23.01.2017

Mit Kreativitätstechniken zu neuen Lösungen!

Die Kreativität des Menschen ist die Grundlage für jeglichen Fortschritt in Wirtschaft und Gesellschaft. Kreativität kann sich durch das Denken in Vorstellungen oder in der Zusammenfügung von Gedanken ergeben, wobei das Ergebnis mehr als eine reine Aufsummierung des bereits Bekannten ergibt. In der Praxis hat sich heute eine Vielzahl von Kreativitätstechniken etabliert, von denen die bedeutendsten im Folgenden vorgestellt werden.

Mit Kreativitätstechniken zu neuen Lösungen

Arten von Kreativität

Es lassen sich vier Kreativitätsarten unterscheiden, die in einem unmittelbaren Zusammenhang zueinander stehen und in ihrer Gesamtheit einen Transformationsprozess abbilden, an dessen Ende umsetzbare kreative Lösungen stehen. Dabei handelt es sich um

  • kreative Personen,
  • kreative Prozesse,
  • kreative Produkte und
  • die kreative Umwelt.

Der kreative Prozess

Obwohl spontan geäußerte Ideen und Vorschläge bei Mitarbeitern durchaus zu brauchbaren Lösungsansätzen führen können, sollte es Ziel des Unternehmens sein, einen Prozess zur systematischen Suche, Bewertung und Umsetzung von Ideen und Lösungsansätzen zu implementieren. Abbildung 1 zeigt den kreativen Prozess.

Abb. 1: Kreativer Prozess

Der kreative Prozess

 

 

Prinzipien zum Fördern von Kreativität

Kreativitätstechniken sind systematische, strukturierte Vorgehensweisen, mit denen die Ideensuche unterstützt wird. Sie bedienen sich verschiedener Prinzipien, mit deren Hilfe sich Gedanken, Ideen und Vorschläge finden und zu Lösungsansätzen verdichten lassen.

Erfahren Sie im Folgenden, welche Kreativitätstechnik sich für welche Fragestellung am besten eignet.

Brainstorming

Das Ziel des klassischen Brainstormings besteht darin, durch freie Assoziation Ideen, Gedanken und Vorschläge zu äußern, die sich zu brauchbaren Lösungsansätzen weiterentwickeln lassen. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es empfiehlt sich, eine Brainstorming-Sitzung in sechs Schritten durchzuführen, wobei für jeden Schritt eine bestimmte Zeit eingeplant werden sollte.

Brainwriting – Methode 6-3-5

Brainwriting kann als eine schriftliche Variante des Brainstormings interpretiert werden. Das Ziel dieser Kreativitätstechnik besteht darin, die Intensität der Weiterentwicklung von Ideen und Vorschlägen durch die anderen Teilnehmer des Kreativ-Teams noch zu verstärken, um so die Qualität der Ideen zu verbessern. Eine weitverbreitete Variante des Brainwritings ist die Methode 6-3-5. Bei dieser Methode werden Ideen, Gedanken und Vorschläge auf Formblättern schriftlich erfasst, die dann im Kreativ-Team zirkulieren und weiterentwickelt werden.

Brainwriting – Ideenblatt

Eine weitere Variante des Brainwritings ist das Ideenblatt. Dabei handelt es sich um ein einfaches Hilfsmittel zur Erfassung von Themen- oder Problemfeldern, das insbesondere bei Organisationsproblemen eingesetzt werden kann. Mithilfe eines Ideenblatts lässt sich das situative Umfeld eines Problems oder einer Aufgabe darstellen.

Mindmapping

Beim Mindmapping wird versucht, das Ergebnis von kreativen Denkprozessen in sogenannten Gedankenlandkarten abzubilden, die dem menschlichen Denken in Stichworten und assoziierten Bildern entsprechen. Mithilfe des Mindmappings lassen sich komplexe Problemstellungen und Aufgaben bearbeiten, die nicht in linearen Denkprozessen in geordneter Art und Weise zu stimulieren sind.

Clustering

Clustering ist eine dem Mindmapping ähnliche Kreativitätstechnik zur Visualisierung von Assoziationen. Mit dieser Technik lassen sich Gedanken und Ideen in eine sinnvolle Struktur bringen. Clustering wird auch als Kurzschrift des bildlichen Denkens bezeichnet.

Synektik

Die Synektik ist eine Methode zur systematischen Verfremdung eines Problems durch die Bildung von Analogien in einem Kreativ-Team. Sie eignet sich insbesondere zur Lösung von heterogenen Problemstellungen und Aufgaben, die nicht eindeutig definiert und abgegrenzt werden können. Abbildung 2 zeigt die Schritte, in denen eine Synektik-Sitzung durchgeführt wird.

Abb. 2: Schritte einer Synektik-Sitzung

Kreativitätstechnik: Synektik-Sitzung

 

 

Reizwortanalyse

Die Reizwortanalyse kann als eine verkürzte Synektik-Sitzung aufgefasst werden. Sie ist eine Kreativitätstechnik, bei der Begriffe, die scheinbar nichts mit dem behandelten Thema zu tun haben, gebraucht werden, um das Kreativ-Team kurzfristig vom Thema abzulenken, aus eingefahrenen Denkbahnen zu lösen und durch neue Denkinhalte auf neue Ideen zu bringen.

Morphologischer Kasten

Beim morphologischen Kasten handelt es sich um eine Kreativitätstechnik, bei der ein Problem in verschiedene Parameter und deren Ausprägungen zerlegt wird. Diese werden in einer Tabelle aufgelistet und systematisch miteinander kombiniert.

Morphologische Matrix

Die morphologische Matrix dient ebenso wie der morphologische Kasten der Strukturierung eines Suchfelds. Auch bei der morphologischen Matrix sind Parameter und deren Ausprägungen die bestimmenden Inhalte. Eine morphologische Matrix wird auch Erkenntnismatrix oder Problemfelddarstellung genannt.

6-Hüte-Methode

Die 6-Hüte-Methode ist eine Kreativitätstechnik, die in Kreativ-Teams, aber auch von Einzelpersonen durchgeführt werden kann. Dabei sind sechs symbolische Hüte in verschiedenen Farben zu verwenden (weiß, rot, schwarz, gelb, grün und blau), die jeweils verschiedene Denkhaltungen bzw. Aspekte eines Problems symbolisieren.

Walt-Disney-Methode

Ähnlich wie die 6-Hüte-Methode beruht auch die Walt-Disney-Methode auf der Überlegung, dass ein kreativer Kreislauf dadurch entsteht, dass ein Problem aus verschiedenen Perspektiven beurteilt wird. Bei dieser Methode wird ein Problem bzw. Thema aus einer träumerisch-irrationalen, einer realistischen und einer kritischen Sicht beleuchtet.

Hypothesenmatrix

Die Hypothesenmatrix ist eine Kreativitätstechnik, mit der versucht wird, qualitative Zusammenhänge und Verknüpfungen bei komplexen Problemstellungen aufzudecken. Die Methode wird von Fachexperten durchgeführt.

Progressive Abstraktion

Die Methode der progressiven Abstraktion basiert auf dem Prinzip, durch eine Abstraktion, also durch eine grundsätzlichere Formulierung der Aufgabe bzw. des Problems, die Betrachtungsebene zu ändern. Dies erfolgt in mehreren aufeinanderfolgenden Abstraktionsstufen.

Allgemeine Checkliste

Allgemeine Checklisten sind Fragenkataloge, die sich auf bestehende Untersuchungsgegenstände, z.B. bestehende Systeme, Konzepte, Prozesse, Produkte, Dienstleistungen oder Problemstellungen, beziehen und Vorstellungen über die gewünschten Eigenschaften des Untersuchungsgegenstands enthalten.

Osborn-Checkliste

Eine spezielle – von Alex Osborn entwickelte – Checkliste dient der systematischen Hinterfragung eines bestehenden Produkts oder eines bereits vorliegenden Lösungsansatzes im Hinblick auf mögliche Verbesserungen. Dies erfolgt durch eine Auflockerung des Suchfelds mithilfe von zehn Prinzipien.

Bisoziation

Die Bisoziation ist eine Kreativitätstechnik, mit der versucht wird, Ideen durch bildhafte Vergleiche mit „fremden Bereichen“ zu gewinnen. Das Ziel dieser Technik besteht darin, geistige Routinen durch neue, ungewöhnliche Ideenkombinationen zu durchbrechen.

Kraftfeldanalyse

Bei der Kraftfeldanalyse handelt es sich um eine Kreativitätstechnik, mit der sich jene Kräfte beurteilen lassen, die auf eine bestimmte Situation einwirken und sich beeinflussen lassen. Dabei werden treibende Kräfte, also Kräfte, die nach einer Veränderung drängen, mit hemmenden Kräften, also Kräften, die das Bestehende erhalten wollen, verglichen.

Wertanalyse

Die Wertanalyse ist eine komplexe Problemlösungs- und Verbesserungsmethode, die ursprünglich aus dem Bereich der Materialwirtschaft stammt und heute als Totalanalyse nicht nur für gegenständliche Produkte und Prozesse, sondern auch für Dienstleistungen anwendbar ist. Den Kern eines Wertanalyseprojekts bildet die Funktionenanalyse. Deren Ziel besteht darin, ein Produkt, eine Dienstleistung oder einen Prozess in seine Funktionen zu zerlegen und diese zu hinterfragen.

PMI-Methode

Ziel der PMI-Methode (P = Plus, M = Minus, I = Interessantes) ist es, die Nützlichkeit einer Idee oder eines Lösungsansatzes zu bewerten. Dazu werden die positiven und negativen Aspekte der Idee bzw. des Lösungsansatzes aufgeführt und gegeneinander abgewogen.

Bewertungsmatrix

Eine Kreativitätstechnik zur Bewertung von Ideen und Lösungsansätzen ist die Bewertungsmatrix, auch Kriterienmatrix genannt. Ziel ist es, Ideen und Lösungsansätze anhand von verschiedenen Kriterien zu beurteilen. Bewertet wird dabei der Zielerreichungsgrad der Kriterien mithilfe eines Punktesystems, das sich an einer Schulnotenskala orientiert.

Das betriebliche Vorschlagswesen (BVW)

Eine Möglichkeit, Mitarbeiter verstärkt in die Unternehmensaktivitäten einzubinden, sodass sie ihre Kreativität zum Nutzen des Unternehmens einsetzen können, besteht darin, ihre Vorschläge für Verbesserungen in einem betrieblichen Vorschlagswesen (BVW) systematisch aufzugreifen und umzusetzen.

Probleme und Barrieren beim Einsatz von Kreativitätstechniken

Immer wieder ist bei der Anwendung von Kreativitätstechniken in der Praxis zu beobachten, dass es hier zu Problemen kommt und verschiedene Barrieren das kreative Arbeiten hemmen. Dies sind die acht wichtigsten:

  • falsche Zusammensetzung des Kreativ-Teams
  • Barrieren bei der Anwendung von Kreativitätstechniken
  • Auswahl ungeeigneter Moderatoren
  • keine Experimentierphase
  • Unterschätzung des Innovationspotenzials
  • kulturelle Barrieren
  • unzureichende Räumlichkeiten
  • fehlende Hilfsmittel

Maßnahmenplan zur Umsetzung von Lösungsansätzen

Wird eine für geeignet empfundene Idee nicht oder nur unzureichend umgesetzt, so führt dies bei den an der Erarbeitung des Lösungsansatzes Beteiligten zu Unmut und Frustration. Daher ist es wichtig, einen Maßnahmenplan zu entwickeln und diesen von den Entscheidungsträgern in Kraft setzen zu lassen.

Mithilfe des Formulars Maßnahmenplan zur Problemlösung können Sie die systematische Umsetzung des Lösungsansatzes vorantreiben.

Autor: Jens Harmeier