10.07.2017

Individuelle Gefährdungsbäume nach C-Normen in der Risikobeurteilung

Die klassische Norm für die Risikobeurteilung nach Maschinenrichtlinie ist die DIN EN ISO 12100. Sie beschreibt das grundsätzliche Verfahren. Und sie gibt in den Anhängen auch einen allgemeinen Gefährdungsbaum vor, der Gefährdungsfolgen beschreibt, die typischerweise von Maschinen ausgehen. Allerdings ist es für viele Hersteller erforderlich, diesen Gefährdungsbaum an ihre speziellen Produkte anzupassen.

Die Europäische Union

Die Notwendigkeit einer individuellen Anpassung ergibt sich in der Regel aus den C-Normen. Denn die Maschinenrichtlinie unterscheidet grundsätzlich in A-, B- und C-Normen.

  • Typ-A-Normen legen grundlegende Begriffe, Terminologie und Gestaltungsleitsätze fest, die für sämtliche Maschinenkategorien anwendbar sind. Die Anwendung derartiger Normen für sich alleine reicht nicht aus, um die Übereinstimmung mit den einschlägigen grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen der Richtlinie zu gewährleisten, obwohl sie einen wichtigen Rahmen für die richtige Anwendung der Maschinenrichtlinie bilden und begründet daher keine umfassende Konformitätsvermutung. Die EN ISO 12100 ist dabei die einzige A-Norm unter der Maschinenrichtlinie.
  • Typ-B-Normen befassen sich mit bestimmten Aspekten der Maschinensicherheit oder bestimmten Arten von Schutzeinrichtungen, die über eine große Bandbreite von Maschinenkategorien verwendet werden können.
  • Typ-C-Normen enthalten Spezifikationen für eine bestimmte Maschinenkategorie. Die unterschiedlichen Maschinenarten, die zu der durch eine Typ-C-Norm abgedeckten Kategorie zählen, weisen einen gleichartigen Verwendungszweck auf und sind durch gleichartige Gefährdungen gekennzeichnet. Typ-C-Normen können auf Typ-A- oder Typ-B-Normen verweisen, wobei angegeben wird, welche der Spezifikationen der Typ-A- oder Typ-B-Norm auf die betreffende Maschinenkategorie anwendbar sind.

Wenn für einen bestimmten  Aspekt der Maschinensicherheit eine Typ-C-Norm von den Spezifikationen einer Typ-A- oder Typ-B-Norm abweicht, haben die Spezifikationen der Typ-C-Norm Vorrang gegenüber den Spezifikationen der Typ-A- oder Typ-B-Norm.

Grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen der Maschinenrichtlinie

Die Anwendung der Spezifikationen einer Typ-C-Norm auf der Grundlage der Risikobeurteilung des Herstellers ergibt eine Konformitätsvermutung mit den grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen der Maschinenrichtlinie, die durch die Norm abgedeckt sind.

Mit der neuen Version 3.0 der erfolgreichen Software WEKA Manager CE ist dieses Vorgehen nun ganz einfach möglich. Denn völlig neu in dieser Version ist die Möglichkeit, den Gefährdungsbaum für die Risikobeurteilung individuell zu definieren.

Bisher war für alle Projekte immer nur ein einziger Standard-Gefährdungsbaum vorgesehen. Dieser Baum basierte vor allem auf der EN ISO 12100, dem CEN Guide 404 sowie teilweise auf dem CENELEC Guide 32. Bei der Durchführung der Risikobeurteilung war dieser Baum immer die Grundlage. Es konnten zwar im Rahmen der Risikobeurteilung einzelne Gruppen oder Folgen hinzugefügt werden, aber eine Anpassung bereits im Vorfeld der Projekterstellung war nicht möglich.

Anwender können eigene Gefährdungsbäume erstellen

Mit der Version 3.0 hat man nun genau diese Möglichkeit: Die Anwender  können eigene Gefährdungsbäume erstellen – entweder auf Basis eines bereits vorhandenen oder völlig freihändig. Damit können sie die Bäume optimal auf die speziellen Anforderungen ihrer Produkte hin gestalten. Sie können Gruppen und Folgen hinzufügen, löschen und zusammenfassen oder deren Reihenfolge im Baum ändern. Und sie können die Ursprünge, Lebensphasen, Gefährdungsorte und Personen frei definieren und abändern.

WEKA Manager CE: Individuellen Gefährdungsbaum bearbeiten
WEKA Manager CE: Individuellen Gefährdungsbaum bearbeiten

So können die Anwender genau das umsetzen, was für ihr Unternehmen und ihre Produkte passend ist. Auch im Hinblick auf die Standardisierung und Einheitlichkeit der Risikobeurteilung und der dazu gehörenden Dokumentation gewinnen sie dadurch ganz neue Spielräume. Dem Bearbeiter einer Risikobeurteilung können sie beispielsweise durch diese Vorarbeit bereits einen sehr genauen Fahrplan für die Durchführung der Risikobeurteilung an die Hand geben. Außerdem können sie für unterschiedliche Arten von Produkten auch unterschiedliche Gefährdungsbäume vorsehen.

Zielgerichtete Risikobeurteilung

Damit können auch die signifikanten Gefährdungen eines Produkts aus  einer C-Norm nun im Rahmen eines Gefährdungsbaums im WEKA Manager CE 1:1 abgebildet werden. Der Anwender kann also die Besonderheiten für seinen Maschinentyp schon im Vorfeld optimal dort aufnehmen. Das ermöglicht eine zielgerichtete Risikobeurteilung, die genau auf diese speziellen Gefährdungen eingeht. Daneben können natürlich auch weiterhin alle anderen Gefährdungen, die sich aus A- oder B-Normen ergeben, mit einfließen.

WEKA Manager CE: Individueller Gefährdungsbaum
WEKA Manager CE: Individueller Gefährdungsbaum

Wenn ein Gefährdungsbaum einmal angelegt wurde, steht er für alle zukünftigen Projekte zur Verfügung. Der Aufwand für die Erstellung der Risikobeurteilung kann somit deutlich reduziert werden und der Anwender hat gleichzeitig die Gewährleistung, dass die speziellen Anforderungen seiner C-Norm vollständig abgedeckt werden.

Selbstverständlich bleibt aber der gewohnte Gefährdungsbaum auf Basis der EN ISO 12100 als „WEKA Gefährdungsbaum Maschinen“ in der Software erhalten. Anwender können ihn wie bisher in gewohnter Art und Weise weiterbenutzen, was z.B. immer dann nötig ist, wenn es für ein neues Produkt keine spezielle C-Norm gibt.

Autor: Stephan Grauer