02.01.2020

Novellierung der Trinkwasserrichtlinie

Am 18. Dezember haben sich die Vertreter des Europäischen Parlaments und des Rats auf einen Kompromiss zur Neufassung der Trinkwasserrichtlinie geeinigt.

Trinkwasser im Glas

So schreibt die Trinkwasserrichtlinie künftig vor, dass die Mitgliedsstaaten den Zugang zu Trinkwasser verbessern müssen. Nach Angaben der Europäischen Kommission sind 23 Millionen Europäer derzeit nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Erforderlich sind insbesondere Maßnahmen, die schutzbedürftigen und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen den Zugang zu Trinkwasser sichern, wie z.B. die Installation öffentlicher Wasserspender oder die kostenlose Bereitstellung von Trinkwasser in öffentlichen Gebäuden.

Neue Grenzwerte für Schadstoffe

Außerdem sieht der Kompromiss eine Halbierung der Grenzwerte für Blei und Chrom im Trinkwasser vor. Neu aufgenommen werden Grenzwerte für 20 perfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), die in der Umwelt und im menschlichen Körper nicht abgebaut werden können.

Für die hormonverändernde Substanz Bisphenol A sowie für die Stoffe Chlorit, Chlorat, Halogenessigsäuren, Microcystin-LR und Uran werden ebenfalls erstmals Grenzwerte festgelegt, die ab dem Frühjahr 2025 eingehalten werden müssen.

Neu ist auch die Einführung einer „Beobachtungsliste“ für Stoffe, die als potenziell gesundheitsschädlich gelten. Auf dieser Liste werden z.B. die hormonell wirksamen Substanzen Beta-Estradiol und Nonylphenol stehen, aber auch Mikroplastik. Die Versorger sind verpflichtet, die auf dieser Liste stehenden Stoffe im Trinkwasser zu messen. Gegebenenfalls können die Mitgliedstaaten die Versorger auch verpflichten, diese Substanzen aus dem Wasser zu entfernen.

Neue Informationspflichten

Auch neue Pflichten zur Information von Verbrauchern werden in der novellierten Trinkwasserrichtlinie enthalten sein. Die Wasserversorger haben die Verbraucher jährlich z.B. über die Wasserqualität, den Wasserpreis und die verbrauchte Wassermenge – auch im Vergleich mit einem durchschnittlichen Haushalt sowie über Möglichkeiten zur Reduzierung des Wasserverbrauchs zu unterrichten. Außerdem müssen sie über mögliche Gefahren informieren, die ggf. mit einer Überschreitung von Grenzwerten verbunden sein können. Wasserversorger, die täglich mehr als 10.000 m³ Trinkwasser produzieren oder über 50.000 Personen versorgen, müssen zusätzlich jährlich auch über ihre Wasserverluste informieren.

Voraussichtlich im Frühjahr 2020 soll die nun vereinbarte Neufassung der Richtlinie formell vom Europäischen Parlament und dem Rat angenommen werden. Anschließend wird die Richtlinie im Amtsblatt der EU veröffentlicht; sie tritt 20 Tage später in Kraft. Dann haben die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, um die Regelungen in nationales Recht umzusetzen.

Autor: Anke Schumacher