Fachbeitrag | Bestatter 06.07.2016

Im Urlaub zur Beerdigung nach Indonesien

Jetzt ist wieder Urlaubszeit und viele träumen von fernen exotischen Ländern. Am Strand liegen, Städte besichtigen? Vielen ist das zu langweilig. Wer auf der Suche nach einem unvergesslichen Erlebnis ist, kann im Süden der indonesischen Insel Sulawesi an einer Bestattung der besonderen Art teilnehmen. Die Toraja, ein indonesisches Bergvolk, feiert zusammen mit den Verstorbenen ein Fest, das seinesgleichen sucht. Besucher sind dabei herzlich willkommen, wenn sie ein Gastgeschenk mitbringen.

Feiern mit den Toten

Die Toraja glauben wie die Christen an ein Leben nach dem Tod. Das Leben im Diesseits ist nur ein Übergang zum wahren Leben im Jenseits. Die Seele des Verstorbenen bleibt nach seinem Tod in der Nähe. Der Leichnam wird gereinigt, früher mit Kräutern, heute mit Formaldehyd einbalsamiert und dann meist in sein Haus zurückgebracht, wo er bis zur Feier verweilt. Da alle Familienmitglieder zur Beerdigung kommen sollen, kann sich der Bestattungstermin bei einer weitläufigen Verwandtschaft schon mal Monate oder auch Jahre hinziehen. In der Zwischenzeit wird der Verstorbene so behandelt, als ob er noch lebt.

Die eigentliche Beerdigung wird ausgiebig und ausgelassen mit rituellen Tänzen gefeiert. Die Feier dauert mehrere Tage. Verwandte, Freunde und Nachbarn kommen mit Opfergaben. Den köstlichen Speisen und dem Reiswein wird reichlich zugesprochen. Dagegen wirkt ein traditioneller, norddeutscher Leichenschmaus mit Kaffee, Tee, Butterkuchen und belegten Brötchen sehr bescheiden.

Je größer das Ansehen des Verstorbenen, desto mehr Besucher kommen und desto mehr Opfertiere wie wertvolle Wasserbüffel und Schweine werden geschlachtet. Ein christlicher und ein Aluk-Priester sorgen für Besinnlichkeit. Als Highlights der Festlichkeit werden zahllose Büffel und Schweine mit einer Machete geschlachtet und Hahnenkämpfe mit mindestens drei Hähnen laden zu Wetten ein. Eine blutige Angelegenheit, die das Blutvergießen auf der Welt symbolisiert.

Der prachtvoll dekorierte Sarg, der bei hohen Würdenträgern wie eine Röhre aussieht, wird von der letzten Wohnstätte des Verstorbenen zum Festplatz auf eine Art Empore getragen und von dort später zu einer Felskammer. Da Toraja davon überzeugt sind, dass sie ihren weltlichen Besitz mit ins Jenseits nehmen können, sind wertvolle Grabbeigaben obligatorisch, die in Holzsärgen an den Wänden der Kammer befestigt werden.  Die spektakulären Beerdigungen sorgen für einen regen „Bestattungstourismus“.

Wichtige Details zum Thema „Bestattung“ mit zahlreichen Praxistipps, Beispielen und Hinweisen zur Rechtsprechung finden Sie im Friedhofs- und Bestattungswesen.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)