04.02.2019

Topfit durch das richtige Licht am Arbeitsplatz

Beim Licht stellen sich viele Akteure im Arbeitsschutz lediglich die Frage, wie hell oder dunkel es an den jeweiligen Arbeitsplätzen sein soll. Doch Licht hat noch viele nichtvisuelle Eigenschaften, die für die langfristige Gesundheit der Arbeitnehmer sehr wichtig sein können. Darüber hinaus ist die „innere Uhr“ zu beachten – auch über das Schichtende hinaus.

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Künstliche Beleuchtung am Arbeitsplatz kann die innere Uhr von Arbeitnehmern stören. Wie sich das auswirkt, hängt von ihrem Lebens- und Arbeitsrhythmus der ab. Leben sie generell nach dem Rhythmus des natürlichen Tageslichts, bleibt ihre innere Uhr auch durch künstliche Beleuchtung am Abend im Takt. Verbringen Arbeitnehmer aber viel Zeit an Orten ohne oder mit nur wenig Tageslicht, kann sich das künstliche Licht ungünstig auf die innere Uhr auswirken.

Sorgen Sie tagsüber für gutes Licht

Wo immer also Tageslicht zur Verfügung steht, sollte es auch genutzt werden. Entsprechend sagt die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) über die Beleuchtung in ihrem Anhang, Abschnitt 3.4:

„Der Arbeitgeber darf als Arbeitsräume nur solche Räume betreiben, die möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und die eine Sichtverbindung nach außen haben.“

Wenn an Arbeitsplätzen tagsüber kein oder nur wenig Tageslicht zur Verfügung steht, sollte ergänzend helle künstliche Beleuchtung oder Beleuchtung zum Einsatz kommen. Dieses Licht kann ähnliche nichtvisuelle Lichtwirkungen wie Tageslicht erzielen, es jedoch nicht ersetzen.

Bei der Arbeit am Computer, Tablet oder Smartphone bieten sich, wenn die Arbeitsaufgabe es zulässt, spezielle Blaulichtfilter-Programme wie Night Shift an. Sie aktivieren sich idealerweise spätestens zwei Stunden vor dem üblichen Arbeitsende und passen die Farbtemperatur und Helligkeit des Bildschirms automatisch an.

Variable Lösungen für die Beleuchtung bei Nachtarbeit

Oft füllt auch während der Nachtarbeit die Beleuchtung einen Raum mit hellem Licht aus. Das ist sinnvoll, wenn die visuellen Anforderungen und/oder das Gefahrenpotenzial sehr hoch sind. Bei den häufig eingesetzten Beleuchtungen mit hoher Farbtemperatur, die die Müdigkeit vermindern und eine Energieersparnis bringen sollen, überwiegen langfristig die Nachteile für die Gesundheit. Empfehlenswert sind dagegen Beleuchtungslösungen, die Nutzer anpassen können:

  • Um die innere Uhr und den Tagschlaf nach der Nachtschicht möglichst wenig zu stören, muss während der Nachtarbeit helles Licht oder Licht mit hohen Blauanteilen vermieden werden. Das Licht sollte in dieser Zeit primär die für die Sehaufgabe relevante Arbeitsfläche beleuchten und nicht direkt ins Auge fallen.
  • Wenn es zum Ende der Nachtschicht oder auf dem Nachhauseweg draußen bereits hell ist, kann das den anschließenden Schlaf stören. In diesen Fällen kann ein Schutz vor Tageslicht sinnvoll sein, z.B. durch Jalousien oder blaulichtreduzierende (orangefarbene) Brillen für den Heimweg.
  • Nicht benötigte Lichtquellen sollten abgeschaltet oder gedimmt werden.
  • Wenn ein Abschalten oder Dimmen nicht möglich ist und die Arbeitsaufgabe es zulässt, sollte die Blickrichtung oder die Position des Arbeitenden so verändert werden, dass der Abstand zwischen Auge und Lichtquelle so groß wie möglich ist.

Hinweis

Licht dient bei Arbeiten in der Nacht auch der Übersicht über das gesamte Arbeitsumfeld. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass Dunkelheit in großen Bereichen Beklommenheit oder Angst verursacht.

Wichtige rechtliche Rahmenbedingungen zur Beleuchtung am Arbeitsplatz

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG):

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Arbeitgeber, die erforderlichen Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu treffen. Da die nichtvisuellen Wirkungen der Beleuchtung für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit relevant sind, müssen sie entsprechend berücksichtigt werden.

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV):

Die Arbeitsstättenverordnung konkretisiert die Gefährdungsbeurteilung – auch hinsichtlich der Beleuchtung, insbesondere im Anhang 3.4 der Verordnung. Hier findet sich seit 2016 wieder die Sichtverbindung nach außen – der Gesetzgeber misst dem Tageslicht auch in seiner nichtvisuellen Wirkung eine hohe Bedeutung bei. Gefährdungen durch die nichtvisuellen Wirkungen von Licht müssen mit den anderen betrieblichen Gefährdungen abgewogen werden. Die Gefährdungsbeurteilung kann zu dem Ergebnis kommen, anderen sicherheitstechnischen Maßnahmen den Vorrang zu geben.

Technische Regel für Arbeitsstätten „Beleuchtung“ (ASR A3.4):

Die Technischen Regel für Arbeitsstätten „Beleuchtung“ (ASR A3.4) hebt deutlich hervor, dass Beleuchtung mit Tageslicht besser ist als künstliche Beleuchtung. Zudem betont sie die günstige Wirkung des Tageslichts auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen. Diese Wirkung hängt mit Eigenschaften zusammen, die nur das Tageslicht aufweist. Dazu gehören beispielsweisee die Dynamik in der Änderung der Beleuchtungsstärke, Lichtfarbe und Lichtrichtung.

Tipp

Das Werk „Arbeitsstätten sicher prüfen und betreiben“ bietet Ihnen kompakte Hintergrundinformationen und Praxistipps zu allen technischen Regeln für Arbeitsstätten. Inklusive Checklisten für die sichere und schnelle Umsetzung und rechtskonforme Dokumentation.

Autor: Markus Horn