Exoskelette: Warum die richtige Auswahl entscheidend ist
Die Idee ist genial und hat durchaus etwas von Science-Fiction: Um Beschäftigte bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten wie beispielsweise beim Heben schwerer Lasten oder bei Arbeiten über Kopf zu schützen und zu entlasten, können Exoskelette das menschliche Muskel-Skelett-System stärken. Was so einfach und einleuchtend klingt, wirft in der Praxis allerdings immer wieder verschiedenartigste Probleme auf. Sie lassen sich nur durch eine sorgfältige Auswahl des geeigneten Exoskeletts lösen.
Zuletzt aktualisiert am: 8. Dezember 2025

Wo und warum es beim Einsatz von Exoskeletten zu Problemen kommen kann
In der Praxis oft genannt wird etwa ein zu hohes Gewicht, das die Beschäftigten schneller ermüden lässt, die Bewegungsfreiheit einschränkt und zu verstärktem Schwitzen führen kann. Außerdem beklagen viele Anwender, dass sich im Verhältnis zum Aufwand die Belastung nur wenig reduziert. Dazu kommt dann noch der zusätzliche Zeitaufwand für das An- und Ausziehen des Exoskeletts.
Dies alles zusammen vermindert die Akzeptanz bei den Beschäftigten drastisch. Oft nutzen Beschäftigte Exoskelette auch deshalb nicht, weil diese das Arbeiten verlangsamen und deshalb die Arbeitsziele bzw. Leistungsvorgaben nicht erreicht werden können.
Wann sind Exoskelette überhaupt sinnvoll?
Diese Frage muss natürlich zuallererst beantwortet werden, bevor man sich in einen aufwendigen Auswahlprozess begibt. Eine allgemein formulierte Antwort auf diese Grundfrage könnte etwa so lauten:
Exoskelette sind vor allem dann sinnvoll, wenn belastende Bewegungen und Zwangshaltungen auftreten und sich diese nicht durch eine andere Arbeitsorganisation vermeiden oder durch weniger aufwendige technische Hilfsmittel reduzieren lassen. So können Exoskelette beispielsweise bei Rumpfbeugen oder Überkopfarbeit die Schultern entlasten.
Sind die Tätigkeiten hinsichtlich der Bewegungsabläufe und Lastgewichte sehr unterschiedlich, sind meist aktive Exoskelette hilfreich, da sich damit die Unterstützung flexibel anpassen lässt.
Handelt es sich eher um gleichbleibende Tätigkeiten mit geringer Bewegungsvariation und ähnlichen Lastgewichten, ist häufig der Einsatz passiver Exoskelette sinnvoll. Ein anderes Kriterium ist die Frage, bei welcher konkreten Tätigkeit unterstützt werden soll.
Nur die richtige Auswahl kann die Praxisprobleme lösen
Grundsätzlich sollen Exoskelette Funktionen des Muskel-Skelett-Systems unterstützen. Bei der Auswahl eines Exoskeletts ist deshalb eine der wichtigsten Fragen die nach dem Antriebsprinzip – passiv oder aktiv. Passive Exoskelette speichern die von Beschäftigten aufgebrachte Energie in elastischen Bändern oder Federn, um sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder freizugeben. Aktive Exoskelette verfügen dagegen über eine externe Energieversorgung für elektrische oder pneumatische Antriebe.
Weitere Unterscheidungen der auf dem Markt verfügbaren Exoskelette ergeben sich nach den jeweils unterstützten Körperregionen (z.B. Rücken), ihrer Gestalt (körpernah oder körperfern), ihrer Bauweise und verwendeten Materialien sowie der mechanischen bzw. biomechanischen Funktionsweise.
Das wichtigste Kriterium: die konkreten Anforderungen
Grundlage für die Auswahl eines Exoskeletts stellen die auftretenden Bewegungen und Belastungen dar. Hier ist zunächst zu prüfen, welche Körperregionen besonders betroffen sind.
Nach dem Engpassprinzip wird dann festgelegt, welche Zielregion unterstützt werden soll. Wird etwa eine Schulter besonders belastet, wird ein Exoskelett gewählt, das die Schulter gegenüber den auftretenden Belastungen unterstützt.
Vor einer eventuellen Anschaffung muss Folgendes geklärt werden:
- Eigenschaften, anhand derer die Exoskelette ausgewählt werden sollen
- Festlegung der Anforderungen (Anforderungsprofil)
- Vergleich der Eigenschaften der Exoskelette mit dem Anforderungsprofil
- Entscheidung, welches Exoskelett bzw. welche Exoskelette erprobt werden sollen
Für die Auswahl werden die Ergebnisse der Tätigkeitsanalysen mit den technischen Eigenschaften der Exoskelette abgeglichen.
So könnte Ihr Auswahlverfahren per Simulation aussehen
Für die Auswahl sind sinnvolle Verfahren zu entwickeln, mit denen die Eignung des gewählten Exoskeletts geprüft werden kann. Dazu werden die Einsatzsituation sowie die Tätigkeit, bei der das Exoskelett unterstützen soll, simuliert. Dabei können objektive Verfahren Verwendung finden, die körperliche Belastungen messen.
Neben Eigenschaften und Randbedingungen des betrieblichen Arbeitsplatzes spielt bei der Auswahl der Exoskelette auch das konkrete Arbeitsumfeld eine wichtige Rolle. Beispiele dafür sind Umwelteinflüsse (Temperatur, Feuchtigkeit), Gefahrenbereiche (Arbeiten mit Chemikalien) und räumliche Parameter (Gänge und Fluchtwege).
Für betriebliche Test- und Erprobungsphasen eignen sich subjektive Verfahren. Um ein gutes Gesamtbild zu erhalten, ist eine Kombination aus objektiven und subjektiven Verfahren anzuraten.
Außerdem muss berücksichtigt werden, dass die objektive Belastungsreduktion und das subjektive Belastungsempfinden unterschiedlich sein können. Die Erprobungen erfolgen idealerweise an den Arbeitsplätzen, bei denen die Exoskelette zum Einsatz kommen sollen, und bei den Beschäftigten, die sie nutzen sollen. Wenn diese Beschäftigten ihren Eindruck über die Eignung eines Exoskeletts rückmelden können, ist die spätere Akzeptanz erfahrungsgemäß größer.
Ist dies nicht möglich oder sinnvoll, können Arbeitsplätze auch simuliert und die Tätigkeiten von anderen Personen probeweise durchgeführt werden.
Hilfreich ist eine arbeitsmedizinische Begleitung, um frühzeitig Beschwerden wie Hautverletzungen und Reibungen zu erkennen und dies in die Entscheidung miteinzubeziehen.