07.08.2017

Warum die Beleuchtung am Arbeitsplatz so wichtig ist

„Mehr Licht!“ – Diese Forderung liegt nahe, wenn es um die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz geht. Allerdings ist es damit allein oft nicht getan. Denn mindestens ebenso wichtig ist, dass Helligkeitskontraste nicht zu hart und nicht zu stark ausfallen und dass Beschäftigte individuelle Anpassungsmöglichkeiten haben.

Die Überlegungen zur Beleuchtung am Arbeitsplatz in den Betrieben beziehen sich häufig nur auf die Lichtstärke. Darüber hinaus sind aber gute Lichtverhältnisse zur Unfallverhinderung und Gesunderhaltung notwendig.

Gefahrenquellen wie Treppenabsätze, Türschwellen oder herumliegendes Verpackungsmaterial müssen gut sichtbar sein. Deshalb sollten bei der Gestaltung eines Lichtkonzeptes auch weitergehende Maßnahmen geprüft werden.

1. Sorgen Sie für ausgeglichene Kontrastverhältnisse

Ein fahrender Gabelstapler, der sich aus einem dunklen in einen hellen Lagerbereich bewegt, kann unter Umständen von Arbeitnehmern mit verzögerter Hell-dunkel-Anpassung (z. B. Brillenträger oder Menschen mit eingeschränkter Gesichtsfeldwahrnehmung) im Übergangsbereich erst spät wahrgenommen werden.

Das führt zu einer verspäteten Reaktion und gefährdet dadurch den Betroffenen. Eine Verminderung der Kontraste kann hier Unfällen vorbeugen.

2. Lassen Sie das Tageslicht herein!

Das beste Licht zur Beleuchtung am Arbeitsplatz ist natürlich Tageslicht. Moderne Bauten lassen es nicht nur durch Fenster herein, sondern auch über Oberlichter oder Milchglasscheiben.

Ein echtes Fenster bietet aber nicht nur Licht, sondern auch Sichtkontakt nach außen und verhindert, dass sich Arbeitnehmer eingesperrt oder isoliert fühlen und dadurch eine psychische Belastung entsteht. Dieser Effekt tritt umso mehr ein, je kleiner die Räume sind.

3. Individualisieren Sie nach Möglichkeit die Lichtverhältnisse

Menschen empfinden Lichtverhältnisse individuell verschieden, außerdem ist die Sehkraft unterschiedlich. So kann es sein, dass manche Arbeitnehmer ihre Augen zu stark beanspruchen und Fehlhaltungen einnehmen, um kleinteilige Arbeiten besser durchführen und besser lesen zu können. Dies führt dann unweigerlich zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich.

Individualisieren Sie deshalb die Arbeitsplatzbeleuchtung und die konkreten Lichtverhältnisse: So gilt beispielsweise für Büroarbeitsplätze eine Lichtstärke von 500 Lux. Arbeitnehmer mit eingeschränkter Sehfähigkeit können aber bis zu 1.000 Lux als angemessen empfinden.

Hier helfen Möglichkeiten, die Lichtverhältnisse anzupassen, z. B. mit regelbaren Lampen am Arbeitsplatz und stufenlos einstellbaren Verblendungen an den Fenstern.

Lassen Sie im Rahmen der Unterweisungen auch vorführen, wie sich Helligkeit und Kontrast an den Bildschirmen einstellen lassen, damit jeder Arbeitnehmer die für ihn angenehmen Werte selbst festlegen kann.

4. Gleichen Sie Tageslichtmangel über den Tag hin aus

Manchmal kann ein ausreichender Tageslichteinfall nicht gewährleistet werden, weil zwingende betriebliche Gründe oder ein unangemessen hoher Aufwand dagegensprechen. Hier muss über Ausgleichsmaßnahmen nachgedacht werden.

So könnten Arbeitnehmer wechselnde Arbeitsplätze einnehmen. Wenn die Pausenräume kein Tageslicht bieten, sollten die Pausen auch im Freien (Überdachung als Regenschutz) oder in anderen Räumen mit Tageslicht verbracht werden können.

Hinweis: Für Bereiche, die in der ASR A3.4 nicht aufgeführt sind, ist eine „angemessene“ Beleuchtung über die Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln.

5. Argumentieren Sie (auch) mit den Arbeitgeber-Vorteilen!

Die meisten Arbeitgeber sind eher zurückhaltend, wenn es um kostenwirksame Maßnahmen für die Arbeitnehmer geht, die gesetzlich nicht vorgeschrieben sind.

Argumentieren Sie deshalb für die Einführung eines neuen Lichtkonzeptes ganz gezielt auch mit der besseren Motivation und höheren Arbeitsfreude, die besseres Licht „ganz automatisch“ mit sich bringt.

Autor: Markus Horn