15.12.2020

Beleuchtung am Arbeitsplatz: Tipps für gesundes Arbeiten

Hinsichtlich der Beleuchtung stellen sich viele Akteure im Arbeitsschutz lediglich die Frage, wie hell oder dunkel es an den jeweiligen Arbeitsplätzen sein soll. Doch Licht hat auch viele nicht visuelle Eigenschaften, die für die langfristige Gesundheit der Arbeitnehmer sehr wichtig sein können. Darüber hinaus ist die „innere Uhr“ zu beachten – auch über das Schichtende hinaus.

Die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz wirkt sich positiv auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer aus.

Künstliche Beleuchtung am Arbeitsplatz kann die innere Uhr von Arbeitnehmern stören. Wie sie sich genau auswirkt, hängt vom Lebens- und Arbeitsrhythmus der Arbeitnehmer ab. Leben diese generell nach dem Rhythmus des natürlichen Tageslichts, bleibt ihre innere Uhr auch trotz künstlicher Beleuchtung am Abend im Takt. Verbringen Arbeitnehmer aber viel Zeit an Orten ohne oder mit nur wenig Tageslicht, kann sich das künstliche Licht ungünstig auf die innere Uhr auswirken. Die Folgen: Schlafprobleme, Stress und ein gesteigertes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen.

Sorgen Sie tagsüber für gutes Licht

Wo immer also Tageslicht zur Verfügung steht, sollte es deshalb genutzt werden. Entsprechend sagt die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) über die Beleuchtung in ihrem Anhang 3, Abschnitt 3.4:

„Der Arbeitgeber darf als Arbeitsräume nur solche Räume betreiben, die möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und die eine Sichtverbindung nach außen haben.“

Wenn kein oder nur wenig Tageslicht zur Verfügung steht, sollte der Arbeitsplatz künstlich hell beleuchtet werden. Dieses Licht kann ähnliche nicht visuelle Lichtwirkungen wie Tageslicht erzielen, es jedoch nicht ersetzen.

Tipp

Bei der Arbeit an Computer, Tablet oder Smartphone bieten sich spezielle Blaulichtfilter-Programme wie Night Shift an, wenn die Arbeitsaufgabe es zulässt. Sie aktivieren sich idealerweise spätestens zwei Stunden vor dem üblichen Arbeitsende und passen die Farbtemperatur und Helligkeit des Bildschirms automatisch an.

Variable Lösungen für die Beleuchtung bei Nachtarbeit

Oft füllt auch während der Nachtarbeit die Beleuchtung einen Raum mit hellem Licht aus. Das ist sinnvoll, wenn die visuellen Anforderungen und/oder das Gefahrenpotenzial sehr hoch sind. Bei der häufig eingesetzten Beleuchtung mit hoher Farbtemperatur, die die Müdigkeit vermindern und eine Energieersparnis bringen soll, überwiegen jedoch langfristig die Nachteile für die Gesundheit.

Empfehlenswert sind dagegen Beleuchtungslösungen, die sich von den Nutzern individuell anpassen lassen:

  • Um die innere Uhr und den Tagschlaf nach der Nachtschicht möglichst wenig zu stören, muss während der Nachtarbeit helles Licht oder Licht mit hohem Blauanteil vermieden werden. Das Licht sollte in dieser Zeit primär die für die Sehaufgabe relevante Arbeitsfläche beleuchten und nicht direkt ins Auge fallen.
  • Nicht benötigte Lichtquellen sollten abgeschaltet oder gedimmt werden.
  • Wenn ein Abschalten oder Dimmen nicht möglich ist und die Arbeitsaufgabe es zulässt, sollte die Blickrichtung oder die Position des Arbeitenden so verändert werden, dass der Abstand zwischen Auge und Lichtquelle so groß wie möglich ist.

Wenn es zum Ende der Nachtschicht oder auf dem Nachhauseweg draußen bereits hell ist, kann das den anschließenden Schlaf stören. In diesen Fällen kann ein Schutz vor Tageslicht sinnvoll sein, z.B. durch Jalousien oder blaulichtreduzierende (orangefarbene) Brillen für den Heimweg.

Hinweis

Licht dient bei Arbeiten in der Nacht auch der Übersicht über das gesamte Arbeitsumfeld. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass Dunkelheit in großen Bereichen Beklommenheit oder Angst verursacht.

Wichtige rechtliche Rahmenbedingungen zur Beleuchtung am Arbeitsplatz

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG):

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Arbeitgeber, die erforderlichen Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu treffen. Da die nicht visuellen Wirkungen der Beleuchtung für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit relevant sind, müssen sie entsprechend berücksichtigt werden.

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV):

Die Arbeitsstättenverordnung konkretisiert die Gefährdungsbeurteilung – auch hinsichtlich der Beleuchtung, insbesondere im Anhang 3.4 der Verordnung. Hier findet sich seit 2016 wieder die Sichtverbindung nach außen – der Gesetzgeber misst dem Tageslicht auch in seiner nicht visuellen Wirkung eine hohe Bedeutung bei. Gefährdungen durch die nicht visuellen Wirkungen von Licht müssen mit den anderen betrieblichen Gefährdungen abgewogen werden. Die Gefährdungsbeurteilung kann zu dem Ergebnis kommen, anderen sicherheitstechnischen Maßnahmen den Vorrang zu geben.

Technische Regel für Arbeitsstätten „Beleuchtung“ (ASR A3.4):

Die Technische Regel für Arbeitsstätten „Beleuchtung“ (ASR A3.4) hebt deutlich hervor, dass Beleuchtung mit Tageslicht besser ist als künstliche Beleuchtung. Zudem betont sie die günstige Wirkung des Tageslichts auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen. Diese Wirkung hängt mit Eigenschaften zusammen, die nur das Tageslicht aufweist. Dazu gehören beispielsweise die Dynamik in der Änderung der Beleuchtungsstärke, Lichtfarbe und Lichtrichtung.

Autor: Markus Horn