11.03.2019

Gefährdungsbeurteilung Gefahrstoffe: Welche Fachkunde brauchen Sie?

Nur fachkundige Personen dürfen die Gefährdungsbeurteilung Gefahrstoffe durchführen. Doch wie kann man diese Fachkunde erwerben? Das erläutert der DGUV Grundsatz 313-003.

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Wer mit Gefahrstoffen umgeht oder für deren Einsatz Verantwortung trägt, muss viel wissen und können. § 2 Abs. 16 Gefahrstoffverordnung listet die dafür nötigen Anforderungen auf:

(…) eine entsprechende Berufsausbildung, Berufserfahrung oder eine zeitnah ausgeübte entsprechende berufliche Tätigkeit sowie die Teilnahme an spezifischen Fortbildungsmaßnahmen.

Deshalb dürfen nach § 6 Abs. 11 und § 19 Abs. 4 Gefahrstoffverordnung nur fachkundige Personen die Gefährdungsbeurteilung Gefahrstoffe durchführen.

Darüber hinaus ist Fachkunde erforderlich dafür

Nähere Einzelheiten zu den erforderlichen Kenntnissen finden Sie in der TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“, insbesondere in Abschnitt 4.1.

Neuer DGUV Grundsatz zur Fachkunde für die Gefährdungsbeurteilung Gefahrstoffe

Wie können Sie sich als Mitarbeiter nun die notwendige Fachkunde aneignen? Dazu hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) im November 2018 den DGUV Grundsatz 313-003 („Grundanforderungen an spezifische Fortbildungsmaßnahmen als Bestandteil der Fachkunde zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“) veröffentlicht.

Dieser Grundsatz beschreibt die Anforderungen, denen eine Fortbildung genügen muss, damit die Teilnehmer dann Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen fachkundig beurteilen können. Dabei können Interessierte, abhängig von der Komplexität der Aufgaben und der verwendeten Hilfsmittel, eine Fortbildung mit einem geringeren Umfang gegenüber dem Standardumfang (48 Lehreinheiten) abschließen.

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„Gefahrstoffbeauftragte“ gibt es rechtlich gesehen gar nicht

In diesem Zusammenhang wird immer wieder die Frage nach der Qualifikation zum „Gefahrstoffbeauftragten“ laut, die von verschiedenen Lehrgangsträgern angeboten wird. Hierzu ist zu bemerken: Den Begriff „Gefahrstoffbeauftragter“ gibt es im Deutschen Arbeitsschutzrecht gar nicht.

Die Unfallversicherungsträger kennen lediglich den Begriff des Sicherheitsbeauftragten. Dessen Aufgaben finden sich in folgenden Regelwerken wieder:

  • § 22 des Siebten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VII)
  • § 20 der DGUV Vorschrift 1
  • Abschnitt 4.2 der DGUV Regel 100-001

Die Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten beschränken sich jedoch nicht auf den Bereich der Gefahrstoffe. Sicherheitsbeauftragte unterstützen Fachkräfte für Arbeitssicherheit in allen Fragen des Arbeitsschutzes.

Unabhängig davon kann jeder Betrieb natürlich seinen Funktionsträgern beliebige Bezeichnungen zuordnen, zum Beispiel diejenigen, die im Bereich der Gefahrstoffe Aufgaben wahrnehmen, als „Gefahrstoffbeauftragte“ bezeichnen. Das macht diese Bezeichnung jedoch noch lang nicht „offiziell“ im Sinne irgendwelcher gesetzlicher Regelungen.

 

Autor: Ulrich Welzbacher (Von Juli 1980 bis November 2006 Referatsleiter "Gefährliche Stoffe" bei der Berufsgenossenschaftlichen Zentrale für Sicherheit und Gesundheit - BGZ im Hauptverband der Gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG, heute Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - DGUV).)