25.09.2018

Betriebsanweisung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen

Nach § 14 der Gefahrstoffverordnung müssen Unternehmer, bevor sie Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben, die Betriebsanweisung erstellen und den Mitarbeitern zugänglich machen. Wie Sie dabei vorgehen, welche Informationsquellen Sie nutzen sollten und was gerade bei neuen Stoffen und Stoffkombinationen wichtig ist, lesen sie hier.

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Ihre Mitarbeiter sollten die Betriebsanweisung unbedingt kennen

Wer wissen will, wie gefährlich eigentlich ein bestimmter Stoff oder die Tätigkeit ist, die er gerade ausübt, der muss einen Blick in die entsprechende Betriebsanweisung werfen. Betriebsanweisungen beschreiben die Risiken, die von einem Arbeitsmittel oder einem Gefahrstoff für Mensch und Umwelt ausgehen. Aber sie verweisen nicht nur auf ein mögliches Worst-Case-Szenario, sondern zeigen auch auf, wie sich dieses verhindern lässt: Sie führen erforderliche Schutzmaßnahmen an, beschreiben Verhaltensregeln und Erste-Hilfe-Maßnahmen. Betriebsanweisungen sind gerade für ein sicheres Arbeiten mit Gefahrstoffen also sehr wichtig.

Deshalb müssen Arbeitgeber sicherstellen, dass ihre Belegschaft die Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe (alle anderen übrigens auch) jederzeit lesen und verstehen kann, ohne erst in zig Ordnern suchen oder ein Wörterbuch konsultieren zu müssen. Formal ausgedrückt: Arbeitnehmer müssen schnell und leicht Zugriff auf den Inhalt der Betriebsanweisungen haben.

Zwei Möglichkeiten, Tätigkeiten mit Gefahrstoffen in Betriebsanweisungen abzubilden

Ihre Mitarbeiter oder Kollegen sind nicht nur mit Gefahrstoff-Betriebsanweisungen vertraut zu machen. Sie müssen darüber hinaus die Methoden und Verfahren kennen, mit denen sie Gefahrstoffe sicher anwenden können. Diese Informationen halten Sie entweder auf Einzelbetriebsanweisungen fest oder Sie ergänzen sie in der allgemeinen Betriebsanweisung.

Zusätzliche Informationsquellen, die Sie für Mitarbeiter bereitstellen müssen

Zusätzlich zu den Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe muss allen betroffenen Beschäftigten der Zugang zum Gefahrstoffverzeichnis und zu den Sicherheitsdatenblättern ermöglicht werden. Die Sicherheitsdatenblätter ersetzen nicht die Betriebsanweisungen, jedoch können viele stoffbezogene sicherheitsrelevante Informationen aus dem Sicherheitsdatenblatt entnommen werden.

Wie Sie Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe erstellen

Verantwortlich für die Erstellung der Betriebsanweisung Gefahrstoffe ist der Arbeitgeber. Er kann diese Pflicht aber auf andere übertragen. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Betriebsarzt und andere fachkundige Personen sollten ihm dabei immer beratend zur Seite stehen.

Quellen für die Erstellung der Betriebsanweisungen

Erste Informationen zur Erstellung der Betriebsanweisung Gefahrstoffe bieten die Stoffkennzeichnungen und die entsprechenden Sicherheitsdatenblätter. Auch Stoffdatenbanken mit validen Daten sind empfehlenswert.

Um die Betriebsanweisungen zu erstellen, bieten sich also Informationen an aus:

  • Stoffkennzeichnungen
  • Sicherheitsdatenblättern
  • Stoffdatenbanken, z.B. der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA
  • Fachliteratur
  • Internetquellen

Hinweis

Erstellen Sie für besonders gefährliche Tätigkeiten mit Gefahrstoffen gesonderte Betriebsanweisungen. Dasselbe gilt für sehr gefährliche Stoffe oder für die Gefahrstoffe, deren Gefahrenmerkmale nicht zulassen, dass sie einer bestimmten Gruppe zugeschlagen werden. Gefährlich bedeutet immer: Eine Fehlbedienung für zu einer Gefährdung.

Vorsicht bei neuen Stoffen und Stoffkombinationen

Insbesondere wenn es um Forschung und Entwicklung geht, betreten Sie bei vielen Stoffen und Stoffkombinationen Neuland. Die nötigen Informationen beschaffen Sie sich am besten durch die Kommunikation mit Fachexperten, Fachliteratur und aus dem Internet. Beachten Sie außerdem: Informationen sollten von mehreren Quellen belegt sein.

Vorsicht ist geboten bei neuen Stoffen, bei denen die Eigenschaften nur unzureichend bekannt sind (akut- und chronisch-toxische sowie physikalisch-chemische Eigenschaften). In der Regel werden für die Festlegung der Schutzmaßnahmen mindestens akute giftige und ätzende und gegebenenfalls auch chronisch-toxische Wirkungen anzunehmen sein. Stoffe können brennbar oder selbstentzündlich sein und explosionsfähige Gemische bilden. Hautkontakt, Einatmen und jede andere Form der Aufnahme sind zu vermeiden. Vergleichbares gilt für nicht vollständig geprüfte Gefahrstoffe.

Für die bezogenen Chemikalien müssen Sie die Sicherheitsdatenblätter, die Informationen auf den Etiketten und Datensammlungen zur Informationsbeschaffung heranziehen.

Muster-Betriebsanweisungen als Vorlage

Die Betriebsanweisungen zu erstellen kann ganz schön viel Zeit und Nerven kosten: Inhalte wollen recherchiert, Texte geschrieben, Symbole ausgewählt werden. Leichter geht es mit Muster-Betriebsanweisungen, die zwar an individuelle Gegebenheiten angepasst werden können, wesentliche Gefahren und Schutzmaßnahmen für einen bestimmten Gefahrstoff aber bereits beispielhaft anführen. Bei WEKA MEDIA finden Sie Muster-Betriebsanweisungen zu den folgenden Stoffen im kostenlosen Download-Bereich:

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Wie Sie die Inhalte der Betriebsanweisung Gefahrstoffe unterweisen

Unterweisungen stellen sicher, dass jeder Arbeitnehmer über die Gefahren und Sicherheitsbestimmungen informiert ist, egal ob er die Betriebsanweisung oft oder selten liest. Besonders neue Arbeitnehmer, Auszubildende und Praktikanten müssen intensiv eingewiesen werden. Da Auszubildende häufig wechseln, müssen Sie hier auf mehr und personenbezogene Unterweisungen achten. Gegebenenfalls sollten automatisch wirkende Schutzmaßnahmen an die Stelle von personenbezogenen Maßnahmen treten.

Wer wie oft und wie intensiv im Umgang mit Gefahrstoffen unterwiesen werden muss, hängt ab von:

  • den verwendeten Gefahrstoffen
  • den Gefahrstoffmengen
  • den Stoffeigenschaften
  • der Art und Anzahl der Tätigkeiten
  • der Art und Anzahl der Arbeitsmittel (z.B. Apparaturen, Geräte und Anlagen)
  • der Reaktionsführung (z.B. Möglichkeit durchgehender Reaktionen, Druckaufbau)

In der Software Gefahrstoffe Unterweisen plus bieten wir Ihnen zahlreiche vorgefertigte und kompetenten Gefahrstoff-Unterweisungskurse in PowerPoint an, was Ihnen ein effektives und zeitsparendes Arbeiten ermöglicht. Einfach das gewünschte Unterweisungsthema zur Bearbeitung auswählen, auf Wunsch ein Firmenlogo einfügen und die Präsentation an Ihre betriebsspezifischen Bedürfnisse anpassen – fertig.

Wie Sie Expositionen am Arbeitsplatz minimieren

Die Bauweise von Laboren und ihre technische Ausstattung bilden die Basis für den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen. Wenn die folgenden drei Kriterien in Ihrem Labor erfüllt sind, dürfen Sie davon ausgehen, dass Sie Ihre Mitarbeiter auch keinen unzulässig hohen Expositionen aussetzen:

  • Im Labor sind fachkundige und zuverlässige Angestellte tätig.
  • Diese arbeiten nach den einschlägigen Vorschriften und dem Stand der Technik, und zwar
  • unter laborüblichen Bedingungen.

Können Sie eine erhöhte Exposition nicht ausschließen, müssen Sie dies durch geeignete Beurteilungsverfahren (z.B. Berechnungsverfahren) oder durch Messungen überprüfen. Halten Sie die DGUV Information 213-850 „Sicheres Arbeiten in Laboratorien“ ein, können Sie davon ausgehen, dass die Brand- und Explosionsgefahren wirksam reduziert sind.

Autor: Martin Feifel-Beck