Fachbeitrag | Methoden
30.06.2016

Ishikawa-Diagramm: Ursachen und Wirkungen auf der Spur

Es hat viele Namen: Ishikawa-Diagramm – nach dem Wissenschaftler Ishikawa Kaoru, der es Anfang der vierziger Jahre entwickelt hat, – oder auch Fischgrät-/Fishbone- oder Ursache-Wirkungs-Diagramm. Anhand eines Fischskeletts macht es die Beziehungen zwischen den Ursachen und ihren Wirkungen transparent. Die Kenntnis und das Verstehen des Zusammenhangs zwischen Ursache und Wirkung bildet eine der Grundlagen jeder Prozessverbesserung.

Ishikawa-Diagramme, auch Fischgrät-Diagramme genannt, werden bei der Prozessbverbesserung eingesetzt.© Ilya Andriyanov /​ Hemera /​ Thinkstock

Die Qualität eines Produkts resultiert aus der Erfüllung verschiedener Forderungen. Dazu gehören Kundenforderungen (nach Sicherheit, Ökonomie und Umweltverträglichkeit des Produkts), technische Forderungen (nach Sicherheit, Wartbarkeit, Haltbarkeit des Produkts, Beachtung des Stands der Technik, Transparenz der Zusammenhänge im Produktionsprozess), Normenforderungen (nach fortschrittlichem, gültigem QM-System, Beachtung aller Vorschriften, Regeln und Richtlinien) und wirtschaftliche Forderungen (nach dem Nutzen für den Kunden und das Unternehmen).

Qualität wird durch mehrere Ursachengruppen aktiv geprägt, z.B. Arbeitsverfahren (Ablauf, Standards etc.), Mitarbeiter (Qualifikation, Motivation etc.) Sachmittel (Qualität, Quantität), Information (Vollständigkeit, Rechtzeitigkeit etc.) oder Arbeitsumgebung (klimatisch-räumliche Verhältnisse, Störungen etc.).

Vollständiger visueller Überblick

Diese Aspekte, die ein Problem entstehen lassen (können), sind in der Regel komplex vernetzt und ihre Zusammenhänge nicht ohne Weiteres erkennbar. Sie können jedoch im Ishikawa-Diagramm strukturiert und transparent verdeutlicht werden. Letztlich wird ein vollständiger visueller Überblick über das ganze Problem und seine Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge erhalten.

Wann wird das Ishikawa-Diagramm eingesetzt?

Die Methode eignet sich besonders als Leitfaden für die Aufnahme bisher unentdeckter Zusammenhänge in der Teamarbeit.

Das Ishikawa-Diagramm kann für Analysen verschiedener Art verwendet werden:

  • Ursache-Wirkungs-Analyse
    An der Spitze des waagerechten Hauptpfeils steht die Auswirkung aller Ursachen, auf den „Gräten“ stehen die Einflussgrößen und ihre Nebenaspekte. Von den weiteren Pfeilen weisen jeweils die längeren auf die Hauptursachen, die kürzeren auf Nebenaspekte.
  • Strukturierung von Aktivitäten in Prozessen bzw. Analyse von Prozessen
    In diesem Fall steht an der Spitze des Hauptpfeils das Ergebnis des Prozesses, während die einzelnen Gräten die Aktivitäten hierarchisch geordnet darstellen.Die Methode eignet sich gut für die Erstaufnahme von Problemstrukturen, weniger für eine detaillierte Analyse komplexer und verschachtelter Netze. Sie kommt daher vor allem in den Schritten 2 und 3 des Verbesserungsprozesses zum Einsatz.

Mit dem Ishikawa-Diagramm kann man den Zusammenhang von Ursache und Wirkungen in Form eines Fischskeletts visualisieren.
Mit dem Ishikawa-Diagramm kann man den Zusammenhang von Ursache und Wirkungen in Form eines Fischskeletts visualisieren.

Hier können Sie die Vorlage eines Ishikawa-Diagramms im PPTx-Format downloaden.

Vorteile und Nachteile der Analyse mittels Ishikawa-Diagramm

Zu den Vorteilen zählen die übersichtliche visuelle Darstellung von Ursachen und Wirkungen einer Problemstruktur, ihre einfache Handhabung, die keine Einschulung erforderlich macht, und die Flexibilität: Es kann überall und von jedermann sofort durchgeführt werden.

Der Nachteil dieser Methode ist ihre Aufwendigkeit: Sie ist bei komplexen Strukturen kaum mehr handhabbar und erfordert stets eine die erforderliche Vor-Hierarchisierung. Diese schließt mögliche Querverbindungen zwischen den Gräten von vornherein aus. Für eine quantitative Auswertung ist der Transfer der Ergebnisse zu anderen Formaten (z.B. Excel etc.) erforderlich.

Doch wie genau setzt man das Ishikawa-Diagramm ein? Hier ein Leitfaden in neun Schritten.

Schritt 1 – Ishikawa-Diagramm erstellen

Die Erstellung des Diagramms erfolgt in einer moderierten Arbeitsgruppe. Es ist wichtig, dass für jeden relevanten Bereich des zu analysierenden Problems sachkompetente Teilnehmer anwesend sind. Es kann sinnvoll sein, auch externe Personen, z.B. Lieferanten oder Kunden, hinzuzuziehen.

Schritt 2 – Ursachen erforschen

Die Ursachenforschung beginnt mit einem Brainstorming über die Problemstellung: Welches Problem ist zu analysieren und zu lösen? Die Beschreibungen des Problems, der Ziele, der zur Verfügung stehende Zeit- und Kostenrahmen, die Analysetiefe etc. sollten bei den Sitzungen bereits vorliegen.

Schritt 3 – Hauptursachen ermitteln

Mit Brainstorming-Techniken können Sie die Hauptursachen und ihre Wirkungen ermitteln. Notieren Sie jedes dieser Einzelergebnisse mit seiner vermutlichen Wirkung und der jeweiligen Wahrscheinlichkeit seines Auftretens auf einer Karte.

Schritt 4 – Fischgrätdiagramm bilden

Bilden Sie ein Fischgrätdiagramm: Ausgangspunkt des Diagramms ist ein horizontaler Pfeil mit einer Box auf der rechten Seite, in der Sie das bestehende Problem (Fehler, Endproblem etc.) möglichst prägnant nennen, z.B. „hohe Fluktuationsrate“. Der Pfeil dient als sogenannter Backbone, von dem aus weitere größere oder kleinere Ursachen kategorisiert und zueinander in Beziehung gesetzt werden.

Schritt 5 – Hauptursachen definieren

Definieren Sie nun die Hauptursachen (Hauptkategorien), z.B. M-Standardkategorien: Mensch, Maschine, Management, Mitwelt, Moneten, Messung etc. Diese Hauptkategorien (Hauptursachen) bilden die Gräten des Diagramms.

Schritt 6 – Ishikawa-Diagramm ausfüllen

Ordnen Sie nun die Karten den von Ihnen festgelegten Hauptkategorien zu. Heften Sie die Karten dazu in das mit den Gräten gebildete Fischgrätdiagramm ein.

Hinterfragen Sie die Ursachen, um Nebenursachen zu finden. Bewerten Sie besonders relevante Ursachen. Gegebenenfalls detaillieren Sie diese. Haupt- und Detailursachen einer Wirkung werden vertikal versetzt entlang der Hauptwirkungslinie angeordnet.

So ist es möglich, die kausale Abhängigkeit der Einflussgrößen bis zur Zielgröße darzustellen und sowohl positive als auch negative Einflussgrößen zu identifizieren. Die Strukturierung aller Beiträge wird durch die Fischgrätenstruktur gefördert und die Teilnehmer werden durch die Kategorienvorgabe diszipliniert.

Überfüllen Sie das Diagramm nicht: Wenn eine Kategorie das Diagramm zu dominieren beginnt, dann lagern Sie diese Kategorie besser in ein anderes Diagramm aus, dessen Hauptkategorie (horizontaler Pfeil) die dominante Kategorie ist.

Schritt 7 – Ishikawa-Diagramm auswerten

Werten Sie nun das Diagramm aus: Sind die Zusammenhänge vollständig, schlüssig und widerspruchsfrei? Beachten Sie, dass ein mehrfaches Auftreten von Ursachen in unterschiedlichen Hauptkategorien schon die Wurzel des Problems sein kann. Kategorisieren Sie die Fehlermöglichkeiten nach ihrer Wirkung und der Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens. Achten Sie dabei auf die Pfeilstruktur, da sie die Zusammenhänge darstellt.

Schritt 8 – Problemlösung erarbeiten

Untersuchen Sie zuerst die Inhalte aller aufgenommenen Haupt- und Nebenkategorien, bevor Sie sich der Problemlösung zuwenden. Detaillieren Sie ggf. den Ursache-Wirkungs-Zusammenhang mit immer tiefer gehenden Ursachen. Visualisieren Sie ggf. den prozeduralen Zusammenhang mit geeigneten Werkzeugen, z.B. einem Netzplan. Prüfen Sie dabei insbesondere die Schnittstellen zwischen verschiedenen Prozessteilen. Zurück zu Ishikawa: Wo muss angesetzt werden, um identifizierte Problempfade zu kappen? Achtung: Welche Konsequenzen sind dann in Bezug auf den dahinterliegenden Prozess zu erwarten, wo muss dieser geändert werden?

Schritt 9 – Betroffene informieren

Informieren Sie alle vom Problem Betroffenen über die Ergebnisse, über ihre Zusammenhänge, die Ursachen und die Wirkungen.

Den wirklichen Ursachen auf die Spur kommen

Häufig werden während der Optimierungsarbeiten die erstbesten Schlussfolgerungen als Voraussetzung für die Verbesserungsmaßnahmen angenommen, ohne die Ursachen gründlich erforscht zu haben. Die wichtigste Ursache bleibt daher oft unentdeckt, sekundäre Ursachen treten in den Vordergrund und die ergriffenen Maßnahmen richten sich nur auf oberflächliche Symptome des Problemkreises. Ursache-Wirkungs-Diagramme vermeiden diese Irrwege, indem sie die Struktur der Beziehungen zwischen den Ursachen und ihren Wirkungen transparent machen sowie einen adäquaten Rahmen für die Datenerfassung und eine einheitliche Verständnisgrundlage für die Beteiligten innerhalb und außerhalb des Teams bieten.

Autor: Anja Kranefeld 

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