21.09.2018

Gefährdungsanalyse und Gefährdungsbeurteilung – was ist der Unterschied?

Gefährdungsanalyse und Gefährdungsbeurteilung tauchen im komplexen Bereich Arbeitsschutz häufig auf. Immer wieder führt die Ähnlichkeit der Begriffe zu Unsicherheiten oder Verwechslungen. Meinen Sie jetzt dasselbe oder nicht? Mit diesem ultimativen Guide bleiben keine Fragen zu den Begrifflichkeiten offen.

PSA Schutzhelm mögliche Maßnahme bei Gefährdungsanalyse

Wo findet sich welcher Begriff?

Alle Gefährdungen, denen Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind, rechtzeitig zu erkennen und zu bewerten – für diesen Vorgang verwendeten die alten UVVV BGV A 6/A 7 den Begriff der „Gefährdungsanalyse“ oder „Gefährdungs- und Belastungsanalyse“. Auch heute noch greifen die Seiten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung manchmal auf diese Begriffe zurück.

Die Rechtstexte nutzen stattdessen die Begrifflichkeiten „Gefährdungsbeurteilung und Beurteilung der Arbeitsbedingungen“ (vgl. z.B. §§ 5, 6 ArbSchG; §§ 3, 6 ASiG) .

Die verwirrende Wortwahl führt natürlich zu Unsicherheiten, ob neben einer Gefährdungsbeurteilung auch eine Gefährdungsanalyse notwendig sei. Um es ganz klar zu sagen: Das ist nicht der Fall.

Gefährdungsanalyse und Gefährdungsbeurteilung beschreiben denselben Vorgang. Alle Regelungen zur Gefährdungsbeurteilung, z.B. zu den Verantwortlichen Personen oder zu den einzelnen Schritten gelten selbstredend genauso für die Gefährdungsanalyse. Mehr zum Vorgehen bei der Gefährdungsbeurteilung lesen Sie in diesem Beitrag.

Warum dieses Begriffswirrwarr?

Zurückzuführen ist das Begriffswirrwarr auf die politischen Rahmenbedingungen beim Zustandekommen des Arbeitsschutzgesetzes Mitte der 90er-Jahre. Dort wurde argumentiert, der Begriff „Analyse“ sei, insbesondere im Hinblick auf kleine und mittlere Betriebe, problematisch.

Es kann auch unterschiedliche Bedeutungszuschreibungen geben

Teilweise findet sich auch Literatur, die dem Begriff „Gefährdungsanalyse“ eine eigenständige Bedeutung zuschreibt. Wer über Gefährdungsanalysen schreibt, kann dann beispielsweise eine sehr komplexe oder detaillierte Gefährdungsbeurteilung meinen.

Aber auch das genaue Gegenteil ist möglich: „Gefährdungsanalyse“ bezieht sich dann auf einen einzigen der vielen Schritte auf dem Weg zur Gefährdungsbeurteilung. Beispielsweise schreibt die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft auf ihrer Webseite:

Die Gefährdungsanalyse ist der erste Abschnitt bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen bzw. bei einer Gefährdungsbeurteilung. http://vbg.de/wbt/kirche/daten/glossar/gefaehrdungsanalyse.html

Beachten Sie deshalb auch imer den Kontext, in dem dieses Wort fällt.

Gefährdungsanalyse und Gefahrenanalyse – nicht dasselbe

Verwechslungsgefahr besteht zudem mit dem Begriff „Gefahrenanalyse“. Gefährdungsanalyse und Gefahrenanalyse sind nicht identisch. Sie bezeichnen unterschiedliche Verfahren zur Identifizierung von Gefährdungen, die in verschiedenen Bereichen Anwendung finden.

Die Gefahrenanalyse bezieht sich nicht auf den Kontext des betrieblichen Arbeitsschutzes, sondern es handelt sich hier um ein Verfahren, nachdem Hersteller/Inverkehrbringer von Maschinen Risiken beurteilen können. Gefordert wird die Gefahrenanalyse z.B. in der

  • Maschinenrichtlinie 2006/42/EG
  • Druckgeräterichtlinie 97/23/EG.
Autor: Matthias Glawe