

Achtung: Die verfügbaren Leitern und Tritte müssen Ihre Mitarbeiter natürlich auch noch besteigen dürfen. Eine beruflich genutzte Leiter hält in der Regel rund 50.000 Belastungszyklen ohne Beschädigungen stand. Dann hat sie das Ende ihrer geplanten Nutzungsdauer erreicht. Wie lange das dauert? Das kommt darauf an. Eine Anlegeleiter, die bei größeren Bauvorhaben als Zugangsweg für viele Arbeiter dient, sollte bereits viel früher aussortiert werden als z.B. eine Leiter, die Mitarbeiter nur bei Prüfungen und Wartungen einige Male pro Jahr begehen.

2. Sind die Leitern und Tritte für die Aufgabe geeignet?

  • Nach der DIN EN 131 dürfen Sie z.B. bei Mehrzweckleitern, die eingefahren länger als 3.000 mm sind, die Oberleiter nicht mehr separat nutzen. Informieren Sie sich über solche und ähnliche Verbote. Nutzen Sie nur Leitern, die sich auch für die Aufgabe eignen.
  • Ob die vorgesehene Leiter für die durchzuführende Arbeit genutzt werden darf, klären Sie am besten noch, bevor Sie den Arbeitsauftrag erteilen.
  • Bauart, Leiterlänge bzw. Tritthöhe, Werkstoff, Stabilität und Standsicherheit sind entsprechend der vorgesehenen Verwendung hinsichtlich der Arbeits- und Umgebungsbedingungen auszuwählen.
  • Leitern dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn die Beschäftigten beim Besteigen der Leiter und bei der Arbeit auf der Leiter jederzeit sicher stehen und sich sicher festhalten können. Wenn auf einer Leiter eine Last getragen werden muss, darf dies ein sicheres Festhalten nicht verhindern.
  • Falls diese Forderungen nicht erfüllt werden können, können Gerüste, Hubarbeitsbühnen bzw. sonstige Arbeitsbühnen zur Anwendung kommen.

3. Sind Benutzungsanleitungen  an den Leitern angebracht?

  • Die Verhaltensmaßnahmen bei der Benutzung von tragbaren Leitern ergeben sich auch aus der auf der Leiter angebrachten Benutzungsanleitung in Form von Piktogrammen.
  • Fehlt eine solche Anleitung, ist diese (z.B. beim Leiterhersteller) zu beschaffen und an der Leiter deutlich erkennbar und dauerhaft anzubringen.

4. Werden Leitern und Tritte ausreichend geprüft?

Sie müssen dafür sorgen, dass:

  • eine beauftragte Person Leitern und Tritte wiederkehrend auf ordnungsgemäßen Zustand prüft (wiederkehrende Prüfung, Sicht- und Funktionsprüfung),
  • die Intervalle der Prüfungen entsprechend den Einsatzbedingungen festgelegt werden,
  • die Ergebnisse in ein Leitern-Prüfbuch  eingetragen werden,
  • Beschäftigte betriebsfremde Leitern und Tritte vor ihrer Benutzung besonders sorgfältig auf Eignung und Beschaffenheit prüfen.

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5. Werden beschädigte Leitern und Tritte der Benutzung entzogen?

Es ist zu gewährleisten, dass

  • schadhafte Leitern und Tritte nicht benutzt werden (Unterweisung)
  • schadhafte Leitern der Benutzung entzogen und so aufbewahrt werden, dass die Weiterbenutzung bis zur sachgerechten Instandsetzung bzw. Verschrottung nicht möglich ist. (u.a. separater Aufbewahrungsplatz, zusammengekettet, markiert (rot)

Überarbeiten Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung nach der DIN EN 131

Für die Nutzer von Anlageleitern ist zum 01.01.2018 eine wichtige neue Norm in Kraft getreten. Diese macht es nötig, dass Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung überarbeiten, bzw. dass Sie Altbestände an Leitern einer Gefährdungsbeurteilung unterziehen, falls noch nicht geschehen.. Auch wenn es sich hier „nur” um eine Norm und nicht um eine gesetzliche Forderung handelt, gilt die Norm als Festschreibung des – jetzt fortentwickelten – Stands der Sicherheitstechnik. Und damit würde es als grob fahrlässiges Verhalten gelten, die Norm nicht einzuhalten – mit entsprechenden Sanktionen.

Die wichtigsten Neuerungen:

  • Standverbreiterung bei allen Anlegeleitern mit mehr als 3 m Länge
  • Unterscheidung „industrieller/beruflicher” und „privater” Nutzung. Leitern werden je nach Nutzungsart von den Herstellern unterschiedlich intensiv getestet. Die beruflich genutzte Leiter muss bei diesem Test 50.000 Belastungszyklen ohne Beschädigungen standhalten, die Leiter für den Privatanwender 10.000 Belastungszyklen.

Wenn Sie ihren Leiterbestand also weiter nutzen wollen, müssen Sie die entsprechenden Gefährdungsbeurteilungen überarbeiten. Je nach deren Ergebnis kann das Resultat von „kann so bleiben”, über „technische Nachrüstung”, „Neukauf” bis hin zu (hoffentlich nicht) „muss ganz anders geregelt werden” reichen. Prüfen Sie zum Beispiel, ob für Leitern ohne oder mit zu kurzer Standverbreiterung Nachrüstsätze erhältlich sind. Je nach zu erwartender Restnutzungszeit müssen Sie dann nachrüsten oder direkt normgerecht neu beschaffen.

Auch die TRBS 2121 und die DGUV Information 208-016 helfen Ihnen dabei, für den sicheren Einsatz von Leitern und Tritten zu sorgen.

 

Autor: Stefan Johannsen